Montag, 22. Juli 2019

Niedrige Zinsen und ihre Folgen Weg von der Bank, rein in den Tresor

Kontrahenten Draghi (l.) und Weber: Der Sparer ist der Dumme

2. Teil: So werden Sparer schleichend enteignet

Kein Wunder also, dass zumindest hierzulande der Großteil privater Ersparnisse auf festverzinsten Bankkonten landet. Genauer gesagt: Auf kaum noch verzinsten.

Einer Aufstellung der Bundesbank zufolge hielten private Haushalte in Deutschland Ende des ersten Quartals rund 5,3 Billionen Euro an Ersparnissen. Nicht weniger als rund 40 Prozent davon befanden sich in der Obhut der Geldhäuser. Aktien und Investmentfonds liegen mit knapp 20 Prozent Anteil weit abgeschlagen lediglich auf dem zweiten Platz.

Die Krux: Wer sich in diesem Muster wiederfindet, muss aufpassen, dass er nicht unterm Strich Verluste macht, ohne dass er es auf den ersten Blick erkennen kann. Denn wenn der Bankzins niedriger ist als die Inflation - was mitunter durchaus vorkommt -, dann schwindet der reale Wert des Geldes im Laufe der Zeit, obwohl sich das Ersparte nominal vermehrt. Die Folge eines solchen sogenannten negativen Realzinses ist also eine schleichende Enteignung der Bankkunden, während gleichzeitig Banker und Großinvestoren an den Finanzmärkten mit billigem Geld kräftig zocken können.

Immer neue Blüten treibt der Niedrigzins im Privatkundenbereich der Banken und Sparkassen. Mit der Raiffeisenbank Gmünd am Tegernsee bestätigte erst kürzlich ein weiteres Institut, künftig ab bestimmten Anlagebeträgen Negativzinsen von Privatleuten zu verlangen. Sprich: Die Anleger müssen dafür bezahlen, dass sie ihr Geld der Bank anvertrauen. Zuvor hatte bereits die Skatbank im thüringischen Altenburg mit einem solchen Schritt auf sich aufmerksam gemacht.

Weitere Geldhäuser dürften folgen, wobei die unangenehme Botschaft mal mehr und mal weniger geschickt verpackt wird. Der Negativzins der Raiffeisenbank Gmünd etwa heißt im hauseigenen Sprachgebrauch der Bank keineswegs "Negativzins", sondern "Verwahr-Entgelt".

Ähnliches hat die ebenfalls genossenschaftliche Alternativ-Bank GLS in Planung. Die Bank will von ihren Kunden einen "Solidarbeitrag" erheben - vermutlich hoffen die GLS-Vorstände, der eine oder andere Kontoinhaber könnte aus Mitleid mit der Bank noch ein paar Euro zusätzlich als Spende überweisen.

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