Freitag, 23. August 2019

Korruptionsaffäre um Staatsfonds 1MDB setzt Investmenthaus zu Malaysia zerrt Goldman Sachs vor Gericht

Schöner Schein: Malaysia greift Goldman Sachs wegen der Korruptionsaffäre um seinen Staatsfonds an

Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist von der Korruptionsaffäre rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB eingeholt worden. Am Montag fielen die Papiere von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen an der US-Börse mit einem Verlust von 7 Prozent auf das tiefste Niveau seit rund zwei Jahren. Nur kurze Zeit zuvor hatten der malaysische Premierchef Mahathir Mohamad sowie sein Finanzminister Lim Guan Eng in verschiedenen Interviews bekräftigt, sich alle Gebühren zurückholen zu wollen, die die "Goldmänner" bei ihren unrechtmäßigen Geschäften in Malaysia eingestrichen hätten.

"Es gibt Beweise, dass Goldman Sachs Dinge getan hat, die falsch sind", sagte der malaysische Regierungschef Mahathir Mohamad dem Fernsehsender CNBC. Offensichtlich sei man von Goldman-Sachs-Bankern "betrogen" worden. Die Verfahren der Bank zur Überwachung der Regeln (compliance) "arbeiten nicht sehr gut".

Ein Goldman-Sachs-Sprecher in Hongkong wollte sich zu dem Interview nicht äußern. In der Vergangenheit widersprach Goldman Sachs immer, irgendetwas falsch gemacht zu haben.

Mehr als 4 Milliarden Dollar sollen aus Fonds entnommen worden sein

Der inzwischen abgewählte malaysische Ministerpräsident Najib Razak hatte den Fonds 1MDB 2009 zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung aufgelegt. Das US-Justizministerium mutmaßt, dass hochrangige Fonds-Mitarbeiter und ihre Partner insgesamt mehr als 4,5 Milliarden Dollar aus dem Fonds nahmen.

Najibs Rolle in dem Skandal war eine der Hauptgründe für seine Abwahl. Bei einer Hausdurchsuchung im Mai fand die malaysische Polizei nach eigenen Angaben unter anderem umgerechnet fast 25 Millionen Euro in bar, 567 Luxus-Handtaschen von Marken wie Hermes, Prada oder Chanel sowie 423 Uhren von Marken wie Rolex oder Chopard. Der ehemalige Regierungschef wurde der Korruption angeklagt. Er hat die Vorwürfe bestritten.

Malaysia kündigt "aggressivere Maßnahmen" an

Die US-Investmentbank Goldman Sachs erhielt für seine Arbeit für 1MDB rund 600 Millionen Dollar an Gebühren. Die US-Investmentbank hatte drei Anleiheemissionen im Gesamtvolumen von 6,5 Milliarden Dollar in den Jahren 2012 und 2013 begleitet. Anfang November klagten die US-Behörden zwei ehemalige Goldman-Sachs-Banker wegen des 1MDB-Skandals an. Einer von ihnen, Tim L., bekannte sich der Geldwäsche und Verstößen gegen das amerikanische Anti-Korruptionsgesetz ("Foreign Corrupt Practices Act") schuldig.

Zu hohe Gebühren bei der Ausgabe von Anleihen?

Kritiker warfen Goldman Sachs vor, für ihre Rolle bei den Anleiheemissionen viel zu hohe Gebühren verlangt zu haben. Die US-Investmentbank hatte die Kosten in der Vergangenheit verteidigt. Die Gebühren seien wegen des erhöhten Risikos für das Institut angefallen. Die Bank habe die Bonds gekauft, während sie nach Investoren gesucht habe. Zudem habe 1MDB bei der Anleiheemission 2013 über 2,7 Milliarden Dollar die Mittel schnell für geplante Investitionen haben wollen.

Malaysia will die Gebühren von Goldman Sachs zurückfordern. Anwar Ibrahim, designierter Nachfolger des 93-jährigen Mahathir, sagte am Dienstag im malaysischen Parlament, dass das Land "aggressivere Maßnahmen" ergreifen müsse, um die Gebühren und die Verluste wieder hereinzuholen. Mahathir erklärte ebenfalls, die US-Justizbehörde habe ihm versprochen, die Gebühren zurückzubringen.

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Mit in die Affäre verwickelt ist unter anderem der malaysische Investor Low Taek Jho, der diesen Monat in den USA angeklagt worden war, sich aber laut Reuters auf freiem Fuß befindet. Gegen den Finanzier wird seit 2015 in den USA wegen Geldwäsche und Verdacht auf Veruntreuung im Zuge der Korruptionsaffäre rund um 1MDB ermittelt. US-Justizbehörden werfen ihm vor, dass er mit dem veruntreuten Geld einen Privatjet, eine Superyacht sowie Schmuck, Immobilien und Gemälde von Picasso gekauft hätte. Die Behörden beschlagnahmten bereits 2017 Vermögenswerte in Höhe von etwa 540 Millionen Dollar. In diesem Sommer beschlagnahmten indonesische und malaysische Behörden auch die Superyacht "Equanimity", deren Wert auf 250 Millionen Dollar geschätzt wird.

reuters/akn

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