Montag, 17. Februar 2020

Rettungsfonds für Italiens Banken Details zum Rettungsfonds machen Anleger nervös

Banca Monte dei Paschi di Siena: Sie ist eine der ältesten Banken Italiens

Die Einigung auf einen Rettungsfonds für die italienischen Banken hat am Dienstag die Aktien der Institute nur zeitweise gestützt. Der italienische Bankenindex, der zunächst bis zu drei Prozent zugelegt hatte, rutschte im späten Handel wieder um 3,7 Prozent ab. Dabei verbuchten die Großbanken Unicredit I, Intesa Sanpaolo und Ubibanca Kursverluste von zeitweise mehr als sechs Prozent.

Die Details zum italienischen Bankenrettungsfonds kämen bei Anlegern nicht gut an, sagte ein Börsianer. Viele Institute könnten gezwungen sein, sich über Kapitalerhöhungen frisches Geld zu besorgen. Der Rettungsfonds soll einem Insider zufolge ein Volumen von fünf bis sechs Milliarden Euro haben. Jeweils eine Milliarde würden die HVB-Mutter Unicredit und Intesa Sanpaolo beisteuern.

Mit dem Geld sollen das Kapital kriselnder Geldhäuser gestärkt und faule Kredite aufgekauft werden. Im Sog der italienischen Banken gerieten auch die Finanzwerte anderer europäischer Staaten unter Verkaufsdruck. Der Index für die Institute der Euro-Zone fiel um 0,5 Prozent.

Fünf Milliarden Euro für Bankenrettungsfonds

Vertreter der Finanzbranche des südeuropäischen Landes hatten sich am Montagabend nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan darauf geeinigt, kriselnden Geldhäusern mit rund fünf Milliarden Euro unter die Arme zu greifen. Der Fonds soll den schwächelnden Banken Aktien und notleidende Kredite abkaufen. Er erhält dabei vom staatlichen Institut Cassa Deposito e Prestiti (CDP) Unterstützung. Außerdem soll sich der Fonds an Kapitalerhöhungen beteiligen, wie die Agentur Ansa meldete.

Der neue Stützungsfonds soll die Bankbilanzen entlasten und die Kreditvergabe in Italien wieder ankurbeln. Führen soll die Einrichtung der private Fondsmanager Quaestio, weil Italien keine nach EU-Recht verbotene Staatshilfe gewähren will. Quaestio mit Büros in Mailand und Luxemburg verwaltet nach eigenen Angaben bisher rund zehn Milliarden Euro an Vermögenswerten. Einer seiner wichtigsten Anteilseigner ist die zu Intesa Sanpaolo gehörende Fondazione Cariplo.

Privater Fondsmanager soll den Rettungsfonds führen

Im Januar hatte sich die Regierung in Rom mit der EU-Kommission über die Bedingungen für mögliche Hilfen zugunsten der Banken verständigt. Demnach darf Italien prinzipiell Garantien geben, die das Verlustrisiko für Käufer von faulen Krediten begrenzen sollen. Dafür müssen die Banken aber bezahlen.

In den Bilanzen von Italiens Banken haben sich während der dreijährigen Rezession faule Kredite im Volumen von geschätzt 360 Milliarden Euro angesammelt. Das bremst die Vergabe neuer Kredite in dem Land. Ministerpräsident Matteo Renzi versucht mit zahlreichen Reformen, das Finanzsystem des Landes zu bereinigen.

Befördert wurde der Stützungsplan durch die akuten Probleme zweier Geldhäuser. Die Banca Popolare di Vicenza SCpA und die Veneto Banca müssen zusammen fast drei Milliarden Euro einsammeln, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Die Großbank Unicredit will ihre Tochter Popolare Vicenza in diesen Wochen an die Börse bringen.

rei/dpa/Reuters

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