3000 Jobs gestrichen Goldman Sachs dreht jetzt jeden Dollar um

Der Gewinn eingebrochen, die Aussichten unsicher, der Rivale Morgan Stanley an der Börse deutlich höher bewertet: Goldman Sachs senkt jetzt die Kosten deutlich. Etwa 3000 Jobs fallen weg, fast jede Kostenposition steht auf dem Prüfstand – ein Job vor allem für zwei Managerinnen.
Schaut auf die Kosten: Goldman-Sachs-Managerin Stephanie Cohen ist Global Head of Platform Solutions

Schaut auf die Kosten: Goldman-Sachs-Managerin Stephanie Cohen ist Global Head of Platform Solutions

Foto: Cindy Ord / Getty Images for Girlboss Rally NYC 2018

In seiner traditionellen Botschaft zum Jahresende hatte Konzernchef David Solomon (60) die Belegschaft bereits vorgewarnt, das Ausmaß der geplanten Stellenstreichungen ließ er aber offen. Mit dem heutigen Mittwoch nun informiert die Investmentbank die Beschäftigten in New York und London. Mehr als 3000 Stellen wird Goldman Sachs einsparen, schreibt die "Financial Times" . Damit nicht genug: Die Bank stellt praktisch sämtliche Ausgaben auf den Prüfstand – auch jene für die zwei Firmenjets der Bank.

Der Druck auf Solomon, die Kosten zu senken, ist erheblich. Goldman hatte nach neun Monaten des vergangenen Jahres 44 Prozent weniger Gewinn erwirtschaftet. Zugleich schafft der seit 2018 amtierende Vorstandschef es offenbar nicht, an der Börse die Bewertungslücke zum langjährigen Rivalen Morgan Stanley zu schließen. Der Vorstandschef hatte die geplanten Ausgabenkürzungen mit der Erwartung einer schwächeren Wirtschaft und strafferen monetären Bedingungen im laufenden Jahr begründet.

Nach FT-Informationen kommt wohl vor allem den beiden Managerinnen Ericka Leslie  und Stephanie Cohen  die Aufgabe zu, alle Kostenpositionen zu checken. Das betrifft Reiseetats genauso wie Konferenzen oder die Kosten für externe Dienstleister. "Wir überprüfen die Ausgaben in allen Bereichen des Unternehmens", zitiert die Zeitung die Bank. Leslie ist Chief Administrative Officer der Bank und werde eng mit Cohen, ihrerseits Mitglied des Management Committee, zusammenarbeiten, heißt es.

Auch die eigenen Firmenjets stehen auf dem Prüfstand

Zu den sensiblen Bereichen, die Leslie zu überprüfen hat, dürften auch die Kosten für die beiden Gulfstraem-Jets zählen, die Goldman unter Ägide von Solomon im Jahr 2019 kaufte. Der Vorstandschef beerdigte damit die lang geübte Praxis, Firmenflugzeuge zu mieten, statt selbst zu besitzen. Für das Mieten hatten sich seinerzeit nicht wenige Mitglieder der alten, sparsameren Garde der Investmentbank ausgesprochen.

Goldman Sachs hatte wie andere Investmentbanken im Jahr 2021 massiv von Fusionen, Börsengängen und Übernahmen profitiert, die die Spezialisten wie im Rausch abwickelten und dabei fürstlich verdienten. Im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter und Talente erhöhte Solomon die Einstiegsgehälter für junge Kolleginnen und Kollegen im ersten Jahr auf 110.000 Dollar, zugleich wuchs der Bonustopf für die Investmentbanker um 40 Prozent.

Im Zuge des größten Kostensenkungsprogramms seit der Finanzkrise wird der Bonustopf für die Edelbanker nun vermutlich 40 Prozent kleiner ausfallen, heißt es. Goldman Sachs ist stärker als andere Banken von den Erlösen aus dem M&A-Geschäft abhängig. Das Volumen dieser großen, hochprofitablen Deals ist nach Expertenschätzungen im vergangenen Jahr weltweit um bis zu 38 Prozent eingebrochen.

Die beteiligten Institute bekommen die Deal-Flaute deutlich zu spüren: Die zehn größten Investmentbanken nahmen nach vorläufigen Daten des Anbieters Dealogic im Jahr 2022 mit Fusionen und Übernahmen 31,8 Milliarden Dollar ein, berichtete "Financial News"  . Das sind rund 34 Milliarden Dollar weniger als im Rekordjahr 2021.

rei

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