Gefeuerte Beschäftigte verklagen Wells Fargo Diese Sammelklage sollte sich VW genau anschauen

Wells-Fargo-Chef John Stumpf: Wurden Whistleblower bei der Skandalbank systematisch gefeuert?

Wells-Fargo-Chef John Stumpf: Wurden Whistleblower bei der Skandalbank systematisch gefeuert?

Foto: Getty Images

Es gibt wohl keinen Banken-Chef, der Wells Fargo-Chef John Stumpf aktuell in der Zahl an Rücktrittsforderungen toppen würde. Von der demokratischen Senatorin Elisabeth Warren über diverse US-Medien wurden in den vergangenen Wochen fast täglich Forderungen nach einem Rückzug Stumpfs laut.

Dessen Mitarbeiter hatten jahrelang - offenbar auf Druck von oben - Kunden zu kostspieligen Finanzprodukten überredet. Und sie hatten - meist ohne Wissen der Kunden - insgesamt rund zwei Millionen unnötige Konten eingerichtet , um den Umsatz des Institutes - und damit Stumpfs Verdienst - in die Höhe zu treiben.

Die Geschichte flog auf. Mehr als 5300 Beschäftigte verloren wegen des Betrugs ihren Job. Die Bank muss ihren Kunden 2,6 Milliarden Dollar an zu Unrecht eingezogenen Gebühren zurückerstatten. Und Stumpf ist weiter im Amt.

Doch es könnte sein, dass der Bank-Topmanager nun doch nicht so günstig aus der Sache rauskommt, wie der Vergleich mit den US-Behörden in Höhe von 185 Millionen Dollar Glauben macht.

Denn nun droht Stumpf eine Sammelklage  von einer Seite, die der Bank-Chef wahrscheinlich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Nämlich von denjenigen Beschäftigten, die im Laufe des sich über mehrere Jahre hinziehenden Skandals gefeuert wurden, weil sie die umstrittenen Geschäftspraktiken nicht mittragen wollten.

Gefeuerte Whistleblower melden sich

In amerikanischen Medien haben sich bereits reihenweise Beschäftigte gemeldet , die gekündigt wurden - einige teils nur wenige Tage nachdem sie nach eigenen Angaben die Ethik-Hotline der Bank auf den Missstand hingewiesen hatten. 

Zwei der Beschäftigten haben nun in Kalifornieneine Sammelklage gegen die Bank eingereicht,  in der sie Schadenersatz in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar fordern.

Darin werfen sie nicht nur CEO Stumpf vor, über die illegalen Praktiken informiert gewesen zu sein und den Betrug sogar orchestriert zu haben. Sie behaupten zudem, dass Beschäftgte, die sich nicht an der illegalen Praxis beteiligen wollten, routinemäßig entlassen worden seien, um an ihnen ein Exempel mit abschreckender Wirkung zu statuieren.

Ob die Klage vom 22 September zugelassen wird, ist noch unklar. Ebenso offen ist, wie viele Beschäftigte tatsächlich nachweisen können, dass ihr Widerstand gegen die Betrugstaktik der Grund für ihre Entlassung war.

Selbst wenn Stumpf im Zuge des Skandals als CEO noch fallen sollte, dürfte er weich fallen, wie CNN Money  kürzlich ausgerechnet hat. Dem Wirtschaftsportal zufolge dürfte Stumpf bei seinem Ausscheiden aus der Bank ein finanzielles Ruhekissen im Wert von rund 200 Millionen Dollar mitnehmen .

Der Autobauer Volkswagen dürfte ein mögliches Verfahren im Falle Wells Fargo aufmerksam verfolgen. Schließlich sieht auch er sich im Zuge des Dieselskandals Vorwürfen ausgesetzt, einen Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Whistleblowing  entlassen zu haben.

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