Anlagestrategien an der Börse Jetzt schlägt die Stunde der Hedgefonds

Hedgefonds sind für viele Anleger in Europa Bösewichter, reale Wiedergänger der Filmfigur Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street". Hedgefonds, so die landläufige Meinung, sind für Kursschwankungen verantwortlich, nehmen Unternehmen aus. Oder, um es mit Frank Müntefering zu sagen, sie führen sich wie Heuschrecken auf - sie grasen ab und ziehen weiter. Da wirkte es fast wie eine historische Gerechtigkeit, dass der Stern der Hedgefonds zuletzt zu sinken schien und jener der Exchange Traded Funds (ETF) aufging.

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London: Wo die Hedgefonds hausen

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Mitte 2015 war die Zeit des Wachwechsels, ETF verwalteten weltweit mehr Geld als Hedgefonds. Kein Wunder - geht es an den Märkten stetig nach oben, sind ETF eine einfache Lösung. Wer einen Indexfonds kauft, profitiert von steigenden Kursen, wenn der Index steigt.

Doch nun ist alles anders. An den Börsen ist weltweit Unruhe ausgebrochen, die Gelassenheit und das Vertrauen in weiter steigende Kurse sind dahin. Und die Hedgefonds-Manager wittern Morgenluft.

Barclay Hedge protokolliert, dass Hedgefonds weltweit im ersten Quartal des Jahres 2015 rund 2, 5 Billionen Dollar verwalteten, im dritten bereits 2,7. Kein Wunder - gleich drei Faktoren spielen der Hedgefonds-Industrie in die Hände.

Mörderisches Marktumfeld

"Perfekte Sturm" am Horizont

"Perfekte Sturm" am Horizont

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"Das ist der perfekte Sturm für aktives Management", nennt es David Saunders von K2, einem Unternehmen, das sich Multi-Strategie-Fonds unter dem Dach von Franklin Templeton spezialisiert hat. "Mit der erhöhten Volatilität ist es kein Spaß, einen 20prozentigen Aktieneinbruch aufzuholen."

Dabei ist es das erklärte Ziel von Hedgefonds, aktienähnliche Erträge zu erzielen, dabei aber weniger stark zu schwanken.

Da passt es ins Bild, dass Saunders die Vorzüge seiner Multi-Strategy-Produkte herausstellt: Fonds also, die besonders breit streuen und damit auch im aktuellen Umfeld bestehen sollen. Auch andere hegen diese Hoffnung. "Wir erwarten, dass die Zuflüsse in Multi-Strategy-Fonds auch 2016 andauern werden", heißt es im 2016 veröffentlichten Hedge Fund Industry Outlook von eVestment. Und Markus Sievers von Apano konstatiert für die Trendfolger: "Was uns positiv stimmt, ist die Tatsache, dass unsere beiden eigenen Fonds bei vielen Vermögensverwaltern jetzt auf der Watchlist stehen."

Großinvestoren sind verunsichert

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Ein weiterer Hoffnungspunkt für die Hedgefondsindustrie - es sind vor allem Großinvestoren, die unsicher geworden sind. Das zeigt sich in einer Suche nach den Verkäufern der vergangenen Wochen, wie "manager magazin online" sie unternommen hat. Denn die suchen nach Alternativen zu jenen Aktien, von denen sie sich jüngst getrennt haben.

Wer verkaufte trotz der ausgeprägten Schwächephase noch Aktien? "Das werden einige CPPI-Modelle dabei sein, aber auch institutionelle Investoren, die einen Bilanzstichtag haben und ihre Risiken nun reduzieren müssen", sagt zum Beispiel Hans-Peter Schupp von der Fondsboutique Fidecum auf Nachfrage.

Und Roger Peeters von Oddo Seydler erklärt: "Im Vergleich Retail zu Institutionell würde ich den Verkaufsdruck mehr institutionell lokalisieren, aber das ist oft eine Milchmädchenrechnung, da hier öfter outflows von Privaten zu Grunde liegen."

Für Hedgefondsmanager hat das einen Vorteil: Während Privatinvestoren in Europa gegenüber den oft komplexen Fondskonstruktionen skeptisch sind, stehen Profiinvestoren ihnen vergleichsweise offen gegenüber. "Viele Investoren fragen sich, ob Long-Only-Strategien zur Zeit überhaupt noch funktionieren können und erinnern sich an die Strategien und Produkte die in den letzten Krisen Erträge erwirtschaftet haben", findet Sievers.

Liquiditäts-Lektion gelernt

Datenflimmern an der Börse

Datenflimmern an der Börse

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Lange hatten Hedgefonds ein entscheidendes Manko - sie waren nicht täglich verfügbar Das bedeutete, dass Kunden nicht verkaufen konnten, auch wenn sie wollten. Erst mach einem, nach drei Monaten war es möglich, so wollten es die Verträge, Heute ist das oft anders, Etliche Fonds bieten tägliche Liquidtät, Und die im Wackelbörsenumfeld wichtig.

Wie sehr, zeigen zwei Beispiele.

Fall eins, die offenen Immobilienfonds. Sie durchmachten in Deutschland unter anderem deswegen ihre schwerste Krise, weil Anleger sich nicht rechtzeitig von ihren Fondsanteilen trennen konnten und so die Nervosität weiter steigerten. Fall zwei, der Stiftungsfonds der US-Universität Harvard. Dieses Vorzeige-Investmentvehikel, gesteuert von einigen der klügsten Köpfe der Anlagewelt, musste 2009 erhebliche Verluste hinnehmen. Wegen fehlender Liquidität. Man habe dann reagiert und die Liquidität erhöht, erklärte Vordenkerin Jane Mendillo.

Und heute? "Haben US-Stiftungsfonds wieder ganz selbstverständlich einen zweistelligen Protzentsatz ihres Vermögens in alternativen Anlagen wie Hedgefonds", freut sich Saunders. Bis die Börse wieder dreht?

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