Deutsche-Bank-Prozess Wie einst Helmut Kohl der Deutschen Bank den vermaledeiten Kirch-Kredit eingebrockt hat

Alt-Kanzler Helmut Kohl, Medienunternehmer Leo Kirch (Archivbild von Februar 2006): Die Freundschaft der beiden könnte auch bei dem 700-Millionen-Euro-Kredit der Deutschen Bank eine Rolle gespielt haben

Alt-Kanzler Helmut Kohl, Medienunternehmer Leo Kirch (Archivbild von Februar 2006): Die Freundschaft der beiden könnte auch bei dem 700-Millionen-Euro-Kredit der Deutschen Bank eine Rolle gespielt haben

Foto: FRANKA BRUNS/ ASSOCIATED PRESS

Seit mehr als zehn Jahren wird darüber prozessiert, warum der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer 2002 in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit seines Kreditkunden Leo Kirch angezweifelt hat. Ob Kirchs Medienkonzern deshalb pleite gegangen ist und ob die Bank daran verdienen wollte. Und ob Breuer und seine Vorstandskollegen in den diversen Prozessen sogar gelogen haben, um drohende Schadensersatzansprüche abzuwenden.

Was noch nie beschrieben wurde, ist, wie die Deutsche Bank 1998 zu ihrem Kirch-Kredit kam. Dabei hatte, so berichten es jedenfalls damalige Deutsch-Banker, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seine Hand im Spiel.

Eigentlich war Deutschlands größtes Geldhaus schon während der neunziger Jahre - also weit vor der existenziellen Krise des Kirch-Konzerns - alles andere als erpicht auf eine Kreditbeziehung mit Leo Kirch. Den Deutsch-Bankern galt die Kirch-Gruppe als viel zu intransparent. Als Kirch 1998 um einen Kredit über mehr als 700 Millionen Euro bat, empfahl das hausinterne Kredit-Komitee, Kirchs Kreditantrag abzulehnen.

Diese Angabe eines Deutsche-Bank-Kreditexperten von damals gegenüber manager magazin online bestätigt die Münchener Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage des laufenden Betrugsprozesses gegen Breuer, seinen Nachnachfolger Jürgen Fitschen und andere.

Kreditexperte empfahl, den Kreditantrag von Kirch abzulehnen

Die Begründung der Kreditanalysten lautete nach Angaben des damals Beteiligten: Das von Kirch gebotene Pfand - ein Paket von 40 Prozent am Axel-Springer-Verlag - tauge nicht als Sicherheit, da diese Papiere vinkulierte Namensaktien waren. Der Springer-Verlag hatte also ein Mitspracherecht beim Verkauf der Papiere, sie waren somit nicht frei handelbar.

Über diese ablehnende Stellungnahme setzten sich Breuer und seine Vorstandskollegen hinweg. Die Anklage der Münchener Strafverfolger nennt dafür den - sehr überraschenden - Grund, "dass man 1998 bei der stark expandierenden Kirch-Gruppe ein großes Geschäftspotenzial sah".

Enge Freundschaft zwischen Kohl und Kirch

In der Kreditabteilung der Bank wurde damals eine ganz andere Geschichte erzählt: Bundeskanzler Kohl habe Breuer in den Zwillingstürmen besucht und um Hilfe für den mit ihm eng befreundeten Medienmogul gebeten. Die Kreditleute erklärten sich dies auch damit, dass Kohls Umfragewerte kurz vor den bevorstehenden Bundestagswahlen im Keller waren. Jedenfalls habe Breuer nach Kohls Besuch angewiesen, dass der Kredit bewilligt werden solle. Die Deutsche Bank und ein Anwalt Kohls lehnten eine Stellungnahme hierzu ab.

Fakt ist: Die Wahl ging für Kohl trotzdem verloren.

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