Kritik an Deutscher Bank Jain und Fitschen droht Aufstand der Aktionäre

Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank droht ein offener Konflikt mit wichtigen Investoren auf ihrer Hauptversammlung in knapp zwei Wochen.
Es wird nicht einfacher: Deutsche-Bank-Co-Chefs Jürgen Fitschen (rechts) und Anshu Jain

Es wird nicht einfacher: Deutsche-Bank-Co-Chefs Jürgen Fitschen (rechts) und Anshu Jain

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Der US-Aktionärsberater ISS rät den Anlegern der Deutschen Bank von einer Entlastung des Vorstands auf dem Aktionärstreffen am 21. Mai ab. Sie sollten dem Vorgehen des Vorstands nicht ihre Zustimmung geben,berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf ein ISS-Schreiben an die Anleger .

Der ISS-Vorstoß ist die bislang gefährlichste öffentliche Kritik an dem Deutsche-Bank-Vorstand seit deren Amtsübernahme im Juni 2012. Zwar hatten wesentliche Aktionäre nach Informationen des manager magazins im Sommer 2014 den Aufsichtsrat und Co-Chef Anshu Jain aufgrund der monatelangen Gewinnschwäche zu einer Generalüberholung der Strategie aufgefordert - allerdings geschah dies abseits der Öffentlichkeit.

Aktionärsberater wie ISS beraten große institutionelle Anleger bei deren Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen. Weil sie ihre Ratschläge mitunter im Vorfeld mit umfangreichen Studien untermauern, folgen ihnen die Großanleger meist.

Gegenkampagne der Bank - Kampf um Aktionäre bis zur Hauptversammlung

Allerdings haben sowohl Paul Achleitner als auch Anshu Jain persönlich exzellente Kontakte zu ihren wichtigsten Aktionären, die sie in den kommenden Tagen für eine Gegen-Kampagne nutzen können. Den höchsten Anteil hält nach Angaben der Deutschen Bank derzeit BlackRock mit 6,62 Prozent, gefolgt von Paramount Services Holdings mit 5,83 Prozent. Hinter Paramount steht das Emirat Katar.

ISS begründet seine Haltung gegenüber dem Vorstand der Deutschen Bank mit dem unzufriedenstellenden Risikomanagement beim Liborskandal, das demnach zu höheren Strafen und damit höheren Verlusten als nötig für die Anleger führte.

Erst im vergangenen Monat hatte die Deutsche Bank einen 2,5 Milliarden Dollar teuren Vergleich mit Behörden in den USA und Großbritannien geschlossen. Zudem bezeichneten sie den Betrugsprozess gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen als Belastung.

Der Aufsichtsrat und den Vorsitzenden Paul Achleitner solle dagegen entlastet werden, schreibt ISS weiter. Dessen Mitglieder seien mehrheitlich erst nach den jahrelangen Unregelmäßigkeiten bei der Ermittlung des Referenzzinssatzes Libor bestellt worden. Trotzdem entfacht das Verdikt von ISS einen starken Druck auf Achleitner. Ein breites Misstrauensvotum seiner Anleger auf der Hauptversammlung am 21. Mai gegen den Vorstand wird er nicht gänzlich ignorieren können. Bislang hält Achleitner an seinen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen fest.

Die jüngste scharfe öffentliche Aktionärskritik gegenüber der Deutschen Bank hatte jedenfalls konkrete personelle Konsequenzen: Im Frühjahr 2011 hatte der britische Investoren-Vertreter Hermes den damaligen Aufsichtsratschef Clemens Börsig dafür kritisiert, keine Lösung für die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann organisiert zu haben. Die dann folgende Hauptversammlung war die letzte Börsigs als Aufsichtsratschef.

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Die Deutsche Bank wie auch ISS waren zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Deutschlands größtes Geldhaus hatte zuletzt beschlossen, sich nach gut sieben Jahren wieder von der Postbank zu trennen. Zudem will die Deutsche Bank jede dritte Filiale schließen. Seit Bekanntgabe dieser neuen Strategie am 27. April ist der Kurs von knapp 32 Euro auf derzeit gut 28 Euro gesunken.

mit Material von Reuters