Dienstag, 22. Oktober 2019

Gekürzte Boni wegen Elternzeit Diskriminierungsvorwürfe gegen die UBS

Ein Logo der UBS in Zürich

Diskriminiert die Schweizer Großbank UBS ihre Mitarbeiterinnen? Anlässlich ihrer Elternzeit soll die Bank Müttern langfristig die Boni gekürzt haben. Das berichtet die "Financial Times" (FT).

Demnach würden Mütter bei der UBS in der Schweiz nach ihrer Rückkehr ins Berufsleben häufig schlechter bezahlt als vor ihrer Elternzeit. In mehreren Fällen sei das Gehaltsniveau drei Jahre nach der Elternzeit noch nicht wiederhergestellt. Die Boni werden laut Bericht zum Teil bis zu 30 Prozent gekürzt.

Intern soll es bereits einige Beschwerden über die Praxis gegeben haben. Einer Mitarbeiterin soll daraufhin erklärt worden sein, es sei eine "Lifestyle-Entscheidung", eine berufstätige Mutter zu sein. Einer weiteren unzufriedenen Mitarbeiterin sei gesagt worden, sie solle sich auf ihr Baby konzentrieren. "Grundsätzlich wird man nach einer Schwangerschaft in seiner Karriere nie wieder zu männlichen Kollegen aufschließen können", so eine Angestellte anonym zur "FT".

Nach außen hin bewerben die Bank und ihr CEO Sergio Ermotti (58) eine inklusive Unternehmenskultur, zuletzt via Twitter am Weltfrauentag. Zu den Vorwürfen heißt es von der UBS auf Nachfrage, man gehe das Thema Elternzeit beim Vergütungsprozess "proaktiv und systematisch" an. So wolle man feststellen, ob es Unterschiede gebe und sie schließen. "Es ist uns extrem wichtig, dass Mitarbeitende in vergleichbaren Rollen mit vergleichbarer Leistung und Erfahrung gleich und fair entlohnt werden."


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Ein UBS-Sprecher sagte der "FT" außerdem, die Kommentare der zitierten Manager zur Mutterschaft seien "archaisch" und hätten in der Kultur von UBS keinen Platz.

Die Bank bietet Schweizer Mitarbeiterinnen sechs Monate lang Mutterschaftsurlaub bei voller Bezahlung, was über die gesetzlich festgelegten 14 Wochen hinausgeht. Väter erhalten zwei Wochen bezahlten Urlaub und auf Wunsch weitere vier Wochen unbezahlt frei. Ihre Boni werden laut "FT" nicht reduziert.

Einige UBS-Banker nehmen laut Bericht außerdem jedes Jahr Urlaub, um ihren in der Schweiz verpflichtenden Militärdienst zu leisten. Nach Angaben von Mitarbeitern werden die Boni der Männer dafür nicht gekürzt.

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