Ex-Lehman-Chef Fuld "Meine Mutter liebt mich noch"

Physiognomie eines Gorillas? Ex-Lehman-Chef Fuld kämpft gegen die Vergangenheit

Physiognomie eines Gorillas? Ex-Lehman-Chef Fuld kämpft gegen die Vergangenheit

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Geld verprassen in Florida: Was machen die Lehman Brothers und ihre Kollegen eigentlich heute?

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In New York ist erstmals seit der Finanzkrise wieder Richard "Dick" Fuld öffentlich aufgetreten. Der frühere Chef der insolventen Bank Lehman Brothers war Hauptredner bei einer Finanzkonferenz in Manhattan. In seinem Vortrag ging er auch auf die Pleite seines früheren Instituts ein, eines der Schlüsselereignisse in der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise.

US-Journalisten, die den Auftritt Fulds verfolgten, erlebten offenbar einen nachdenklichen Mann, der nach wie vor mit seinem Schicksal zu kämpfen hat. Gleichzeitig sucht Fuld aber offensichtlich auch einen Großteil der Schuld für das Scheitern seiner Ex-Bank, das letztlich auch sein eigenes war, bei anderen.

Für das Lehman-Desaster, das zur Wirtschaftskrise führte, habe der Ex-Manager, der aufgrund seiner auffallenden Physiognomie den Spitznamen "Gorilla" trägt, eine Reihe von Gründen genannt, schreibt beispielsweise das Magazin "Fortune" . Darunter das Verhalten der US-Regierung, rücksichtslose Kreditnehmer, aggressive Investoren sowie mangelnde Marktregulierung.

Nur ein Akteur fehlt kurioserweise in Fulds Riege der Schuldigen, so "Fortune": Seine eigene Firma Lehman Brothers.

"Lehman war kein insolventes Unternehmen"

Tatsächlich versuchte Fuld dem Bericht zufolge die Schwierigkeiten seines Instituts vielmehr herunterzuspielen. Die Bank habe über ein Vermögen von 28 Milliarden Dollar verfügt sowie 127 Milliarden Dollar an flüssigem Kapital, so Fuld laut "Fortune". "Lehman war kein insolventes Unternehmen", sagte er.

Die Fakten sprechen dagegen eine andere Sprache: Am 15. September 2008 stellte die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers einen Insolvenzantrag. Danach verschärfte sich die weltweite Finanzkrise rasant und ging in die Weltwirtschaftskrise über.

Auch mangelndes Risikomanagement im Vorfeld des Exitus seiner Bank wies Fuld bei seinem Auftritt am Donnerstag von sich. Die Bank habe 27.000 Risikomanager gehabt, sagte er. Damit meinte der Ex-Lehman-Chef jene 27.000 Mitarbeiter des Unternehmens, die gleichzeitig Aktionäre waren. Laut Fuld besaßen die Lehman-Angestellten etwa 30 Prozent der Bank.

Auch an diesem Punkt lohnt ein Blick auf Fakten aus der Zeit der Finanzkrise. Wie Bloomberg berichtet , trennte sich Fuld im Vorfeld der Lehman-Pleite von wichtigen Kritikern im Hause, die auf zunehmende Risiken der Bank hingewiesen hatten. Michael Gelband etwa, Chef der Rentenabteilung, sei 2007 entlassen worden, nachdem er Fuld in Meetings bei Risikothemen entgegengetreten war. Chef-Risikomanagerin Madelyn Antoncic wurde aufs Abstellgleis geschoben, als sie zusätzliche Absicherungen für die Bank gefordert hatte.

Ereignisse, die Fuld inzwischen offenbar ausblendet. Den Medienberichten zufolge zeigte der Auftritt des 69-jährigen aber auch, wie sehr die Vergangenheit ihm noch heute zu schaffen macht. Fuld habe mitunter schwer geatmet und gewirkt, als habe er Schmerzen, als es im Vortrag um die Lehman-Pleite ging, schreibt "Fortune". "Sie haben nicht die Zeit sich all die Dinge anzuhören, die ich heute anders machen würde", sagte er demnach.

Zudem ist sich Fuld, der sich heute als Unternehmensberater versucht, offenbar überaus bewusst, wie sehr die Ereignisse seinem Ansehen geschadet haben. Seit der Lehman-Pleite gilt er weltweit als der Skandalbanker schlechthin. An der Wall Street ist Fuld so etwas wie eine Persona non grata, die von sämtlichen Firmen oder Persönlichkeiten von Rang und Namen gemieden wird. Gleich reihenweise musste er in den vergangenen Jahren Gerichtsverfahren über sich ergehen lassen.

Am Donnerstag habe er aber entschieden, es sei an der Zeit "mein hässliches Haupt zu erheben", wie Fuld einem Bericht von CNN zufolge sagte . Es vergehe kein Tag, an dem er nicht an Lehman Brothers denke, so Fuld. Mit Blick auf die Anfeindungen, denen er sich nach wie vor ausgesetzt sieht, ließ er wissen: "Mein Motto ist: Das war damals, dies ist heute." Und weiter: "Meine Mutter liebt mich noch. Sie ist 96."

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