Samstag, 7. Dezember 2019

Wiederwahl als DSGV-Präsident Kabale um Sparkassenpräsident Fahrenschon

Erklärungsbedarf zur Unzeit: Georg Fahrenschon, DSGV-Präsident und Ex-CSU-Hoffnung.

Die für den morgigen Mittwoch angesetzte Wiederwahl von Georg Fahrenschon als Präsident des Sparkassen-Dachverbands DSGV wird nach Informationen von manager-magazin.de höchstwahrscheinlich verschoben. Thomas Mang, der Chef des niedersächsischen Sparkassenverbands, werde auf der Sitzung des Präsidialausschusses an diesem Dienstagabend die Verschiebung beantragen, erfuhr manager-magazin.de aus Finanzkreisen.

Hintergrund ist, dass dieStaatsanwaltschaft München Strafbefehl gegen Fahrenschon wegen Steuerhinterziehung erlassen hat. Bayerns Ex-Finanzminister hat in den Jahren 2012 bis 2014 Steuererklärungen zu spät abgegeben. Fahrenschon bedauerte seinen Fehler und erklärte, alle Steuern und Säumniszuschläge nachgezahlt zu haben. Da es sich aber um keine vorsätzliche Straftat handele, werde er den Strafbefehl nicht akzeptieren, so Fahrenschon in einer Stellungnahme.

Wann die Wiederwahl von Fahrenschon, der seit 2012 DSGV-Chef ist, stattfinden soll, blieb zunächst unklar. Geplant war, dass der 49-Jährige am morgigen Mittwoch im Anschluss an eine Vorstandssitzung vom Mitgliederverband erneut gewählt wird. Der Posten des DSGV-Chefs ist bedeutsam, weil die Sparkassen nach ihrer Bilanzsumme die größte Bankengruppe der Welt und politisch einflussreich sind. Zugleich ist der DSGV-Präsident aber stets abhängig vom Wohlwollen der regionalen Verbandsfürsten.

Mysteriös bleibt, weshalb nur einen Tag vor Fahrenschons Wiederwahl dessen Steuervergehen ans Licht kommt. Aus dem Umfeld der Causa heißt es, die Spur führe nach München, in seine alte Heimat. Dort herrscht Unruhe, seit die regierende CSU bei den Bundestagswahlen im September überraschend schlecht abgeschnitten hat. Hinter den Kulissen wird beinhart um die Nachfolge von Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer gerungen. Gute Chancen hat Finanzminister Markus Söder, seit langem Seehofers Intimfeind.

Fahrenschon, der selbst eine zweite Amtszeit als DSGV-Präsident bevorzugt, wird in München eine Außenseiterchance eingeräumt: Seehofer könnte ihn als Joker ziehen, um Söder zu verhindern. Das dürfte sich mit dem Durchstechen des Strafbefehls, von dem vor allem Söder profitiert, nunmehr erledigt haben.

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