Montag, 18. November 2019

Gehaltslücke in US-Großbanken schrumpft Wall-Street-Chefs kassieren nur noch 124-mal so viel wie ihre Angestellten

JPMorgan-Chef Jamie Dimon: 20 Millionen Dollar Jahresgehalt - aber die richtig fetten Jahre sind vorbei

Diese Summe könnte selbst bei Deutschbankern noch Neid wecken. Durchschnittlich 148.740 Dollar verdienten die Beschäftigten der fünf größten Wall-Street-Banken im vergangenen Jahr. Für die Banker ist die Krise nach einem spürbaren Gehaltsplus in den Vorjahren nun endgültig abgehakt.

Für die Chefs der großen Banken gilt das jedoch nicht, wie das "Wall Street Journal" berichtet (€).

Mitleid wird diese Nachricht zwar auch nicht unbedingt auslösen, aber die vom "Journal" gesammelten Daten zeigen eindeutig, dass die ganz fetten Jahre in den Chefetagen noch weit entfernt sind.

Zusammen brachten es Jamie Dimon (JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen), Lloyd Blankfein (Goldman Sachs), James Gorman (Morgan Stanley), Michael Corbat (Citigroup) und Brian Moynihan (Bank of America) 2014 auf eine Vergütung von 90,5 Millionen Dollar.

Die Investmentbanker heben sich weiterhin ab, aber nicht mehr so stark

Alle fünf verdienten deutlich weniger als in den Boomjahren der Vorkrisenzeit 2006 und 2007 (mit Ausnahme der Langzeitchefs Dimon und Blankfein bezieht sich dieser Vergleich auf die jeweiligen Vorgänger oder Vorvorgänger).

Und alle fünf haben ihren Abstand zum Durchschnitt erheblich verringert. Statt 273-mal so viel wie das konzernweite Pro-Kopf-Einkommen, streichen sie nur noch das 124-Fache ein - wohlgemerkt schließt dieser Durchschnitt neben den Massen an Beschäftigten in Filialen und Backoffice auch die Konzernchefs selbst und Topmanager der zweiten und dritten Reihe, die mitunter noch höhere Schecks beziehen, ein.

Die Daten zeigen, dass die Bezüge der Chefs stark mit den Ergebnissen der Banken schwanken. In allen fünf Instituten musste der Vorstandsvorsitzende mindestens ein Jahr lang, in manchen Fällen auch dreimal in Folge, ganz auf seinen Bonus verzichten.

Im Gehaltsniveau klafft bei aller Angleichung weiterhin ein Unterschied zwischen den reinen Investmentbanken (Goldman Sachs, Morgan Stanley) und den Universalbanken mit starkem Privat- und Firmenkundengeschäft.

Blankfein ist mit 24 Millionen Dollar zwar immer noch der absolute Topverdiener. Er hat jedoch persönlich das stärkste Einkommensminus zu verbuchen, und kommt mit dem Faktor 64 gegenüber den sehr gut verdienenden Goldman-Kollegen fast schon in eine Dimension mit den Normalverdienern - wenn auch weit entfernt von der Obergrenze 1:12, die eine Volksinitiative in der Schweiz 2013 forderte.

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