Kein "Verwahrentgelt" mehr ING Deutschland hebt praktisch alle Strafzinsen auf

Steigende Zinsen machen sich nun auch für Bankkunden bemerkbar. Als eines der ersten großen Institute streicht die ING Deutschland das Verwahrentgelt für fast alle Privatkunden – der Freibetrag für Guthaben auf Giro- und Tagesgeld-Konten wird auf 500.000 Euro erhöht.
Negativzinsen sind Vergangenheit: 99,9 Prozent der ING-Kunden müssen ab Juli kein Verwahrentgelt mehr bezahlen

Negativzinsen sind Vergangenheit: 99,9 Prozent der ING-Kunden müssen ab Juli kein Verwahrentgelt mehr bezahlen

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS

Für praktisch alle Privatkunden der ING Deutschland werden nach Angaben der Bank in wenigen Wochen keine Strafzinsen mehr fällig. Zum 1. Juli 2022 sollen die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeld-Konten von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto erhöht werden, wie die Tochter der niederländischen Großbank ING am Dienstag mitteilte.

Damit entfällt laut ING Deutschland das sogenannte Verwahrentgelt für 99,9 Prozent der Kunden. "Unser Versprechen, mit Wegfall der Minuszinsen das Verwahrentgelt zu streichen, lösen wir für fast alle Kunden damit schon vor einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein", erklärte Vorstandschef Nick Jue (57).

Die Bank, die unter dem Namen ING-DiBa mit kostenlosen und gut verzinsten Tagesgeldkonten eigenen Angaben zufolge zur drittgrößten Bank Deutschlands aufgestiegen ist, setzt mit dem Schritt auch darauf, Kunden halten zu können. "Die ING Deutschland erwartet, durch die Erhöhung der Freibeträge insbesondere auch die Kunden zu überzeugen, die den allgemeinen Geschäftsbedingungen inklusive Verwahrentgelt bisher noch nicht zugestimmt haben, und dass die Bank damit weniger Kunden verlieren wird als zuletzt geplant", hieß es in einer Mitteilung

"Sollte sich das Zinsumfeld weiterhin positiv entwickeln, werden wir auch unsere Kundinnen und Kunden an dieser Entwicklung teilhaben lassen", erklärte Konzernchef Jue. Allerdings gehe er davon aus, dass die Niedrigzinsphase vorerst anhalten werde.

Trendwende eingeläutet

Angesichts eines negativen Einlagezinses der Europäischen Zentralbank (EZB) von derzeit 0,5 Prozent haben zahlreiche Banken Strafzinsen eingeführt. Die ING war nach eigenen Angaben eines der letzten Geldinstitute, die diesen Schritt gegangen ist. Unter dem Druck der hohen Inflationsrate sind zuletzt die Erwartungen gestiegen, dass nach der US-Notenbank Fed und anderen Zentralbanken bald auch die EZB die Zinsen anheben wird. Zurzeit liegt der Leitzins bei 0,0 Prozent.

Die ING erklärte, sie läute mit dem geplanten Entfall der Verwahrentgelte für fast alle Kunden eine Trendwende ein. Bisher hatten erst zwei kleinere Banken in Deutschland angekündigt, die Freibeträge für Privatkunden anzuheben: die Oldenburgische Landesbank und die VR Bank.

hr/Reuters