Hedgefonds-Zocker Bill Hwang Die Rückkehr des Tigerjungen

Der kollabierte US-Hedgefonds Archegos Capital wurde von Bill Hwang gegründet. Der Schüler des Hedgefonds-Pioniers Julian Robertson stand bei vielen Investmentbanken auf der schwarzen Liste - und konnte dennoch zum zweiten Mal ein Multi-Milliardenportfolio aufbauen.
Persona non grata: Schon wieder fällt Bill Hwang am Finanzmarkt negativ auf - im Bild vom Dezember 2012 nach seiner Verurteilung vor dem Gericht von Newark (US-Staat New Jersey)

Persona non grata: Schon wieder fällt Bill Hwang am Finanzmarkt negativ auf - im Bild vom Dezember 2012 nach seiner Verurteilung vor dem Gericht von Newark (US-Staat New Jersey)

Foto: Emile Wamsteker / Bloomberg / Getty Images

Bis zuletzt blieb er unter dem Radar. Bill Hwang (56) stand bei vielen Investmentbanken auf der schwarzen Liste, schließlich hatte er schon 2012 einen Hedgefonds schließen und eine Strafe wegen Insiderhandels akzeptieren müssen. In Hongkong hat ihn die Börsenaufsicht sogar lebenslang vom Handel ausgeschlossen. Und doch konnte er auf eigene Rechnung mit gewaltigem Kredithebel ein Multi-Milliardenportfolio aufbauen - und ein Großrisiko für den Finanzmarkt schaffen, das jetzt mehreren Großbanken um die Ohren fliegt. Manche reden gar von einem potenziellen "Lehman-Moment" .

Hinter der am Freitag kollabierten Wette auf Aktien wie Viacom CBS , Discovery , Shopify , Baidu  oder Tencent Music  stehe Hwangs Firma Archegos Capital Management mit Sitz in New York, berichten Bankinsider aus mehreren verschiedenen Quellen. Archegos ist für außenstehende Investoren geschlossen, setzt also im Prinzip nur Hwangs eigenes Geld ein - außer natürlich die Kredite seiner Prime Broker, die darin offenbar ein lukratives Geschäft sahen. Bis Hwang geforderte Sicherheiten nicht mehr liefern konnte und einige der Banken mit einem Notverkauf der Aktien aus dem Archegos-Portfolio begannen.

Hwang, in seiner Jugend als Sohn eines koreanischen Priesters in die USA gekommen und bis heute Beirat des evangelikalen Fuller Theological Seminary im kalifornischen Pasadena, gehört zu den sogenannten Tiger Cubs (Tigerjungen), den Schülern des Hedgefonds-Pioniers Julian Robertson (88). In dessen Tiger Management stieg Hwang als Aktienanalyst auf und verdiente sich zumindest in einem Jahr einen Sonderbonus als Bestperformer der Firma. Als Robertson seinen Hedgefonds im Jahr 2000 schloss, gründete Hwang ebenso wie viele Kollegen einen eigenen, auch mit Geld des Altmeisters. Ein weiterer von Robertson geförderter Tigerjunge, Tao Li mit seinem Fonds Tai Yue Partners, war zumindest in einen Teil der aktuellen Hwang-Deals ebenfalls involviert.

Hwangs Fonds gewann jährlich 16 Prozent

Hwangs Fonds Tiger Asia Management wurde bis zur Finanzkrise mehrere Milliarden Dollar schwer und gewann Zeit seines Bestehens 16 Prozent pro Jahr an Wert, geriet jedoch wegen verbotenem Insiderhandel in die Bredouille. Die US-Börsenaufsicht warf Hwang vor, vertrauliche Informationen aus Privatplatzierungen chinesischer Banken für Leerverkäufe genutzt zu haben. Insgesamt 44 Millionen Dollar musste er als Strafe und Entschädigung  privater Kläger zahlen, machte danach aber unter neuem Namen und als Family Office weiter.

Dabei half offenbar, dass viele der Aktiendeals laut "Bloomberg"  über Swap-Derivate liefen, bei denen der Käufer nicht mit seinem Namen in Erscheinung trat. Formell blieben die Aktien im Besitz der Banken. Hwang hielt das Kursrisiko von mehr als 10 Prozent einiger der großen Aktiengesellschaften, schreibt das "Wall Street Journal" , unterlag aber keiner Meldepflicht. Doch zumindest Goldman Sachs soll sich der Identität Hwangs durchaus bewusst gewesen sein und den Investor von seiner schwarzen Liste gestrichen haben , um an dem Geschäft teilhaben zu können. Goldman gehörte auch zu den ersten Banken, die am Freitag Hwang-Aktien paketweise abstießen - in Goldmans Fall sollen es Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Dollar gewesen sein - und so ihre Verluste vergleichsweise eingrenzten, ebenso wie Morgan Stanley und die Deutsche Bank. Credit Suisse und Nomura hingegen stellen sich auf Milliardeneinbußen ein.

Ob Bill Hwang nach diesem Debakel noch einmal zurückkommt? Es gehe ihm nicht nur um das schnelle Geld, sagte er in einem 2018 veröffentlichten christlichen Youtube-Interview . "Es geht um die lange Frist, und Gott hat sicher eine langfristige Sicht."

ak
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