Dienstag, 22. Oktober 2019

Geldwäsche Hat die Finanzaufsicht des Vatikans geschlafen?

Vatikan in Rom: Bank des Papstes unter Beobachtung

Ob Mafiosi oder Schwerkriminelle - René Brülhart durchkreuzt ihre schmutzigen Geschäfte. Im Interview mit manager magazin online spricht er über seinen neuesten Fall: Die Bank des Papstes steht unter Betrugsverdacht.

mm: Herr Brülhart, vor wenigen Tagen wurde ein hochrangiger Rechnungsprüfer des Kirchenstaats wegen Betrugsverdachts verhaftet, der Generaldirektor der Vatikanbank und sein Vize mussten daraufhin zurücktreten. Hat die Finanzaufsicht des Vatikans geschlafen?

Brülhart: Den von Ihnen angesprochenen Fall kann ich aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Generell ist es aber so, dass wir mit unseren Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche bereits eine Menge erreicht haben und diese zu greifen beginnen. Deshalb hat auch die Zahl der Verdachtsfälle, die wir untersuchen, in jüngster Zeit zugenommen.

mm: Die Experten von "Moneyval", dem Prüfinstitut des Europarat, attestieren dem Vatikan aber einen erheblichen Nachholbedarf. manager magazin beleuchtet das eigenwillige Geschäftsmodell der Vatikanbank in seiner neuen Ausgabe. Laut "Moneyval" hat der Kirchenstaat von den 16 wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gerade mal 9 umgesetzt.

Brülhart: Damit stehen wir im internationalen Vergleich im Mittelfeld, vergleichbar mit Ländern wie Deutschland. Der Vatikan steht deshalb auch nicht unter besonderer Beobachtung der Moneyval-Prüfer.

mm: Die italienische Notenbank scheint da skeptischer zu sein. Anfang des Jahres untersagte die Banca d'Italia der von ihr beaufsichtigten Tochter der Deutschen Bank sogar den Betrieb der vatikanischen Geldautomaten. Was können Sie tun, um das Verhältnis zu der Behörde zu verbessern?

Brülhart: Ich denke, dass unsere Bemühungen in Sachen Transparenz auch von den italienischen Behörden zunehmend erkannt und akzeptiert werden. Mit der Mitgliedschaft in der Egmont Group, einer globalen Vereinigung der Geldwäschemeldestellen, haben wir in diesem Bereich die international üblichen Standards erreicht.

mm: Welche Möglichkeiten haben Sie denn, bei der immer wieder von Skandalen erschütterten Vatikanbank hart durchzugreifen?

Brülhart: Uns steht das gesamte Instrumentarium einer Aufsichtsbehörde zur Verfügung. Wir können beispielsweise Inspektionen vornehmen, wir können die bei Eröffnung eines Kontos eingereichten Dokumente prüfen, wir können die internen Prozesse der Bank durchleuchten. Unsere Befugnisse sollen zudem durch ein Gesetz, das zurzeit erarbeitet wird, noch einmal erweitert werden.

mm: Sind Sie also zuversichtlich, dass aus der Vatikanbank doch noch ein ganz normales Geldinstitut werden kann?

Brülhart: Das IOR ist keine Bank, und ein normales Finanzinstitut wird das IOR nie sein. Es ist ja schließlich kein kommerzielles Institut, sondern soll die Ziele der Kirche unterstützen, ihr dienen. Darüber zu entscheiden, welche Zukunft das IOR hat, liegt aber nicht an mir.

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