Millionenverlust für Kommunen Bafin stellt Insolvenzantrag für Greensill Bank

Knapp zwei Wochen nach dem Moratorium steht die Bremer Greensill Bank vor dem Aus. Die Einlagen privater Investoren sind gesichert, doch die zahlreichen Kommunen, die teilweise zweistellige Millionenbeträge angelegt haben, dürften leer ausgehen.
Greensill Bank vor dem Aus: Beim Amtsgericht Bremen ist der Insolvenzantrag eingegangen

Greensill Bank vor dem Aus: Beim Amtsgericht Bremen ist der Insolvenzantrag eingegangen

Foto: FOCKE STRANGMANN / EPA

Die Bremer Greensill Bank ist nicht mehr zu retten. Knapp zwei Wochen nachdem die Finanzaufsicht Bafin das Institut geschlossen hat, meldete sie beim Amtsgericht Bremen nun die Insolvenz für das Geldhaus an. "Bei uns ist gestern Abend ein Antrag von der Bafin auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bezüglich der Greensill Bank AG eingegangen", sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts am Dienstag. Von der BaFin war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Greensill Bank wollte sich nicht äußern.

Die Bafin hat das Institut wegen drohender Überschuldung Anfang März geschlossen. Bislang kam es noch nie vor, dass ein Institut nach einem Moratorium auf Dauer wieder am Markt aktiv war. Bei Banken hat allein die Aufsichtsbehörde das Recht, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Nun muss der von den deutschen Banken gespeiste Einlagensicherungsfonds einspringen, der Tausende Privatanleger entschädigt. Insgesamt geht es hier um mehr als drei Milliarden Euro. Ein teures Unterfangen - vor allem für die beiden Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank . Zahlreiche Kommunen, die bei der Bank teilweise zweistellige Millionenbeträge angelegt haben, dürften aber leer ausgehen. Ihre Einlagen sind seit 2017 nicht mehr über den Fonds abgesichert.

Hat die Bafin zu spät gehandelt?

Der Mutterkonzern der Greensill Bank, Greensill Capital, wurde 2011 von dem australischen Banker Lex Greensill gegründet. Die Holding hat ihren Sitz in Australien, das operative Geschäft mit der Lieferkettenfinanzierung ist in der britischen Tochter Greensill Capital gebündelt. 2014 übernahm sie in Bremen die Nordfinanz Bank und firmierte sie in Greensill Bank um. Über die Bank sammelte die Gesellschaft Milliardengelder bei deutschen Privatanlegern und institutionellen Investoren ein, mit denen sie ihre Geschäfte absicherte und refinanzierte. Das Wachstum in den vergangenen Jahren war enorm: Die Bilanzsumme der Bank hat sich zwischen 2017 und 2019 auf 3,8 Milliarden Euro verzehnfacht.

Anfang März hatte die Bafin die Bremer Greensill Bank dann wegen drohender Überschuldung geschlossen und die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft Bremen angezeigt. Zuvor hatte der von der Aufsichtsbehörde beauftragte Wirtschaftsprüfer KPMG keine Nachweise für die Existenz zahlreicher verbuchter Forderungen erhalten, die die Bank von der GFG Alliance Group des indisch-briti­schen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta (50) angekauft hatte.

Die Bafin hatte bereits die direkte Aufsicht über das Tagesgeschäft der Greensill Bank übernommen, nachdem mehrere Partnerunternehmen das Vertrauen in Greensill verloren und Geschäftsbeziehungen gekappt hatten. Die Schweizer Großbank Credit Suisse und das Fondshaus GAM lösten Lieferketten-Finanzierungs-Fonds auf, die sie gemeinsam mit Greensill betrieben hatten. Zudem zogen sich Versicherungsunternehmen zurück, die die Geschäfte von Greensill abgesichert hatten. Anfang vergangener Woche flüchtete sich das Institut dann in die Insolvenz.

Die Bafin steht nun in der Kritik, bei Greensill zu spät und zu zaghaft gehandelt zu haben. Sie musste schon beim Bilanzskandal um Wirecard herbe Kritik einstecken, der langjährige Behördenchef Felix Hufeld (59) verlor infolgedessen seinen Job.

mg/Reuters, dpa-afx