Donnerstag, 5. Dezember 2019

US-Bank-Chef James Dimon "Banker haben die Menschen im Stich gelassen"

JPMorgan-Chef James "Jamie" L. Dimon

James Dimon ist seit 2004 Chef von JP Morgan - und damit der einzige US-Banker, der bereits vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 an der Spitze einer US-Großbank stand. Dass er selbst auch damals schon Verantwortung trug, hält Dimon nicht davon ab, kräftig gegen seine ehemaligen Kollegen auszuteilen: Vor Beginn der Finanzkrise hätten zahlreiche Banker "die Menschen in Amerika im Stich gelassen", sagte Dimon im "60 Minutes" Interview des US-Senders CBS.

Unter den Bankern habe es Leute gegeben, die "gierig und selbstsüchtig waren, die die falschen Entscheidungen getroffen haben, die selbst zu viel Geld eingesteckt und sich dann einen Dreck um die Menschen gekümmert haben", sagte Dimon. US-Banken hatten eine Immobilienblase aufgepumpt - deren Platzen im Jahr 2008 gilt als Auslöser der weltweiten Finanzkrise. Allein in den USA verloren rund 9 Millionen Menschen ihren Job und rund 10 Millionen Menschen ihr Eigenheim. Dimon ist nicht der erste prominente Finanz-Manager, der Kritik am aktuellen Finanzsystem übt. Das System funktioniere nicht mehr, die Welt sei verrückt geworden, äußerte zum Beispiel der US-Hedgefonds-Manager Ray Dalio.

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Auf die Frage, ob er auch einer dieser gierigen Banker sei, antwortete Dimon: "Nein." Er persönlich trage keine Verantwortung für die Folgen der Finanzkrise, relativierte diese Aussage jedoch im Anschluss und sagte, er würde "einen gewissen Teil" an Verantwortung übernehmen. Er könne Menschen gut verstehen, die sehr verärgert über die Rolle der Banken in der Finanzkrise seien: "Viele Menschen haben ihr Geld und ihren guten Ruf verloren, aber sehr viele eben nicht."

10 Jahre später: US-Banken feiern Rekordgewinne, Europas Banken leiden

Der 63jährige Dimon gehört zu den einflussreichsten Managern der USA und ist inzwischen selbst Milliardär. Seine Aktienanteile an der größten US-Bank JP Morgan sind aktuell knapp 500 Millionen US-Dollar wert. Für das Geschäftsjahr 2017 bekam er ein Gesamt-Entgelt in Höhe von 29,5 Millionen Dollar.

Im Juli 2014 machte Dimon eine Krebserkrankung öffentlich, blieb aber an der Spitze der Großbank. JPMorgan kündigte im vergangenen Jahr an, den Vertrag mit Dimon bis zum Jahr 2023 zu verlängern.

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Während die US-Banken die von den USA ausgelöste Finanzkrise inzwischen hinter sich gelassen haben und in hohem Maße von der brummenden US-Konjunktur profitieren, leiden Banken in Europa noch immer unter den Folgen der Krise und der Niedrigzinspolitik der Notenbanken.

Im Jahr 2018, zehn Jahre nach der Finanzkrise, verbuchte JPMorgan einen Rekordgewinn in Höhe von rund 31 Milliarden Dollar. Das ist doppelt so viel wie die gesamte Marktbewertung der Deutschen Bank (15,5 Milliarden Dollar).

la/mmo

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