Montag, 16. Dezember 2019

Teure Altlasten Deutsche Bank mit Milliardenminus - Aktie bricht ein

Deutsche-Bank-Zentrale: Die Geschäfte bei Europas größtem Geldinstitut liefen schlecht im Schlussquartal

2. Teil: Altlasten-Bewältigung erst auf halbem Weg

Allein die Bewältigung der juristischen Nachwehen der Finanzkrise schlug 2013 mit 2,45 Milliarden Euro zu Buche. Im Dezember wurden allein 1,4 Milliarden Euro für die Beilegung eines Streits um fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA mit der US-Behörde FHFA fällig, dazu verhängte die EU-Kommission 725 Millionen Euro Buße für Absprachen über Referenzsätze wie den Libor. Dafür hatte die Bank zwar nach eigenen Angaben schon genügend Geld zurückgelegt. Trotzdem wurden im vierten Quartal erneut eine halbe Milliarde Euro Rückstellungen fällig. Denn die Verhandlungen über weitere Libor-Bußen in den USA und in Großbritannien stehen erst noch bevor. 2,3 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank dafür und für weitere juristische Scharmützel wie den Streit mit den Kirch-Erben nun noch reserviert, vor den beiden Vergleichen waren es 4,1 Milliarden Euro gewesen.

Auch im Kerngeschäft lief es zum Jahresende alles andere als rund: Das wichtige Geschäft mit Anleihen und mit anderen festverzinslichen Wertpapieren sowie mit Devisen brach im vierten Quartal um 31 Prozent ein, stärker als bei den meisten Branchengrößen in den USA. Im Investmentbanking sanken die Erträge um insgesamt 27 Prozent. Deshalb und wegen der Kosten des Libor-Skandals verdiente die Deutsche Bank in der Sparte 95 Millionen Euro - gerade noch soviel wie im Zahlungsverkehr. Der größte Gewinnbringer in den letzten drei Monaten des Jahres war das Privatkundengeschäft, obwohl eine steigende Risikovorsorge im Auslandsgeschäft auch hier den Gewinn um ein Viertel auf 219 Millionen Euro drückte.

Risiko der internen Bad Bank bald halbiert

Eine weitere halbe Milliarde Euro verschlang im vierten Quartal das Kostensenkungs- und Investitionsprogramm. Am stärksten nach unten zog die Deutsche Bank aber der Abbau der Risiken in der internen "Bad Bank", die 2013 schon fast um die Hälfte auf eine Bilanzsumme von 53 Milliarden Euro geschrumpft ist. Bei ihr standen allein im Quartal 1,1 Milliarden Euro Verlust zu Buche, im Gesamtjahr waren es 3,2 Milliarden Euro.

Finanzvorstand Stefan Krause hatte Analysten hier schon im Herbst auf zusätzliche Belastungen eingestimmt. "Wir pflücken zunächst die niedrig hängenden Früchte", hatte er gesagt. Im vierten Quartal musste sich die Deutsche Bank bei der Ernte deutlich mehr mühen, wie die Zahlen zeigen. Der Hypotheken-Vergleich in den USA fällt in diese Sparte. Auf die BHF-Bank, deren Verkauf an den Finanzinvestor RHJ International immer noch eine Hängepartie ist, schrieb die Deutsche Bank fast 200 Millionen Euro zusätzlich ab. Sie hatte beim Verkaufspreis im Herbst noch einmal nachgegeben.

ts/rtr

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