Nach Gewinneinbruch Goldman Sachs warnt "Minderleister"

Die Geschäftsaussichten der Wall-Street-Banken verschlechtern sich, der Rekrutierungsrausch des vergangenen Jahres ist Geschichte. Goldman Sachs erwägt sogar Stellen abzubauen – und sendet eine klare Botschaft an leistungsschwächere Mitarbeiter.
Das Lächeln kann täuschen: Goldman-Sachs-Chef David Solomon prüft nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal nun alle Ausgaben und Investitionen genau – das dürfte auch das Personal betreffen

Das Lächeln kann täuschen: Goldman-Sachs-Chef David Solomon prüft nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal nun alle Ausgaben und Investitionen genau – das dürfte auch das Personal betreffen

Foto: Andy Wong / dpa

Im abgelaufenen Quartal lief es nicht wirklich rund für Goldman Sachs: Um knapp die Hälfte brach der Gewinn der US-Investmentbank ein. Die Märkte hatten offenbar schlechtere Zahlen erwartet, die Aktie  ging sogar als Gewinner im Dow Jones aus dem Handel. Goldman Sachs' Konzernchef David Solomon (60) nahm den Gewinneinbruch gleichwohl zum Anlass, den erfolgsverwöhnten Edelbankern eine unmissverständliche Warnung ins Stammbuch zu schreiben. So wird Goldman Sachs künftig wohl weniger neue Kolleginnen und Kollegen einstellen und sich auch von leistungsschwachen Mitarbeitern trennen, berichtet die "Financial Times" .

In welchen Sparten die Bank gegebenenfalls den Rotstift ansetzen wird, ließ sie offen. Was sich im letzten Quartal abzeichnete: Steigende Zinsen und zunehmende Rezessionsängste bremsten die Risikobereitschaft der Unternehmen. Folglich ging das Geschäft mit Aktien- und Anleiheemissionen der Investmentbanker zurück. Ebenso flossen weniger der sonst üppigen Gebühren aus der Beratung im Zuge von Übernahmen und Börsengängen in die Kasse.

Daten der Unternehmensberater von EY spiegeln diese Entwicklung: Im zweiten Quartal spielten 305 Börsengänge weltweit rund 40,6 Milliarden Dollar ein. Das ist ein Minus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das hat auch das Investmentbanking von Goldman Sachs zu spüren bekommen, dessen Erlöse um 41 Prozent abrutschten. Die Männer und Frauen für die Big Deals bei Goldman Sachs schnitten damit allerdings immer noch besser ab als die Konkurrenten JPMorgan Chase oder Morgan Stanley – hier brachen die Erträge im Investmentbanking um 61 beziehungsweise 55 Prozent ein.

Ob der Finanzchef von Goldman Sachs, Denis Coleman, in dieser Sparte kürzen wird, die sonst mit zu den größten Gewinnbringern zählt, ist derzeit eher weniger wahrscheinlich. Umgekehrt waren es die Erträge der Kolleginnen und Kollegen im Handelsbereich, die von höchst nervösen Märkten profitierten und die Scharte der Investmentbanker zum Teil auswetzten.

Leistungsbeurteilung wird wieder eingeführt

Coleman betonte lediglich, die Bank prüfe nun "alle Ausgaben- und Investitionspläne genau". Dazu gehörten weniger Neueinstellungen und die Wiedereinführung der Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter zum Jahresende. Dieses Mitarbeiter-Feedback hatte die Bank während der Coronavirus-Pandemie weitgehend eingestellt, berichtet die "Financial Times" .

Im vergangenen Jahr hatten die großen Banken an der Wall Street noch in einem wahren Rekrutierungsrausch neue Mitarbeiter eingestellt und Rekordboni für 2021 ausgezahlt – letzteres auch als Signal im Kampf um die größten Talente. Nun, da die Zinsen steigen und eine Rezession in den USA droht, sich also die Geschäftsaussichten auch für Banken verschlechtern, haben die Institute zuletzt weniger Personal eingestellt.

Zugleich interpretieren Beobachter die Wiedereinführung des Verfahrens zur Leistungsbeurteilung, in dessen Zuge leistungsschwächere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt angesprochen werden, als Signal dafür, dass die Banken an der Wall Street einen Stellenabbau in Betracht ziehen, heißt es.

rei
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