IT-Partner Google und Deutsche Bank wollen gemeinsam Finanzprodukte anbieten

Die Deutsche Bank will ihre marode IT auf Vordermann bringen, Google soll dabei helfen. Zudem wollen beide Konzerne gemeinsam Finanzdienstleistungen entwickeln und anbieten.
Die Deutsche Bank holt sich Google als IT-Partner ins Haus - und setzt auf gemeinsame Geschäfte

Die Deutsche Bank holt sich Google als IT-Partner ins Haus - und setzt auf gemeinsame Geschäfte

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Die Deutsche Bank will mit Hilfe von Google die Erneuerung ihrer IT-Systeme vorantreiben. Durch eine strategische Partnerschaft mit dem US-Technologieriesen sichere sich die Bank nicht nur den Zugang zu den Cloud-Dienstleistungen von Google, teilte die Bank am Dienstag mit. Vielmehr wollen die Partner auch gemeinsam technologiebasierte Finanzprodukte entwickeln. Dazu hätten beide Parteien eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet, die in den nächsten Monaten in einen Vertrag mit mehrjähriger Laufzeit münden soll.

Einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zufolge erwartet die Bank über zehn Jahre einen kumulierten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als einer Milliarde Euro aus der Partnerschaft. Zunächst werden allerdings erst einmal Investitionen fällig.

Deutschlands größtes Bankhaus steht immer wieder in der Kritik wegen seiner maroden IT-Systeme. Mehrfach gab es Pannen im Zahlungsverkehr oder bei internen Geldwäsche-Kontrollen. Der ehemalige Vorstandschef John Cryan (59) hatte die IT des Instituts kurz nach seinem Amtsantritt 2015 öffentlich als "lausig" bezeichnet. Und Ex-IT-Vorständin Kim Hammonds (52) hatte 2018 vor Top-Managern der Bank geschimpft, das Institut sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe.

Im Sommer 2019 hatte sich die Deutsche Bank den ehemaligen SAP-Vorstand Bernd Leukert (53) an Bord geholt, der die IT auf Vordermann bringen soll. Er hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, die Komplexität der Systeme zu reduzieren und Anwendungen in die Datenwolke, die sogenannte Cloud, zu verlagern. Bereits 2012 hatte die größte deutsche börsennotierte Bank SAP damit beauftragt, die Plattformen zu harmonisieren. Das unter dem Namen Magellan bekannte Großprojekt scheiterte jedoch. Neben dem Umbau der bestehenden, teils sehr alten IT-Strukturen haben die Banken seit einiger Zeit mit viel Konkurrenz von Technologieunternehmen zu kämpfen, die wie Apple und auch Google ihre Marktmacht nutzen, um zum Beispiel Teile des Zahlungsverkehrs zu sich zu holen.

Google hat offenbar Microsoft und Amazon ausgestochen

Zudem setzt eine Reihe junger Unternehmen, sogenannte Fintechs, den etablierten Banken bei der Produktentwicklung und auch dem Kampf um Kunden zu. Diesen Schritt begegnen die Banken zuletzt unter anderem mit Beteiligungen und Kooperationen, oft aber mit überschaubarem Erfolg.

Die Partnerschaft mit Google werde dem Umbau der Bank einen Schub geben, sagte Vorstandschef Christian Sewing (50). "Wir zeigen damit, dass wir entschlossen sind, in unsere Technologie zu investieren - denn unsere Zukunft ist eng verbunden mit unserem Erfolg bei der Digitalisierung", sagte er. "Hierbei geht es ebenso sehr um Erträge wie um Kosten." Bernd Leukert, der bei der Deutschen Bank inzwischen im Vorstand für Technologie, Daten und Innovation verantwortlich ist, sieht in der Zusammenarbeit mit Google einen bedeutenden Schritt in der Technologiestrategie der Bank.

In den vergangenen Monaten verhandelte die Bank neben Google auch mit den US-Technologieriesen Microsoft und Amazon über eine Partnerschaft, wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits im Februar berichtet hatte. Nun machte Google das Rennen. "Wir freuen uns darauf, mit einem etablierten Technologie- und Innovationsführer neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die künstliche Intelligenz, Datenanalyse und vieles mehr nutzen", sagte Leukert am Dienstag.

Durch die Partnerschaft mit Google Cloud erhält die Bank den Angaben zufolge unmittelbaren Zugang zu der Technologie der Amerikaner in den Bereichen Datenmanagement, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Zu den potenziellen Anwendungen gehörten die Unterstützung von Treasury-Kunden bei alltäglichen Aufgaben wie der Verwaltung von Barmitteln (Cashflow-Prognose). Weitere Möglichkeiten seien verbesserte Risikoanalysen oder fortschrittliche Sicherheitslösungen zum Schutz der Kundenkonten.

rei/dpa/Reuters