US-Investmentbank Goldman Sachs will bis zu 4000 Stellen streichen

Goldman-Sachs-Chef David Solomon hat schlechte Nachrichten für die Edelbanker. Bis zu 4000 von ihnen sollen die US-Bank verlassen – und das schon im Januar. Die Investmentbank erwartet verschärfte Bedingungen für ihr Geschäft.
Jobabbau gleich im Januar: Goldman-Sachs-Chef David Solomon

Jobabbau gleich im Januar: Goldman-Sachs-Chef David Solomon

Foto: Lucy Nicholson / REUTERS

In Botschaften zum Jahresende schauen jene, die sie verbreiten, oft nach vorn. Auch ist diesen Ansprachen meist zu eigen, dass sie Mut machen und positiv gestimmt nach vorn blicken. Anders verhält es sich dieses Jahr bei Goldman Sachs. Konzernchef David Solomon (60) bereitet die Edelbanker vielmehr auf Stellenstreichen zu Beginn des neuen Jahres vor. Bis zu 4000 der zuletzt 49.000 Jobs könnten wegfallen, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg  unter Berufung auf Insider. Das wären rund 8 Prozent der Belegschaft.

Solomon nannte in seiner traditionellen Botschaft an die Belegschaft zum Jahresende zwar noch keine konkrete Zahl. Doch stellte er klar, dass die Bank Personal abbauen wird. Man prüfe sorgfältig und diskutiere noch das Ausmaß des Stellenabbaus, aber die Bank gehe davon aus, dass der "Personalabbau in der ersten Januarhälfte stattfinden wird". Goldman Sachs erwarte eine schwächere Wirtschaft und straffere monetäre Bedingungen im kommenden Jahr. "Unser Führungsteam konzentriert sich darauf, das Unternehmen darauf vorzubereiten, diesen Gegenwind zu überstehen", begründete Solomon.

Um die Kosten zu senken und den erwarteten Gewinn- und Umsatzeinbruch abzufedern, könnten nach Informationen von Bloomberg bis zu 8 Prozent der Stellen wegfallen. Solomon habe das Top-Management aufgefordert, Vorschläge zur Kostensenkung zu unterbreiten.

Hire and Fire: Goldman Sachs hatte zuvor viele neue Mitarbeiter eingestellt

Die nun anstehenden Stellenstreichungen sind signifikant. Allerdings hatte Goldman Sachs sein Personal in den vergangenen drei Jahren auch kräftig aufgestockt, um mit dem M&A-Boom Schritt halten zu können. Ende 2019 zählte die US-Investmentbank noch 38.000 Beschäftigte .

Für gewöhnlich trennt sich die US-Bank zum Jahresende auch von Kolleginnen und Kollegen, die aus Sicht des Managements nicht die erwartete Leistung erbracht haben. Während der Pandemie hatte Goldman Sachs diese Praxis auf Eis gelegt und scheint nun wieder zu diesem Procedere zurückzukehren. Bereits im Sommer warnte Solomon, dass die Bank nicht nur weniger Personal einstellen, sondern sich auch von leistungsschwachen Mitarbeitern trennen werde.

Starke Erlöse, aber erhebliche Kosten

Analysten schätzen, dass Goldman Sachs im laufenden Jahre Erlöse von bis zu 48 Milliarden Dollar erzielen könnte, was hinter dem Rekordumsatz des Vorjahres das zweitbeste Ergebnis wäre. Allerdings haben ein teurer Vorstoß in das Privatkundengeschäft und der anschließende Rückzug sowie Ausgaben für Technologie und die Integration von Geschäftsbereichen in diesem Jahr die Kosten deutlich steigen lassen.

So erwartet Goldman Sachs laut früheren Berichten nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal, dass die Online-Bank "Marcus" im laufenden Jahr ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar einfährt. Damit würden sich die Anlaufverluste der 2016 gegründeten Digitalbank auf rund vier Milliarden Dollar summieren. In der Konsequenz sollen nun "Marcus" und das Privatkundengeschäft in der Vermögensverwaltungssparte aufgehen – ein Rückschlag für Solomon, der große Hoffnung in das Geschäftsfeld gesetzt hatte. Im Zuge der geplanten Umstrukturierung soll auch das Investmentbanking mit dem Handel zusammengelegt werden, hieß es Ende Oktober.

rei
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