Zahlungsausfall von Archegos Capital Hedgefonds-Schieflage belastet Wall-Street-Banken

Der US-Hedgefonds Archegos Capital ist in Schieflage geraten und sorgt damit bei mehreren Großbanken für Probleme. Vor allem die Credit Suisse, die bereits unter der Greensill-Insolvenz litt, ist schwer getroffen.
Wall Street in New York: Im Herzen der US-Finanzwelt sorgt der Hedgefonds Archegos Capital für Unruhe

Wall Street in New York: Im Herzen der US-Finanzwelt sorgt der Hedgefonds Archegos Capital für Unruhe

Foto: ANGELA WEISS / AFP

Probleme des US-Hedgefonds Archegos Capital schicken Schockwellen durch die Bankenwelt. Die Schweizer Großbank Credit Suisse und die japanische Investmentbank Nomura warnten am Montag vor erheblichen Verlusten durch den Ausstieg aus Positionen bei einem US-Hedgefonds. Sie nannten den Namen des Hedgefonds zwar nicht, doch Finanzkreisen zufolge handelt es sich um Archegos Capital Management von Gründer Bill Hwang (56), der als "Tigerjunge" einen zweifelhaften Ruf besitzt. Auch die Deutsche Bank ist einem Insider zufolge betroffen, allerdings weniger stark als die Wettbewerber.

Die japanische Investmentbank Nomura bezifferte den Verlust auf zwei Milliarden Dollar, der Credit Suisse zufolge könnte der Verlust "sehr bedeutend und wesentlich" für das Ergebnis des ersten Quartals sein. Dies gelte ungeachtet der positiven Trends, die die Bank Anfang dieses Monats angekündigt habe. Die Bank wolle "zu gegebener Zeit" ein Update in dieser Angelegenheit geben.

Insider: Bis zu vier Milliarden Dollar Verlust bei Credit Suisse

Laut Reuters bezifferten interne Schätzungen der Schweizer Großbank den Fehlbetrag auf mindestens eine Milliarde Dollar. Einer der zwei zitierten Insider erklärte, der Verlust könne den Schätzungen zufolge sogar auf bis zu vier Milliarden Dollar klettern. Diese Obergrenze hatte zuvor bereits die "Financial Times" genannt. Die Schweizer erklärten lediglich, ein bedeutender Hedgefonds sei Nachschusspflichten - sogenannten Margin-Calls - nicht nachgekommen. Da der Investor kein Geld nachschoss, seien die Schweizer Großbank und andere Geldhäuser dabei, diesen Positionen aufzulösen.

Am Freitag hatte ein Ausverkauf von Aktien in den USA zu markanten Kursverlusten bei einer Reihe von Unternehmen geführt, die einer mit der Sache vertrauten Person zufolge mit Archegos Capital in Verbindung stehen. So musste Archegos der Nachrichtenangentur Bloomberg zufolge Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar (17 Milliarden Euro) verkaufen. Betroffen waren vor allem die Papiere der Medienkonzerne Viacom CBS und Discovery, die daraufhin jeweils rund 27 Prozent an Wert verloren. Die in den USA notierten Anteile der chinesischen Unternehmen Baidu und Tencent Music waren im Laufe der Woche um ein Drittel beziehungsweise knapp 50 Prozent abgesackt.

Deutsche Bank größter Verlierer im Dax

Investoren halten systemische Risiken zum jetzigen Zeitpunkt zwar für unwahrscheinlich, zeigten sich allerdings nervös über das Ausmaß der Verkäufe von Archegos und mögliche weitere Veräußerungen. Die Aktien der Credit Suisse  stürzten am Montag an der Börse in Zürich um 14 Prozent ab - das ist der größte Tagesverlust seit dem Börsencrash vom Frühjahr 2020. In Tokio waren die Nomura -Anteile um bis zu 16 Prozent eingebrochen.

Die Deutsche Bank ist einem Insider zufolge wohl nicht so stark betroffen wie die Konkurrenten. Das Exposure der Bank sei nur ein Bruchteil dessen, das andere hätten, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Bis Freitagnacht habe die Bank keine Verluste aus den Geschäften mit Archegos erlitten und manage die Positionen. Die Deutsche-Bank-Aktie  büßte am Montagvormittag dennoch mehr als 5 Prozent ein und war damit größter Verlierer im Dax.

Credit Suisse bereits von Greensill-Insolvenz betroffen

Die Credit Suisse lehnte eine weitergehende Stellungnahme ab und stellte mehr Informationen zu gegebener Zeit in Aussicht. Für die Schweizer droht der Hedgefonds bereits der zweite teure Ausfall im ersten Quartal zu werden. Die Bank ist bereits von der Insolvenz des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill betroffen, in deren Zuge in Deutschland die Bremer Greensill Bank in die Pleite geschlittert ist.

cr, rei/dpa-afx, Reuters
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