Montag, 23. September 2019

Banken fürchten EU-Votum der Briten Der größte Verlierer eines Brexit? Womöglich Goldman Sachs

Banken-Viertel von London: Dem Finanzplatz drohen bei einem Brexit Einbußen

Die Entscheidung fällt im Juni: Sollten sich die Briten bei ihrem Referendum tatsächlich für einen Austritt ihres Landes aus der EU aussprechen, so hätte das wohl ziemliche Folgen für den Finanzplatz London. Viele internationale Banken steuern ihr gesamtes Europa-Geschäft von dort - im Falle eines "Brexits" müssten sie womöglich drastisch umdisponieren. Der Themse-Metropole droht dann ein Riesen-Jobabbau.

Ein Institut, das besonders stark von einem Brexit betroffen wäre, ist die US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen. Für sie hätte der Austritt Großbritanniens aus der EU sehr konkrete Folgen: Für etwa 440 Millionen Euro baut die Bank derzeit ein neues Hauptquartier mitten im Herzen Londons. Die Eröffnung ist für 2019 geplant - ob das Institut mit Hauptsitz in New York dann allerdings noch alle neuen Räumlichkeiten in London benötigt, erscheint derzeit völlig offen.

Hintergrund: Wie viele andere internationale Banken hat auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen in den vergangenen Jahren von der Möglichkeit profitiert, Bankdienstleistungen innerhalb der EU grenzüberschreitend anbieten zu können. So bedienten die Institute Kunden in 28 Ländern, ohne sich überall mit örtlichen Regelwerken auseinandersetzen zu müssen. Das machte London zum Finanz-Hub Europas.

Goldman zahlt 700.000 Dollar für Lobby-Arbeit

Kommt nun der Brexit, ist damit erst mal Schluss. Großbritannien müsste in langwierigen Verhandlungen versuchen, für die Finanzhäuser ähnlich gute Bedingungen in den EU-Ländern heraus zu handeln. Das könnte Jahre dauern - Ausgang völlig offen.

Kein Wunder also, dass Goldman Sachs und andere Banken bereits kräftig gegen den Brexit lobbyieren. Goldman habe dafür bereits 700.000 Dollar eingesetzt, berichtet das "Wall Street Journal" (€) mit Verweis auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das Institut bearbeite die britische Politik mit Hochdruck, Manager von Goldman Sachs hätten zudem Brandbriefe an britische Zeitungen unterschrieben, so die Zeitung.

Denn für Goldman Sachs droht mit einem Brexit eine Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte vorläufig zu enden. Laut "WSJ" begann die Bank in London in den 1970er Jahren mit fünf Leuten. Nach der Regulierung des britischen Finanzsektors in den 80ern startete die Bank dann richtig durch. Seinerzeit begann Goldman auch Offices in Frankfurt, Paris und Mailand zu eröffnen.

Das wurde allerdings obsolet, als 1999 der Euro eingeführt wurde. Goldman benötigte keine Präsenz mehr in verschiedenen Währungsräumen Europas, weil es diese nicht mehr gab. Die Bank zog sich weitgehend nach London zurück, nur ein kleiner Teil der Leute blieb über Europa verstreut, so das "WSJ".

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