Montag, 22. April 2019

Trumps Steuergesetz bringt Banken hohe Anlaufkosten Steuerreform kostet Goldman Sachs fünf Milliarden Dollar sofort

Zentrale von Goldman Sachs

Die Wall-Street-Bank Goldman Sachs erwartet wegen der US-Steuerreform eine massive Belastung in diesem Jahr. Der Gewinn dürfte im Schlussquartal um rund 5 Milliarden Dollar gedrückt werden, erklärte das Geldhaus am Freitag in New York.

Der Großteil dieser Belastung trete auf durch die Rückführung von bisher unversteuerten Unternehmensgewinnen aus dem Ausland. Der Rest entstehe unter anderem durch die Neubewertung steuerlicher Ansprüche, die als Vermögenswerte in der Bilanz stehen.

Die Bank warnte zugleich, die tatsächliche Belastung könne "möglicherweise erheblich" von dieser Schätzung abweichen, abhängig von der Interpretation der erst kurz vor Weihnachten beschlossenen neuen Steuergesetze. Genaue Zahlen wird Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen am 17. Januar veröffentlichen.

Langfristig erwarten Banken und andere Konzerne höhere Profite dank der Steuerreform, dem bislang größten Erfolg der Präsidentschaft Donald Trumps. Der Staat rechnet mit mehr als einer Billion Dollar Mindereinnahmen über das kommende Jahrzehnt, weil die Körperschaftsteuer radikal von 35 auf 21 Prozent gesenkt wurde. Die Niedrigsteuern sollen auch in ausländischen Tochterfirmen geparkte Gewinne in die USA locken.

Citigroup erwartet sogar 20 Milliarden Dollar Belastung

Damit verbunden sind jedoch hohe Anfangskosten - zum Teil rein buchhalterischer Natur. Beispielsweise müssen die Konzerne die Differenz zwischen steuerlicher und bilanzieller Abschreibung von Vermögenswerten neu bewerten - eine so noch nicht dagewesene Übung. Steuerberater und Rechnungsprüfer haben Hochkonjunktur, weil das Gesetz noch vor Jahresende in Kraft getreten ist und damit für den bevorstehenden Jahresabschluss bereits gültig ist. Bis zuletzt wurde aber noch über den genauen Text der Reform verhandelt.

Goldman Sachs zählt zu den ersten Konzernen, die das ungefähre Ausmaß der anfänglichen Belastung beziffern. Zuvor hatte beispielsweise die britische Bank Barclays Börsen-Chart zeigen von einer Milliarde Pfund gesprochen, der Ölkonzern Shell Börsen-Chart zeigen von 2 bis 2,5 Milliarden Dollar - jeweils mit dem Hinweis, langfristig werde sich die Reform positiv auf die Nachsteuergewinne auswirken.

Die größte Bank JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen hatte bereits Anfang Dezember von einer Belastung in Höhe von 2 Milliarden Dollar gesprochen, hauptsächlich wegen des Transfers ausländischer Gewinne in die USA - während der Finanzvorstand der Citigroup Börsen-Chart zeigen für sein Haus sogar 20 Milliarden Dollar ins Spiel brachte, der Großteil davon wegen bilanzieller Effekte im Inland. Zu diesem Zeitpunkt stand der genaue Inhalt der Reform jedoch noch nicht fest.

Noch mehr Arbeit kommt auf die Bilanzexperten in der Neujahrszeit zu, weil auch China am Donnerstag spontan auf den Wettbewerb zum Steuer-Dumping reagierte - mit einer Befreiung der in China einbehaltenen Gewinne ausländischer Konzerne, unter bestimmten Bedingungen und rückwirkend ab Anfang 2017.

ak/dpa-afx

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