Ebner Stolz Bafin knöpft sich Greensill-Prüfer vor

Hat der Wirtschaftsprüfer der Greensill Bank versagt? Dieser Frage geht nun offenbar die Finanzaufsichtsbehörde nach, die die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas informiert hat.
Existenz von Forderungen kann nicht nachgewiesen werden: Die Bafin hat eine Mitteilung an die Apas mit "Bezug zur Greensill Bank" übermittelt

Existenz von Forderungen kann nicht nachgewiesen werden: Die Bafin hat eine Mitteilung an die Apas mit "Bezug zur Greensill Bank" übermittelt

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Im Fall der behördlich geschlossenen Bremer Greensill Bank gerät nun auch deren Bilanzprüfer Ebner Stolz in die Kritik. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) habe bei der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas eine Meldung in Bezug auf die Greensill Bank gemacht, erklärte die Apas am Donnerstag. Über den Inhalt dieser Meldung dürfe sie aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht keine Angaben machen. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Bafin habe Zweifel daran, dass die Abschlussprüfung bei der Greensill Bank korrekt gelaufen sei.

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Ebner Stolz erklärte, man äußere sich nicht zu Mandaten, habe aber allen beteiligten Behörden eine Kooperation im Rahmen der Möglichkeiten angeboten. Die Bafin wollte sich nicht zu der Mitteilung äußern.

Greensill Capital wurde 2011 von dem australischen Banker Lex Greensill gegründet. Die Holding hat ihren Sitz in Australien, das operative Geschäft mit der Lieferkettenfinanzierung ist in der britischen Tochter Greensill Capital gebündelt. 2014 übernahm sie in Bremen die Nordfinanz Bank und firmierte sie in Greensill Bank um. Über die Bank sammelte die Gesellschaft Milliardengelder bei deutschen Privatanlegern und institutionellen Investoren ein, mit denen sie ihre Geschäfte absicherte und refinanzierte. Das Wachstum in den vergangenen Jahren war enorm: Die Bilanzsumme der Bank hat sich zwischen 2017 und 2019 auf 3,8 Milliarden Euro verzehnfacht.

Deutsche Kommunen fürchten um Einlagen

Vergangene Woche hatte die Bafin die Bremer Greensill Bank dann wegen drohender Überschuldung geschlossen und die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft Bremen angezeigt. Zuvor hatte der von der Aufsichtsbehörde beauftragte Wirtschaftsprüfer KPMG keine Nachweise für die Existenz zahlreicher verbuchter - und von Ebner Stolz testierten - Forderungen erhalten, die die Bank von der GFG Alliance Group des indisch-briti­schen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta (50) angekauft hatte.

Die Bafin hatte bereits die direkte Aufsicht über das Tagesgeschäft der Greensill Bank übernommen, nachdem mehrere Partnerunternehmen das Vertrauen in Greensill verloren und Geschäftsbeziehungen gekappt hatten. Die Schweizer Großbank Credit Suisse und das Fondshaus GAM lösten Lieferketten-Finanzierungs-Fonds auf, die sie gemeinsam mit Greensill betrieben hatten. Zudem zogen sich Versicherungsunternehmen zurück, die die Geschäfte von Greensill abgesichert hatten. Anfang dieser Woche flüchtete sich das Institut dann in die Insolvenz.

Sollte die Bafin für Greensill den Entschädigungsfall ausrufen, springt für die Privateinlagen der Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken ein. Zahlreiche Kommunen, die bei der Bank teilweise zweistellige Millionenbeträge angelegt haben, dürften aber leer ausgehen. Ihre Einlagen sind seit 2017 nicht mehr über den Fonds abgesichert.

Die Bafin steht selbst in der Kritik, bei Greensill zu spät gehandelt zu haben. Sie musste schon beim Bilanzskandal um Wirecard herbe Kritik einstecken, der langjährige Behördenchef Felix Hufeld (59) verlor infolgedessen seinen Job.

mg/Reuters, dpa-afx