Steueraffäre Hoeneß-Banker flüchtet aus Polen in die Schweiz

Die Kaution von 240 000 Euro hielt ihn nicht in Polen. Der Hoeneß-Banker ist in sein Heimatland, die Schweiz, getürmt. Über ihn hatte Bayern-München-Chef Uli Hoeneß jene Finanzgeschäfte abgewickelt, die zu seiner Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung führten.
Die schwere Stunde des Uli Hoeneß: Gerichtsverhandlung wegen Steuerhinterziehung

Die schwere Stunde des Uli Hoeneß: Gerichtsverhandlung wegen Steuerhinterziehung

Foto: Lukas Barth/ REUTERS

Hamburg - Jürg H. hatte es scheinbar gut getroffen, war Direktor bei der Schweizer Privatbank Vontobel. Doch im Oktober vergangenen Jahres folgte sein Sturz: Im Zusammenhang mit dem Steuerprozess gegen Ulrich Hoeneß, ehedem Präsident des FC Bayern München, wurde H. in Warschau festgenommen. Nun berichten Schweizer Medien, der Banker sei aus Polen verschwunden und inzwischen in der Schweiz aufgetaucht. Doch wie konnte das passieren?

Ganz einfach: H. war gegen eine Kaution von rund 240.000 Euro freigekommen und sollte sich offenbar alle zwei Tage bei der polnischen Polizei melden. Doch das tat er nicht, sondern floh. Die Staatsanwaltschaft München II, die seinerzeit die Festnahme von H. beantagt hatte, wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Jürg H. hatte bei Vontobel als Devisenchef gearbeitet und führte offenbar auch jene Geschäfte aus, die Hoeneß ins Gefängnis brachten. Der Banker soll damit erheblichen Anteile an der Hoeneß'schen Steuerhinterziehung gehabt haben. Im Amtsdeutsch: H. soll Beihilfe zur Steuerhinterziehung in sieben Fällen geleistet haben. Banker H. ist mit einer Polin verheiratet und hielt sich öfter in Polen auf. Mit seiner Flucht wollte H. offenbar einem deutschen Auslieferungsantrag zuvorkommen.

Fotostrecke

Middelhoff im Vergleich: Die Urteile in großen Wirtschafts-Strafverfahren

Foto: DPA

Immerhin liefert die Schweiz ihre Landsleute nicht aus. Den Medienberichten zufolge nahm H. am Montagabend in seinem Wohnsitz am Zürichsee "seelenruhig das Telefon ab". Auskunft über seine geheime Ausreise aus Polen habe er aber nicht gegeben.

In der Schweiz wird die Flucht nicht ohne Häme gesehen - die Plattform "insiderparadeplatz"  wertet sie als Kriegserklärung an Deutschland. Kein Wunder: Der Finanzplatz Schweiz ist den deutschen Finanzbehörden ein Dorn im Auge - und umgekehrt das Vorgehen der Deutschen gegen Steuerflüchtlinge den Schweizern.

got
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.