US-Bank Goldman Sachs plant nach Gewinneinbruch Großumbau

US-Großbank Goldman Sachs muss für das dritte Quartal einen herben Gewinnrückgang verbuchen. Wegen des schwachen Investmentbanking-Geschäfts will Konzernchef David Solomon nun massiv umbauen.
Umbaupläne: Goldman-Sachs-Chef David Solomon setzt künftig auf die drei Geschäftsbereiche Vermögensverwaltung, Global Banking und Markt- und Plattformlösungen

Umbaupläne: Goldman-Sachs-Chef David Solomon setzt künftig auf die drei Geschäftsbereiche Vermögensverwaltung, Global Banking und Markt- und Plattformlösungen

Foto: Lucy Nicholson / REUTERS

Trotz eines schwächeren Gewinns hat die US-Bank Goldman Sachs die Erwartungen übertroffen: Das fünftgrößte Kreditinstitut der USA mit seinem Kerngeschäft im Investmentbanking gab am Dienstag für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 2,96 Milliarden Dollar bekannt. Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn noch bei 5,28 Milliarden Dollar. Die Flaute im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen hat den Gewinn der US-Bank gedrückt.

Pro Aktie verdiente Goldman Sachs im dritten Quartal 8,25 Dollar. Ein Jahr zuvor fiel noch ein Gewinn von 14,93 Dollar je Aktie an. Analysten rechneten mit einem schwächeren Ergebnis von 7,69 Dollar. Nach den veröffentlichten robusten Ergebnissen für das dritte Quartal legten die Aktien  am Dienstag um rund 5 Prozent zu.

Die Erlöse der Großbank lagen 12 Prozent unter dem Vorjahresniveau bei 11,98 Milliarden Dollar. Die Leitzinserhöhung in den USA kurbelte jedoch das Geschäft mit dem Rohstoff-, Devisen- und Anleihenhandel an.

Auch die Rivalen JP Morgan, Morgan Stanley und Wells Fargo hatten für das dritte Quartal signifikante Gewinnrückgänge gemeldet.

Umbau wegen schwachem Investmentbanking

Bankchef David Solomon (60) kündigte – wie bereits im Vorfeld durchgesickert – eine Umstrukturierung an, bei der das Geldhaus seine Provisionsgeschäfte aufgrund des schwachen Investmentbanking-Geschäfts neu ausrichten will. "Heute treten wir mit der Neuaufstellung unserer Geschäfte in unsere nächste Wachstumsphase ein, die uns ermöglichen wird, auf unser dominantes Geschäftsmodell zu setzen", erklärte Solomon. Das Institut soll auf drei Geschäftsbereiche ausgerichtet werden: Vermögensverwaltung, Global Banking und Markt- und Plattformlösungen.

Damit bestätigte die US-Investmentbank Goldman Sachs Berichte über einem umfassenden Umbau. Das Investmentbanking solle mit dem Handel zusammengelegt werden, das Privatkundengeschäft mit der Online-Bank "Marcus" in der Vermögensverwaltungs-Sparte aufgehen, hatte das "Wall Street Journal"  (WSJ) mit Verweis auf Insider am Montag berichtet. Ein Rückschlag für die Digital-Bank, in die Vorstandschef Solomon große Hoffnungen gesetzt hatte.

Vorstandschef Solomon wollte mit dem Ausbau des Provisionsgeschäftes und dem Aufbau von "Marcus" die Abhängigkeit vom schwankenden Investmentbanking verringern. Doch kommt die 2016 gegründete Online-Bank nur schwer in die Gänge und schreibt Verluste.

"Marcus" soll bereits vier Milliarden Dollar Verlust angehäuft haben

Laut der Agentur "Bloomberg"  erwartet Goldman Sachs, dass "Marcus" in diesem Jahr ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar einfährt. Die Anlaufverluste würden sich damit auf mehr als vier Milliarden Dollar summieren. Mit Krediten, Sparkonten, Termineinlagen und – in Zusammenarbeit mit Apple – Kreditkarten für Privatkunden hat Goldman im vergangenen Jahr 1,49 Milliarden Dollar erlöst, 23 Prozent mehr als 2020. Solomon hatte mit den mehr als 14 Millionen Privatkunden bis 2024 Erlöse von vier Milliarden Dollar angepeilt.

rei/Reuters
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