Donnerstag, 18. Juli 2019

Rückblick und Ausblick Die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche

Ur-Fintech Wirecard: Mehr wert als die Deutsche Bank

2. Teil: Prädikat: Internationale Klasse

3.) Ein halbes Dutzend deutsche Fintechs bekäme, wären wir der "Kicker", das Prädikat "Internationale Klasse" verliehen

Gibt es ein deutsches "Weltklasse"-Fintech? Vielleicht noch nicht. Aber wären wir der "Kicker", dann würde uns aber mal locker ein halbes Dutzend Finanz-Start-ups einfallen, denen wir das Prädikat "Internationale Klasse" verleihen würden (für die Nicht-"Kicker"-Junkies: Das ist eine Kategorie unter "Weltklasse").

N26 würde in Anbetracht von 2 Millionen Kunden ganz sicher dazugehören. Ebenso das zumindest semi-deutsche Payment-Fintech Sumup, das in diesem Jahr umgerechnet mehr als 200 Millionen Dollar Umsatz macht oder dies zumindest behauptet. Auch ein Fintech wie Raisin ("Weltsparen.de") gehört in Anbetracht von weit mehr als 100.000 Kunden ganz sicher in diese Kategorie, ebenso wie der bereits erwähnte Rivale Deposit Solutions ("Zinspilot", "Savedo").

Und wenn über den Düsseldorfer Marketplace-Lender Auxmoney allein im ersten Halbjahr Kredite in Höhe von 255 Millionen Euro vergeben werden - dann ist das ebenfalls ein Leistungsnachweis, der zumindest in Kontinentaleuropa keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Bevor wir jetzt noch weitere Fälle aufzählen, was sicher kein großes Problem wäre: Erstaunlich viele deutsche Fintechs haben in diesem Jahr den Durchbruch geschafft!

4.) Investoren haben das "Prinzip Gießkanne" durch das "Prinzip Auslese" ersetzt

2018 war allerdings nicht nur das Jahr, in dem mindestens einem halben Dutzend deutschen Finanz-Startups der Ausbruch nach oben gelang - es war auch das Jahr, in dem viele 0-8-15-Fintechs offenbar Schwierigkeiten hatten, frisches VC-Geld aufzutreiben. Oder anders gesagt: Die Investoren haben das "Prinzip Gießkanne" durch das "Prinzip Auslese" ersetzt.

In vielen Segmenten konzentrieren sich die Fundings darum mittlerweile auf nur noch ein, zwei führende Player. Exemplarisch hierfür: die digitale Vermögensverwaltung. Während nach Scalable Capital (schon 2017) in diesem Jahr auch Liqid eine fette Finanzierung erhielt, hört man von vielen anderen deutschen Robos in Sachen Funding gar nichts mehr. Womit wir zu Punkt 5 überleiten …

5.) Das Fintech-Sterben könnte begonnen haben

Fintura (verschwunden), Cringle (insolvent), Moneymap (wegfusioniert), Lendstar (insolvent), Getsafe (an Verivox abgetreten), Outbank (von Verivox gerettet), Cashlink (irgendwie wegpivotiert), Lendico (an die ING Diba verhökert), Werthstein (zieht sich vom deutschen Markt zurück) und so weiter und so fort … Das große Fintech-Sterben hat vielleicht noch nicht zwingen begonnen. Aber 2018 gab es genügend Indizien, dass es so langsam beginnen dürfte.

6.) Die Gafas attackieren nicht nur die Banken - sondern erschweren auch für die Fintechs die Dinge

Insbesondere das Aus für die drei P2P-Payment-Anbieter Cringle, Lendstar und Cashlink (die u.a. an der Übermacht von Paypal scheiterten) zeigt: Die großen amerikanischen Tech-Konzerne nehmen nicht nur den Banken Geschäft weg, sondern sie könnten auch zu einem Konkurrenten für manches Fintech werden. Ein spannender Case für 2019: Hat ein Startup wie Bluecode trotz Apple Pay und Google Pay eine Chance?

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