Investmentbank wirbt Kleinsparer mit Online-Tagesgeld Goldman Sachs wird zur Sparkasse

Ungewöhnliche Botschaft für Goldman-Chef Lloyd Blankfein: "Willkommen zum sorglosen Sparen"

Ungewöhnliche Botschaft für Goldman-Chef Lloyd Blankfein: "Willkommen zum sorglosen Sparen"

Foto: Joe Raedle/ Getty Images

Unter 10 Millionen Dollar, so hat das "Wall Street Journal" einmal ermittelt , braucht man sich bei Goldman Sachs gar nicht als Kunde vorstellen. Diese Regel ist jedoch seit dieser Woche Geschichte. Neuerdings reicht auch ein einzelner Dollar, den die legendäre Investmentbank ganz profan verzinst.

1 Prozent aufs Tagesgeld, 2 Prozent auf Festgeld mit fünfjähriger Bindung - "willkommen zum sorglosen Sparen", verspricht die GS Bank  in den USA. Die Muttergesellschaft Goldman Sachs  ist eher für riskante Wetten bekannt, die deutlich höhere Renditen verheißen, aber auch schnell spektakulär schiefgehen können. Vor allem jedoch sind sie nichts für Menschen mit kleinem Vermögen.

Die GS Bank aber heißt die Massen willkommen. Die gebotenen Zinsen sind auch für US-Verhältnisse am oberen Ende des Wettbewerbs. Die etablierten Großbanken, zu deren Kerngeschäft das Sammeln von Einlagen gehört, zahlen durchweg nur 0,01 Prozent auf kurzfristige Ersparnisse, wie eine aktuelle Übersicht des "Wall Street Journal" (€€)  zeigt.

Möglich wird das durch den Verzicht auf ein teures Filialnetz, Geldautomaten und dergleichen. Die GS Bank tritt als reine Onlinebank auf - ein Modell, das bisher nur Nischenanbieter wie Synchrony oder Discover wählten. Mit satten Margen allerdings, denn verleihen lässt sich das Geld immer noch zu deutlich höheren Zinsen.

Dem "Journal" zufolge hat Goldman die Konditionen gar nicht selbst festgelegt, sondern einfach von der Online-Einlagenfiliale der GE Capital Bank übernommen, die nun als GS Bank firmiert.

Der Glaube an die gute Gier ist noch intakt

Es ist ein Rollentausch: Während der Industrieriese General Electric sich von seiner großen Finanzsparte weitgehend trennt, um nicht der strengeren Bankenregulierung zu unterliegen, beugt sich Goldman Sachs nach Ansicht des "Wall Street Journal" mit der Übernahme dem Willen der Aufseher: mehr sichere Einlagen als stabile Finanzgrundlage.

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Goldman Sachs gilt überhaupt erst seit 2008 offiziell als Bank und unterliegt der Kontrolle von Federal Reserve sowie dem Einlagensicherungsfonds FDIC. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise galt der Schritt als Rettungsaktion, um Zugriff auf staatliche Liquiditätshilfe zu haben.

Rivale Morgan Stanley (Kurswerte anzeigen) handelte damals ebenso, während die anderen der früheren "Big Five" der Investmentbanken pleite gingen oder von Universalbanken geschluckt wurden. Dass die Dealmaker von Goldman tatsächlich ins klassische Bankgeschäft und dann auch noch mit einfachen Privatkunden einsteigt, ist neu.

Follow the money

Die "Financial Times" sieht (€€)  dafür allerdings ganz andere Motive als das Drängen der Aufsichtsbehörden. Den Manager Harit Talwar, der das neue Kreditgeschäft leitet, habe Goldman Sachs von Discover abgeworben, weil diese Kreditkartenfirma mit ihren Online-Angeboten deutlich profitabler wirtschaftet als die eigenen Kapitalmarktspezialisten. "Wer denkt, dass Goldman den Wall-Street-Glauben an die gute Gier aufweicht, wird enttäuscht."

Auch Einlagenzinsen von 1 Prozent seien immer noch günstiger als die 2,75 Prozent, mit denen sich die Investmentbank derzeit hauptsächlich bei Geldmarktfonds refinanziert. "Sie folgen ganz opportunistisch dem Geld", schreibt die "Financial Times" - von wegen Nachgeben gegenüber den Aufsehern.

Im Gegenteil: Unter Regulierern und Politikern werde die für Universalbanken typische Verbindung von schützenswerten Spareinlagen und riskanten Investments zunehmend kritisch gesehen - kritischer als die bisherige Spezialisierung auf Kunden, die wissen, dass sie auch alles verlieren können. Das größte Risiko für die neue Strategie von Goldman Sachs wäre wohl, wenn sich die Ansichten von Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders durchsetzen.


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