Goldman Sachs und andere US-Großbanken zahlen 142 Milliarden Dollar für Boni und Gehälter

Geldregen für die Banker von Goldman Sachs und Co: Bis zu 22 Prozent mehr schütteten die Institute 2021 aus. Das sei auch ein Zeichen für den Wettbewerb um Talente Aktionäre kritisieren die explodierenden Kosten.
Bankenzentrum in New York: An der Wall Street hatten die größten Banken im vergangenen Jahr die Schatullen für Boni und Gehälter ganz weit geöffnet

Bankenzentrum in New York: An der Wall Street hatten die größten Banken im vergangenen Jahr die Schatullen für Boni und Gehälter ganz weit geöffnet

Foto: A2800 epa Peter Foley/ dpa

Auch wenn die meisten US-Großbanken aufs ganze Jahr gerechnet ihre Gewinne steigern konnten, haben sie im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Märkte doch weitgehend enttäuscht. Spülten Fusionen und Börsengänge einerseits reichlich Geld in ihre Kassen, sanken andererseits die Erträge im Handel angesichts ruhigerer Märkte. Im Kampf um Talente und Leistungsträger gaben die Wall-Street-Größen zugleich deutlich mehr Geld für Gehälter und Boni aus, was ihre Bilanzen belastet und Investoren zusehends beunruhigt.

Sage und schreibe 142 Milliarden US-Dollar kehrten JPMorgan Chase, Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Bank of America an ihre Beschäftigten aus – das ist ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die "Financial Times"  errechnet hat. Gehaltsexperten erwarten insbesondere im Investmentbanking weiter steigende Gehälter, heißt es.

"Es ist einfach ein Wettbewerb um Talente. Man kann eine M&A-Transaktion nicht automatisieren", zeigt Bankenanalyst Jason Goldberg von Barclays Verständnis für die steigenden Kosten. Goldman-Sachs-Veteran Eric Dobkin hingegen, der fast ein halbes Jahrhundert im Dienst der Edelbanker stand, warnte laut Bloomberg  bereits im Vorfeld, die Institute würden zum Jahresende "zu viel bezahlen, um die Leute zu halten, die sie am meisten wollen".

Die Bank Goldman Sachs, die ihr Geld vor allem im Investmentbanking und Handel mit Wertpapieren verdient, hob die Gehälter besonders stark an. Laut "FT" nahm ein Mitarbeiter der Bank im vergangenen Jahr im Schnitt etwas mehr als 400.000 Dollar mit nach Hause – ein Plus von 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Schnitt wohlgemerkt. Denn die Spezialisten für Fusionen, Übernahmen und Emissionen verdienen besser, auch sollen ihre Boni um 40 Prozent und mehr geklettert sein, was sich bereits Mitte Dezember  abzeichnete. Der Rivale Morgan Stanley soll laut "Wall Street Journal"  insgesamt 24,6 Milliarden Dollar für Gehälter ausgegeben haben und damit 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Goldman Sachs habe für seine 44.000 Beschäftigten insgesamt 17,7 Milliarden Dollar an Gehältern gezahlt.

Dabei müssen Banken derzeit ohnehin höhere Investitionen in neue Technologien sowie die Modernisierung bestehender IT-Systeme stemmen, um im Wettbewerb mit deutlich günstigeren Neobanken nicht ins Hintertreffen zu geraten. Diese Fintechs mit Banklizenz ziehen immer mehr Anleger auf ihre Seite und bauen ihr Angebot an Finanzdienstleistungen über das einfache Depot hinaus aus. Jüngste Kursrückschläge bei US-Banken nach ihren Quartalsberichten begründen Marktbeobachter auch mit der Sorge der Investoren über steigende Kosten und Gehälter bei den Instituten.

Investoren wegen steigender Kosten in Sorge

Noch scheinen die Erträge der Wall-Street-Häuser die satten Gehälter zu decken: So erhielten die Mitarbeiter von Goldman Sachs rund 30 Cent von jedem Dollar, den die Bank im vergangenen Jahr erwirtschaftete, bei Morgan Stanley waren es sogar 41 Cent. JPMorgan wiederum ließ 25 Cent von jedem Dollar der Einnahmen in den Vergütungstopf der Beschäftigten fließen, berichtet die "FT". Man werde bei den Gehältern wettbewerbsfähig bleiben, versicherte JPMorgan-Chef Jamie Dimon (65) kürzlich. "Und wenn das die Margen für die Aktionäre ein wenig schmälert, dann soll es so sein."

Und auch die Finanzchefin von Morgan Stanley, Sharon Yeshaya, scheinen die drastisch gestiegenen Ausgaben für Gehälter keine schlaflosen Nächte zu bereiten: "Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir für Leistung bezahlt haben", zitiert das "Wall Street Journal" die Topbankerin.

Goldman-Sachs-Chef David Solomon (60) sieht die Banken bei den Gehältern von zwei Seiten unter Druck. Zum einen herrsche "nahezu Vollbeschäftigung" und zum anderen seien Top-Arbeitskräfte in der Bankenbranche mittlerweile knapp – auch, weil sich viele ältere Banker ab 55 Jahren in der Pandemie entschieden hätten, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder den Job gar ganz an den Nagel zu hängen.

Eine Beruhigungspille bleibt besorgten Aktionären von US-Großbanken angesichts zuletzt steigender Kosten und fallender Aktienkurse: Das Gros der Gehaltserhöhungen im vergangenen Jahr geht hauptsächlich auf Bonuszahlungen und nicht auf reguläre Gehaltserhöhungen zurück. Und üppige Boni lassen sich bekanntlich jederzeit kürzen, wenn die Erträge wieder sinken oder der Wettbewerb um Talente sich entspannt.

rei