Radikalkur nach Gewinneinbruch "Chirurgisch und rücksichtslos" - HSBC streicht 35.000 Jobs

Stellenkahlschlag bei der britischen aber international tätigen Großbank HSBC

Stellenkahlschlag bei der britischen aber international tätigen Großbank HSBC

Foto: Lim Huey Teng / REUTERS

Nach einem drastischen Gewinneinbruch im vergangenen Jahr um 53 Prozent auf 5,97 Milliarden Dollar setzt die britische Großbank HSBC zum Kahlschlag bei den Beschäftigten an. Im Zuge eines neuen Sparprogramms will die Bank in den nächsten drei Jahren bis zu 35.000 Stellen oder 15 Prozent der Jobs abbauen.

Die Zahl der Mitarbeiter könnte von rund 235.000 auf etwa 200.000 sinken, sagte Interims-Konzernchef Noel Quinn der Nachrichtenagentur Bloomberg  am Dienstag. Der Bankkonzern rechnet mit Restrukturierungskosten von 7,3 Milliarden Dollar.

Noel Quinn: Interimschef von HSBC kündigt ein hartes neues Sparprogramm an

Noel Quinn: Interimschef von HSBC kündigt ein hartes neues Sparprogramm an

Foto: Roger Harris/HSBC

HSBC ist in mehr als 50 Ländern tätig, erzielt aber die Hälfte seiner Einnahmen in Asien. Doch nicht nur in Asien, sondern auch im europäischen und US-amerikanischen Investment-Banking-Geschäft sollen laut Bloomberg Jobs wegfallen, insbesondere im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere.

In den USA würden die mit ihren Handelsgeschäften verbundenen Vermögenswerte im Zuge der geplanten Kostensenkungen fast halbiert werden. HSBC werde auch sein Privatkundennetz um 30 Prozent verringern. Insgesamt wolle HSBC Vermögenswerte um 100 Milliarden Dollar abbauen, berichtet das "Wall Street Journal"  ergänzend.

HSBC steht in seinen Schlüsselmärkten Großbritannien, Hongkong und dem chinesischen Festland noch immer vor erheblichen Herausforderungen, sagte der Chef des Verwaltungsrats Mark Tucker.

HSBC will Kosten allein in Europa und USA um 4,5 Milliarden Dollar senken

Wegen der niedrigen Profitabilität und Problemen soll bis zum Jahr 2022 die Kostenbasis unter die Marke von 31 Milliarden Dollar gedrückt werden. Allein bei schwach agierenden Einheiten in Europa und den USA wolle die Bank laut Bloomberg die Kosten um 4,5 Milliarden Dollar senken. Hier seien bis zu 30 Prozent des Kapitals in Bereichen gebunden, die Renditen unter ihren Eigenkapitalkosten erzielten, zitiert das "Wall Street Journal" Interimschef Quinn.

"Wir beabsichtigen, uns von vielen inländischen Kunden in Europa und den USA auf der globalen Bankenseite zurückzuziehen", sagte Finanzvorstand Ewen Stevenson zudem in einem Bloomberg-TV-Interview. Das Management werde "chirurgisch und rücksichtslos" vorgehen gegen Geschäfte, wo die Erträge inakzeptabel seien.

HSBC will "chirurgisch und rücksichtslos" Geschäfte streichen

Mit der Chefsuche offenbar noch nicht weiter: Mark Tucker, Verwaltungsratschef

Mit der Chefsuche offenbar noch nicht weiter: Mark Tucker, Verwaltungsratschef

Foto: ERIC PIERMONT/ AFP

Grund für den drastisch eingebrochenen Überschuss auf knapp sechs Milliarden Dollar im vergangenen Jahr waren auch Abschreibungen in Höhe von 7,3 Milliarden Dollar auf das Geschäft an den Finanzmärkten weltweit und Firmenkunden in Europa. Bereinigt um Sondereffekte legte der Vorsteuergewinn allerdings um rund 5 Prozent auf 22,2 Milliarden Dollar zu und fiel damit etwas besser aus, als Experten erwartet hatten.

Gleichwohl zeigten sich die Aktionäre verunsichert. Die Aktie von HSBC  fiel in London um rund 5 Prozent auf 560 Pence. Den Investoren dürfte auch nicht gefallen, dass HSBC im laufenden und kommenden Jahr die Aktienrückkäufe auszusetzen will.

Noel Quinn hatte den Posten als Konzernchef im vergangenen Jahr nach dem überraschenden Rücktritt von John Flint im Sommer kommissarisch übernommen. Verwaltungsratschef Mark Tucker hatte damals gesagt, dass die Suche nach einem neuen Chef sechs bis zwölf Monate dauern könne. Neues hatte der Konzern zum Thema Chefsuche am Dienstag allerdings nicht mitzuteilen.

rei
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