US-Großbanken melden Zahlen Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo enttäuschen Anleger

Die Berichtssaison in den USA startet traditionell mit den Bilanzen der großen US-Finanzinstitute. Deren Quartalszahlen fielen jedoch überwiegend schlechter als erwartet. Die Aktien von J.P. Morgan, Goldman Sachs, Citigroup und Co. geben nach.
Berichtssaison: Bei der Citigroup ging der Gewinn im vierten Quartal deutlich zurück

Berichtssaison: Bei der Citigroup ging der Gewinn im vierten Quartal deutlich zurück

Foto: Mark Lennihan / AP

In den USA fällt der Start in die Bilanzsaison für die großen Geldhäuser nicht sehr überzeugend aus. Zwei der vier US-Großbanken meldeten am Freitag Gewinnsprünge, zwei andere dagegen Gewinneinbrüche. Die Banken profitieren von den höheren Zinsen, jedoch belasten das Investmentbankingeschäft und die Rückstellungen für die schwächelnde Konjunktur die Bilanzen.

Sprudelnde Zinserträge haben der größten US-Bank J.P. Morgan im Schlussquartal 2022 überraschend viel Gewinn beschert. Jetzt sieht Vorstandschef Jamie Dimon (66) die Bank in der Lage, im ersten Quartal den Rückkauf eigener Aktien wieder aufnehmen, den sie im Juli ausgesetzt hatte.

Trotz einer milliardenschweren Risikovorsorge lag der Überschuss mit gut 11 Milliarden US-Dollar (10,2 Milliarden Euro) im vierten Quartal rund 6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Institut am Freitag in New York mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Der Zinsüberschuss legte um fast die Hälfte und damit ebenfalls stärker als gedacht auf mehr als 20 Milliarden Dollar zu. Schwach entwickelte sich aber die hauseigene Investmentbank, hier brachen die Erträge stärker ein als von Experten erwartet.

Trotz der Gewinnsteigerung im vierten Quartal verdiente J.P. Morgan im Gesamtjahr mit 37,7 Milliarden Dollar rund 22 Prozent weniger als 2021. Damals hatte die Bank Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle von fast neun Milliarden Dollar aufgelöst, was dem Gewinn zugutekam. Im Jahr 2022 legte sie hingegen 6,4 Milliarden Dollar für solche Zwecke zurück. Die Aktie  fiel vorbörslich um mehr als 1 Prozent.

Bank of America ebenfalls mit mehr Gewinn

Auch die Bank of America hat dank höherer Zinseinkünfte und eines florierenden Handelsgeschäfts zum Jahresende mehr Gewinn gemacht. Unter dem Strich verdiente das zweitgrößte US-Geldhaus im Schlussquartal nach eigenen Angaben vom Freitag 7,1 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) – rund 2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Erträge stiegen um 11 Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar.

Der Bank of America kam der rege Betrieb an den Finanzmärkten zugute. Dort ließen aufgrund von Inflations- und Rezessionsängsten viele Anleger ihre Portfolios umschichten, was das Handelsgeschäft mit Wertpapieren beflügelte. Außerdem profitierte das Geldhaus aufgrund der strafferen US-Geldpolitik von stark gestiegenen Zinsen, die es bei der Kreditvergabe einstreicht. Die Aktie  gab vorbörslich mehr als ein Prozent nach.

Citigroup und Wells Fargo verbuchen Gewinneinbruch

Auch die Rivalen Citigroup und Wells Fargo legten ihre Zahlen für das vierte Quartal am Freitag vor. Citigroup hat im Schlussquartal trotz eines starken Handelsgeschäfts deutlich weniger verdient. In den drei Monaten bis Ende Dezember fiel der Nettogewinn im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Mrd. Euro), wie das Geldhaus am Freitag in New York bekannt gab. Grund war vor allem eine höhere Risikovorsorge für den Fall eines dauerhaften wirtschaftlichen Abschwungs und höhere Kreditausfälle.

Im Tagesgeschäft legten die Einnahmen hingegen deutlich zu. Citi erhöhte die Erträge insgesamt um 6 Prozent auf 18,0 Milliarden Dollar. Besonders die Handelssparte florierte, da viele Anleger aufgrund von Inflations- und Rezessionsrisiken ihre Investments anpassten. Außerdem verbuchte Citi aufgrund der strafferen US-Geldpolitik höhere Zinseinnahmen. Dennoch fiel die Aktie  vorbörslich um mehr als 3 Prozent.

Einen Gewinnrückgang meldete ebenfalls Wells Fargo für das vierte Quartal. Der viertgrößte US-Kreditgeber zahlte aufsichtsrechtliche Strafen und baute wie seine Rivalen Rückstellungen auf, um sich auf Kreditausfälle angesichts der schwächeren Konjunktur vorzubereiten. Entsprechend brach der Gewinn um 50 Prozent ein auf 2,9 Milliarden Dollar nach 5,6 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Aktie von Wells Fargo gab vorbörslich mehr als 3 Prozent nach.

Die Gewinne der großen Banken werden als wichtiger Test für die Stärke der amerikanischen Unternehmen vor dem Hintergrund scharfer Zinserhöhungen der Federal Reserve angesehen.

Verlustreiches Jahr für Goldman Sachs

Goldman Sachs und Morgan Stanley wollen kommende Woche ihre Geschäftsberichte präsentieren. Bei Goldman Sachs zeichnet sich aber bereits ein verlustreiches Jahr ab. Die US-Investmentbank hat mit ihren Gehversuchen auf dem Privatkundenmarkt bereits eine Milliardensumme verbrannt. Allein die Sammlung von Geschäftsbereichen, die kürzlich in der Sparte Plattform Solutions zusammengefasst wurden, kam in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auf einen Vorsteuerverlust von 1,2 Milliarden US-Dollar (1,1 Mrd Euro), wie die Bank am Freitag in einem Bericht an die Aufsichtsbehörden veröffentlichte. Von Anfang 2020 bis Ende September 2022 summierte sich der Verlust vor Steuern des neuen Segments sogar auf bis zu 3 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Zahlen des vierten Quartals wird sich der kumulierte Verlust der drei Jahre laut Insidern auf etwa vier Milliarden Dollar belaufen. Auf 2022 entfielen zwei Milliarden Dollar, vor allem wegen Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle, berichtete die Agentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

mg, dri/dpa-afx, Reuters, afp

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