Samstag, 18. Januar 2020

HVB-Chef über Stellenabbau "Sparen ist kein Selbstzweck"

Hypovereinsbank-Filiale in Nürnberg: Die Bank muss weitere Stellen streichen.

Der Chef der Hypovereinsbank, Michael Diederich, hat den Abbau von 1300 Stellen beim Münchner Institut verteidigt. Man müsse auf die sich verändernden Ansprüche der Kunden reagieren, sagte der HVB-Chef der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag). Heute würden über 90 Prozent aller Transaktionen online erledigt. Eine Kontoeröffnung habe früher 80 Minuten gedauert und 90 Seiten Papier bedeutet, nun gehe das in 15 Minuten mit nur einer digitalen Unterschrift. Angesichts dieser Veränderungen müsse man sich entsprechend aufstellen. "Sparen ist kein Selbstzweck", sagte Diederich.

Die Hypovereinsbank (HVB) will bis 2030 mehr als 10 Prozent ihrer gut 12.200 Vollzeitstellen streichen. Die deutsche Tochter des italienischen Unicredit-Konzerns hat mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung geschlossen, wonach Ende 2030 noch 10.918 Vollzeitstellen garantiert sein sollen. Der Jobabbau werde "ausschließlich sozial verträglich" gestaltet, sagte Diederich, beispielsweise über natürliche Fluktuation oder Altersteilzeit.

Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hatte angekündigt, dass die Bank insgesamt 8000 Stellen streichen will, den Großteil davon in Italien, aber auch Deutschland und Österreich sind betroffen. Es ist eine weitere große Kürzungsrunde bei dem Mailänder Konzern. Insgesamt hat die Bank innerhalb von vier Jahren etwa 40.000 Stellen gestrichen - von 125.000 auf derzeit gut 85.000. In Deutschland hatte die HVB Ende 2015 noch mehr als 16.000 Mitarbeiter.

Wachsen soll das Geschäft künftig vor allem bei den Firmenkunden. Dort sieht HVB-Chef Diederich in Bereichen wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit große Chancen. Gerade deutsche Mittelständler bräuchten dafür in den kommenden Jahren "gewaltige Mengen an Kapital und viel Beratung", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

cr/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung