Samstag, 7. Dezember 2019

Skandal um malaysischen Staatsfonds 1MDB Malaysia klagt 17 Top-Manager von Goldman Sachs an

1MDB-Skandal: Malaysia klagt weitere 17 Manager von Goldman Sachs an

Malaysia hat Strafanzeigen gegen 17 derzeitige und ehemalige Direktoren von Tochterunternehmen von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen erhoben. Grund sind deren Rollen in der Korruptions- und Veruntreuungsaffäre rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Schon Ende vergangenen Jahres hatte Malaysia gegen das Bankhaus Goldman Sachs sowie zwei frühere Angestellte des Geldinstituts, einen ehemaligen 1MDB-Mitarbeiter und einen malaysischen Investor Anzeige erstattet. Malaysia fordert dabei Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Unter den Angeklagtensollen sich laut Bloomberg der stellvertretende Vorsitzende von Goldman Sachs, Richard J. Gnodde, und John Michael Evans, ein ehemaliger Partner der US-Bank, der heute Präsident der Handelsplattform Alibaba ist, sein.

Zum Hintergrund: Der abgewählte malaysische Ministerpräsident Najib Razak hatte im Jahr 2009 den Fonds 1MDB zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes aufgelegt. Goldman Sachs hatte drei Anleiheemissionen von 1MDB im Gesamtvolumen von 6,5 Milliarden Dollar begleitet und kassierte dafür 600 Millionen Dollar an Gebühren.

Allein aus den Anleiheerlösen könnten 2,7 Milliarden Dollar veruntreut worden sein, heißt es. Das US-Justizministerium mutmaßt, dass hochrangige Fonds-Mitarbeiter und ihre Partner insgesamt sogar mehr als 4,5 Milliarden Dollar aus dem Fonds veruntreuten.

Verwickelt in den Skandal sind nicht nur Goldman Sachs, sondern auch der frühere malaysische Ministerpräsident Najib Razak, dessen Regierung schließlich wegen des Skandals zu Fall gebracht wurde, sowie der untergetauchte malaysische Millionär Jho Low.

Bei einer Hausdurchsuchung bei Najib im vergangenen Jahr hatte die malaysische Polizei nach eigenen Angaben unter anderemnumgerechnet fast 25 Millionen Euro in bar, 567 Luxus-Handtaschen von Marken wie Hermes, Prada oder Chanel sowie 423 Uhren von Marken wie Rolex und Chopard gefunden. Najib muss sich mittlerweile gegen sieben Anklagepunkte wie Geldwäsche und Amtsmissbrauch verteidigen.


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Angeklagt in dem Skandal sind bereits auch ehemalige Goldman Sachs-Manager. So hat der frühere Südostasien-Chef von Goldman Sachs, der aus Deutschland stammende Tim Leissner, gestanden und sich wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche und Veruntreuung schuldig bekannt. Ihm zufolge seien mehrere Topmanager von Goldman eingeweiht gewesen. Sein damaliger Vize Roger Ng wurde ebenfalls in New York angeklagt. Goldman Sachs wird zudem vorgeworfen, viel zu hohe Gebühren eingenommen zu haben. Der malaysische Premierminister Mahathir Mohamad sowie sein Finanzminister Lim Guan Eng hatten sich zuletzt dafür stark gemacht, von dem US-Bankhaus die Gebühren zurückzuerhalten.

Eine der zentralen Figuren in dem Skandal bleibt jedoch der untergetauchte Millionär Jho Low, dessen gesamtes Vermögen im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmt wurde. Low soll ausländische Beamte geschmiert haben, um Aufträge für Goldman Sachs bei dem Fonds 1MDB zu sichern. Laut Anklage veruntreute der Flüchtige mit Hilfe von Leissner, Roger Ng und weiteren fast drei Milliarden Dollar aus dem malaysischen Staatsfonds. Dazu seien im Zeitraum von 2009 bis 2014 auch Politiker wie Razak bestochen worden. Im Frühjahr diesen Jahres wurde Lows beschlagnahmte Luxusyacht "Equanimity" für 126 Millionen Dollar vom malaysischen Staat verkauft.

dpa/rtr/ap/akn

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