Dienstag, 20. August 2019

Rückblick und Ausblick Die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche

Ur-Fintech Wirecard: Mehr wert als die Deutsche Bank

2018 war das Jahr, in dem die deutsche Fintech-Branche - ja, was eigentlich?... - ihre erste große Entzauberung (Kreditech) erlebt hat? Ja, das auch. Vor allem aber war 2018 das Jahr, in dem die deutsche Fintech-Branche endlich durchgestartet ist.

Bestes Indiz: Bei Finanzierungsrunden ging es plötzlich nicht mehr um 10, 20 oder bestenfalls 30 Millionen Euro. Sondern um mehr als 50 Million Euro (Deposit Solutions, Solarisbank) und in einem Fall sogar um mehr als 100 Million Euro (N26).

Die Folgen der Explosion sind an allen Ecken und Enden zu bestaunen: Das Ur-Fintech Wirecard ist jetzt mehr wert als die Deutsche Bank; N26 hat schon halb so viele Kunden wie die DKB; und immer mehr Finanz-Start-ups produzieren nicht mehr nur Fantasien, sondern echte Erträge. Was es sonst noch zu sagen gibt zum Fintech-Jahr 2018? Eine ganze Menge! Lesen Sie hier: Das waren die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche in diesem Jahr.

1.) Die deutschen Ur-Fintechs sind jetzt ähnlich viel wert wie die großen deutschen Banken

Okay, dass Wirecard an der Börse längst höher bewertet wird als die Deutsche Bank und die Commerzbank - das hat sich herumgesprochen. Interessant ist es allerdings, sich auch mal andere Ur-Fintechs (hier unsere Definition) anzuschauen und deren Bewertungen mit denen gelisteter deutscher Banken zu vergleichen.

Der Berliner Baugeldvermittler Hypoport zum Beispiel, der hinter der B2C-Marke "Dr. Klein" und hinter der B2B-Plattform "Europace" steht, kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 930 Millionen Euro (es waren auch schon mal gut 1,2 Milliarden Euro). Das ist von einer Aareal Bank (rund 1,6 Milliarden Euro) oder einer PBB (knapp 1,2 Milliarden Euro) nicht mehr weit weg.

Bei den übrigen deutschen Ur-Fintechs hat man mangels Börsennotiz zwar keine vergleichbaren Werte. Aber der Münchener Hypoport-Konkurrent Interhyp dürfte, legt man dessen Geschäftszahlen zugrunde, ganz, ganz sicher auch ein Unicorn-Kandidat sein. Von Check 24 ganz zu schweigen, selbst wenn man bei dem Münchener Vergleichsriesen nur den Banken- und den Versicherungsbereich in die Wertung einbrächte.

2.) Die großen (jungen) Fintechs sind jetzt ähnlich viel wert wie die mittelgroßen Banken

Was waren die großen Übernahmen im deutschen Bankensektor in diesem Jahr? Die HSH Nordbank (Kaufpreis: 1 Milliarde Euro), die Dexia Kommunalbank (352 Millionen Euro), die Düsselhyp (162 Millionen Euro) und Ebase (151 Millionen Euro).

Und welche neuen Bewertungen ergaben sich im Zuge der großen Fintech-Finanzierungen in diesem Jahr? N26: rund 610 Millionen Euro. Deposit Solutions: mehr als 400 Millionen Euro. Finleap und Solarisbank: beide weit jenseits der 200 Millionen Euro. Hinzu kam der Exit beim Kredit-Vergleichsportal Finanzcheck (für 285 Millionen Euro an die Scout-Gruppe). Daran zeigt sich, dass viele erst vor wenigen Jahren gegründete Finanz-Startups, was die Bewertungen angeht, schon jetzt an die mittelgroßen Banken heranreichen.

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