Drastischer Gewinneinbruch Goldman Sachs scheitert mit Privatkundenstrategie

Wie zuvor Citibank und Wells Fargo muss auch Goldman Sachs im vierten Quartal einen heftigen Gewinnrückgang verbuchen. Der Ausflug ins Privatkundengeschäft wird für Konzernchef David Solomon teuer. Konkurrent Morgan Stanley übertrifft dagegen die Erwartungen.
Goldman-Sachs-Chef David Solomon: "Strategische Neuausrichtung zur Stärkung des Kerngeschäfts"

Goldman-Sachs-Chef David Solomon: "Strategische Neuausrichtung zur Stärkung des Kerngeschäfts"

Foto: Lucy Nicholson / REUTERS

Mit den Geschäftsberichten der vier US-Großbanken J.P. Morgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo startete in der vergangenen Woche traditionell die Berichtssaison in den USA. Nun folgen zwei weitere Institute, die ähnlich wie ihre vier Vorgänger ein gemischtes Bild abliefern. Die Banken profitieren zwar einerseits von den höheren Zinsen, andererseits belasten das Investmentgeschäft und die Rückstellungen für die schwächelnde Konjunktur die Bilanzen. Damit kommen die Banken unterschiedlich gut zurecht.

Das fünftgrößte Kreditinstitut der USA, Goldman Sachs, vermeldet wie zuvor die Citigroup und Wells Fargo einen heftigen Gewinneinbruch. Die Großbank mit ihrem Kerngeschäft im Investmentbanking gab am Dienstag für den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2022 einen Nettogewinn von 1,19 Milliarden US-Dollar (1,10 Milliarden Euro) bekannt, ein Minus von 69 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit einem deutlich höheren Nettogewinn von 2,16 Milliarden Dollar gerechnet. Die Aktie  fiel zuletzt um rund 2 Prozent.

Goldman Sachs litt im vierten Quartal unter den geringeren Einnahmen in der Vermögensverwaltung und einer Flaute im Investmentbanking, zu dem die Betreuung von Firmen bei Börsengängen sowie Übernahmen und Fusionen zählen. Auch eine höhere Risikovorsorge für Kredite, die bei einer Wirtschaftskrise platzen könnten, drückten die Bilanz.

Ein Lichtblick war dagegen das Handelsgeschäft mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen. Hier gab es deutliche Zuwächse, da viele Anleger angesichts von Inflations- und Rezessionsrisiken ihre Portfolios anpassten. Insgesamt gingen die konzernweiten Erträge im Schlussviertel aber um 16 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar zurück.

Milliardenschwere Verluste in der neuen Privatkundensparte

Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr 2022 brach der Nettogewinn um 48 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar ein. Die Erträge gaben um 20 Prozent auf 47,4 Milliarden Dollar nach. Vorstandschef David Solomon (61) sprach bei der Präsentation der Ergebnisse von einem "herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld". Goldman Sachs wolle sich jetzt auf eine strategische Neuausrichtung zur Stärkung des Kerngeschäfts konzentrieren. Laut US-Medienberichten sollen im Rahmen eines Sparplans rund 3200 Stellen gestrichen werden. Das Unternehmen hat diese Zahl bislang jedoch nicht offiziell bestätigt.

Bereits am Freitag hatte Goldman Sachs in einer Pflichtmitteilung milliardenschwere Verluste in seiner neuen Privatkundensparte "Platform Solutions" offengelegt. Der Versuch des traditionell auf reiche Kunden spezialisierten Wall-Street-Hauses, mit Sparkonten und einer zusammen mit dem iPhone-Hersteller Apple herausgebrachten Kreditkarte im Massenmarkt anzugreifen, war in den vergangenen Jahren nicht wie erhofft verlaufen. Nach diesem Ausflug will sich Goldman Sachs nun offenbar wieder stärker auf seine Wurzeln als exklusive Bank für wohlhabende Klienten zurückbesinnen.

Morgan Stanley übertrifft trotz Gewinnrückgang Erwartungen

Auch die US-Großbank Morgan Stanley hat zum Jahresende einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Überschuss brach im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent auf 2,11 Milliarden Dollar ein, wie Morgan Stanley am Dienstag in New York mitteilte. Insgesamt gingen die Erträge um 12 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar zurück.

Das Unternehmen litt ebenfalls unter der Flaute im Investmentbanking – aufgrund des schwierigen Marktumfelds blieben Börsengänge, Fusionen und Übernahmen rar. Allerdings verbuchte Morgan Stanley starke Zuwächse in der Handelssparte: Viele Anleger ließen angesichts von Inflations- und Rezessionsrisiken ihre Portfolios umstellen. Insgesamt fielen die Quartalszahlen somit besser aus als erwartet. Die Aktie  legte zuletzt um rund 4 Prozent zu. "Wir haben im vierten Quartal in einem schwierigen Marktumfeld solide Ergebnisse erzielt", erklärte Firmenchef James Gorman (64).

mg/dpa-afx, Reuters
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