Neue Nummer drei hinter Deutsche Bank und Commerzbank Großfusion von DZ Bank und WGZ Bank

Wolfgang Kirsch kann einen großen Erfolg verkünden. Nach Jahren vergeblicher Anläufe führt der Chef der DZ Bank sein Institut mit der kleineren WGZ zusammen. So entsteht eine neue Nummer drei der Branche in Deutschland.
Schon groß, bald noch größer: Der zweite Turm von rechts beherbergt die DZ Bank in Frankfurt.

Schon groß, bald noch größer: Der zweite Turm von rechts beherbergt die DZ Bank in Frankfurt.

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Die größte Fusion im deutschen Finanzgewerbe seit den Zusammenschlüssen von Commerzbank und Dresdner sowie Deutscher Bank und Postbank ist perfekt: Die Aufsichtsräte der genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ und WGZ haben sich nach Informationen von manager-magazin.de am Mittwochabend darauf verständigt, dass die beiden Häuser im Laufe des kommenden Jahres miteinander verschmelzen.

Am Donnerstagmittag wollen DZ und WGZ die Öffentlichkeit informieren. DZ und WGZ fungieren quasi als Zentralbanken der rund 1000 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken: die WGZ in Nordrhein-Westfalen, die DZ im restlichen Bundesgebiet. Mit gut 400 Milliarden Euro Bilanzsumme im Jahr 2014 ist die Frankfurter DZ deutlich größer als die WGZ mit 95 Milliarden Euro.

Mit der kombinierten Bilanzsumme von knapp 500 Milliarden Euro wird sich die neue Bank an der staatlichen KfW-Bankengruppe (489 Mrd. Euro) an die dritte Position im deutschen Bankenmarkt schieben. Vor ihr liegen dann noch die Commerzbank mit 564 Mrd. Euro Bilanzsumme und der deutlich größere Marktführer Deutsche Bank einer Bilanzsumme von 1700 Mrd. Euro.

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Übersicht: Was die Handschrift der Vorstandchefs verrät

Personell wird in dem fusionierten Genossen-Institut der größere Partner DZ Bank die Führung inne haben: DZ-Vorstandschef Wolfgang Kirsch und sein Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Gottschalk sollen in jeweils gleicher Funktion die neue Gruppe anführen. WGZ-Aufsichtsratschef Werner Böhnke wird Gottschalks Vize, WGZ-CEO Hans-Bernd Wolberg Kirschs Stellvertreter.

Krönung der Karriere für Erfolgsbanker Wolfgang Kirsch

Wolfgang Kirsch, der seit neun Jahren die DZ Bank führt und dessen Vertrag bis 2020 läuft, vollendet damit eine Erfolgsgeschichte. Betont konservativ und zurückhaltend, hat der frühere Deutschbanker die Kreditgenossen zum Rollenvorbild in der deutschen Finanzbranche geführt. Im vergangenen Jahr durfte er sich mit dem Titel "European Banker of the Year" schmücken.

Für 2014 meldete Kirsch - an seinem 60. Geburtstag - einen Rekordgewinn der DZ Bank von gut drei Milliarden Euro vor Steuern. Jahr für Jahr gewinnen die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raffeisenbanken, mit der DZ Bank an der Spitze, Marktanteile im althergebrachten Kredit- und Einlagengeschäft. Die Zentrale pflegt unter Kirsch ihr Selbstverständnis als Dienstleister und widerstand der Versuchung, sich selbst im Investmentbanking zu versuchen.

Kirsch, der leidenschaftlich für die Stiftung Marktwirtschaft trommelt, verwahrte sich in der Finanzkrise gegen das "süße Gift der Staatshilfe". Als er 2002 in der Gruppe antrat, musste er als Risikovorstand zunächst mit Altlasten aufräumen, unter anderem als Folge der Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch und zahlreicher fauler Kredite an Dotcom-Gründer. Raus aus dem Risiko - diese Linie hat sich bislang bewährt.

Als Krönung der Karriere fehlte bislang ein Projekt, von dem Kirsch mehrfach sagte, für dessen bisheriges Ausbleiben seien "rationale Gründe nicht erkennbar". Die "Ehe ohne Trauschein" von DZ und WGZ soll nun endlich formalisiert werden.

Seit der Jahrtausendwende hatten die beiden Häuser mehrfach Fusionsanläufe genommen, die aber stets scheiterten - an persönlichen Eitelkeiten oder der wirtschaftlichen Schwäche von mindestens einer der Banken. Momentan passt es allerdings: Personell, aber auch wirtschaftlich sind beide Banken stabil, zudem sind sie vergleichsweise auskömmlich kapitalisiert. Die DZ hatte im ersten Halbjahr 1,3 Milliarden Euro vor Steuern verdient, die WGZ 253 Millionen Euro.

Angestrebt wird ein Holdingmodell mit einer Dachgesellschaft, unterhalb derer neben der fusionierten Bank die Töchter Union Investment, Schwäbisch Hall und der Versicherer R+V eingeklinkt werden können. Über die Details müssen sich die künftigen Eheleute in den nächsten Monaten allerdings noch verständigen.

Mitarbeit: Arvid Kaiser
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