Sonntag, 22. September 2019

Rückblick und Ausblick Die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche

Ur-Fintech Wirecard: Mehr wert als die Deutsche Bank

3. Teil: Payment-Fintechs machen inzwischen richtig Umsatz

7.) Einige (insbesondere: Payment-)Fintechs machen inzwischen richtig Umsatz

Während viele nach 2010 gestartete Payment-Fintechs scheitern, generieren einige Mitte bis Ende der Nullerjahre gelaunchte Payment-Fintechs schon erstaunliche Umsätze. Das gilt zum Beispiel für Sofortüberweisung (Umsatzerlöse in 2017: 58 Millionen Euro), aber in ähnlichem Maße auch für Billpay (Provisionserträge in 2017: 25,4 Millionen. Euro) oder auch für Ratepay (Provisionserträge im 9-Monats-Rumpf-Geschäftsjahr 2017: 24,0 Millionen Euro).

Und auch jenseits des Payment-Sektors lassen sich aus den zumindest rudimentär veröffentlichten Zahlen mancher Fintechs allmählich Rückschlüsse auf echte Umsätze ziehen. Ein Beispiel: Beim Einlagen-Vermittler Raisin ("Weltsparen") gehen wir davon aus, dass der vermittelte Tages- und Festgeldbestand irgendwo bei 6 bis 8 Milliarden Euro liegen dürfte. Bei einer Provision von schätzungsweise 0,2% wären das Erlöse von 12 bis 16 Millionen Euro jährlich (und hinzu kommt noch das dieses Jahr gestartete Anlagesegment "Weltinvest").

Das ist noch nicht so wahnsinnig viel. Aber es sind Umsatzdimensionen, bei denen (wir reden hier von Firmen, die mit 100 bis 150 Mitarbeitern auskommen) der Break-Even zumindest in Sichtweite liegen dürfte.

8.) Die B2B-Fintechs (bzw. die Technologie-Dienstleister unter den Fintechs) heben noch nicht wirklich ab

Was fällt auf, wenn Sie auf die Liste der bislang größten Fintech-Fundings im deutschen Markt schauen?

1.) Die meisten ganz großen Runden fanden in 2017 und 2018 statt.

2.) Ausgerechnet das Unternehmen, das gleich drei Riesen-Finanzierungen auf sich vereinte (nämlich Kreditech) droht zu scheitern. Und, jetzt kommt's,

3.) Lässt man den Inkubator Finleap außen vor, dann findet sich nur ein reines B2B-Fintech auf der Liste, nämlich die Solarisbank.

Nun mag man sagen: Klar, dass in dem Ranking kaum B2B-Fintechs (bzw.- Technologiedienstleister-Fintechs) auftauchen, schließlich haben die einen viel geringeren Funding-Bedarf. Indes: Es gäbe ja auch noch andere Indizien, die darauf schließen lassen könnten, dass die B2B-Fintechs da draußen so richtig auf dem Vormarsch sind. Bloß, so wahnsinnig viele von diesen Indizien sind uns 2018 nicht untergekommen.

Es gibt viele Anbieter, die solide unterwegs sind. Aber wenige, bei denen man das Gefühl hat, die gehen ab. Zu diesen Ausnahmen zählen aus unserer Sicht z.B.: Elinvar (guter Leumund, hoher Personalbedarf), Fino (solide Gewinne, steigende Mitarbeiterzahl) oder auch Barzahlen (namhafte Kunden und ebenfalls steigende Mitarbeiterzahl, wenn auch auf niedrigem Niveau).

9.) Kann es sein, dass die Probleme bei Kreditech auch damit zu tun haben, dass platt gesagt der Algorithmus nicht richtig funktioniert?

Wenn ja, so wäre auch das, wenn schon nicht notwendigerweise ein Trend, so doch zumindest eine der wichtigeren Erkenntnisse des Jahres 2018.

10.) Die Asiaten kommen

Einer der beiden Lead-Investoren in der März-Runde von N26? War der China-Riese Tencent. Der Lead-Investor in der November-Runde von Finleap? War der chinesische Großversicherer Ping An. Einer der Lead-Investoren bei der März-Runde der Solarisbank und der November-Runde von Element? War die japanische SBI Group.

Kein Zweifel: Die Asiaten kommen. Und vielleicht wird man in ein paar Jahren feststellen, dass das der nachhaltigste Trend war, den die deutsche Fintech-Branche im Jahr 2018 hervorgebracht hat.

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