Freitag, 15. November 2019

Börsengang der Deutsche-Bank-Tochter Aktien der DWS kosten bis 32,50 Euro, Deutsche Bank erlöst weniger als erhofft

DWS Investments: Neuer Name, neue Rechtsform

Die Deutsche Bank kann die Aktien der Tochter DWS beim Börsengang etwa in der Mitte der Preisspanne unterbringen. Die Aktien werden zu einem Preis von je 32,50 Euro ausgegeben, wie die begleitenden Banken am Donnerstag mitteilten. Die Deutsche Bank nimmt mit dem Börsengang ihrer Vermögensverwaltungssparte DWS damit rund 1,4 Milliarden Euro ein.

Inklusive Mehrzuteilungsoption wurden 44,5 Millionen DWS-Aktien zu 32,50 Euro zugeteilt, wie die DWS am Donnerstagabend in Frankfurt mitteilte.

Die Deutsche Bank musste bei dem Börsengang ihrer profitabelsten Sparte Abstriche machen: Ursprünglich hatte sie auf einen Erlös von zwei Milliarden Euro gehofft und wollte sich von 25 Prozent an ihrer profitabelsten Tochter trennen. Nun werden nur 22,25 Prozent an Investoren verkauft - obwohl die Deutsche Bank schon vor Beginn der Zeichnungsfrist mit dem japanischen Lebensversicherer Nippon Life einen Ankerinvestor fand, der im Zuge des Börsengangs mit fünf Prozent bei der DWS einsteigt. Der Erlös der Emission der DWS geht komplett an die Deutsche Bank.

Mit dem japanischen Lebensversicherer Nippon Life und der Investmentfirma Tikehau Capital hatte das Geldhaus bereits zwei Großaktionäre für die DWS gefunden. Doch auch deren Beteiligung fällt kleiner aus als zunächst avisiert. Nippon beteiligt sich mit 5 Prozent, Tikehau mit 3 bis 4 Prozent.

An diesem Freitag soll die Fondstochter DWS in Frankfurt an die Börse gehen. Zuvor war lange damit gerechnet worden, dass die Deutsche Bank 25 Prozent der Vermögensverwaltung, die bis vor kurzem noch Deutsche Asset Management hieß, an dem Markt bringen würde. Doch im ersten Schritt diente sie Investoren nur 40 Millionen DWS-Aktien und damit 20 Prozent der Anteile zum Preis von 30 bis 36 Euro an.

DWS als KGaA: Deutsche Bank sichert ihren Einfluss bei DWS ab

Die Deutsche Bank behält also nicht nur mit weitem Abstand die Aktienmehrheit an einem ihrer stabilsten Gewinnbringer, sondern sichert ihren Einfluss noch zusätzlich ab: Die DWS wird als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) firmieren. Das Besondere an dieser Rechtsform, die zum Beispiel börsennotierte Familienunternehmen wie Henkel Börsen-Chart zeigen nutzen: Wichtige strategische Entscheidungen treffen nicht alle Anteilseigner bei der Hauptversammlung, sondern die persönlich haftenden Gesellschafter - also im Fall der DWS die Deutsche Bank. Vorsitzender des DWS-Aufsichtsrats soll Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr werden.

"Mit einem Stimmenanteil von 75 Prozent hätte die Deutsche Bank bei der DWS auch weiterhin das Sagen", monierte die Aktionärsvereinigung DSW im Vorfeld des Börsengangs. "Umso unverständlicher, dass man sich entschieden hat, das Unternehmen in der aktionärsunfreundlichen Form einer KGaA ... an den Markt zu bringen."

Im Börsenprospekt räumt selbst die Deutsche Bank ein: Der Umstand, "dass Anleger möglicherweise nicht mit der Rechtsform einer KGaA nach deutschem Recht vertraut sind", könne sich "nachteilig auf den Marktpreis der Aktien der Gesellschaft auswirken".

Immerhin macht die Deutsche Bank das Zugeständnis, dass die DWS in eine normale AG umgewandelt wird, wenn der Anteil der Bank unter 40 Prozent sinkt.

DWS lockt mit hoher Ausschüttungsquote

Einige Großinvestoren schreckte die ungewöhnliche Rechtsform nicht ab: Der größte japanische Lebensversicherer Nippon Life wird als Ankerinvestor mit fünf Prozent bei der DWS einsteigen. Und der französische Vermögensverwalter Tikehau Capital will 250 Millionen Euro investieren und könnten sich so - je nach endgültigem Preis - drei bis vier Prozent an der DWS sichern.

Die Deutsche Bank verspricht hohe Dividenden: 65 bis 75 Prozent des Nettogewinns der DWS sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden - eine hohe Quote. Zudem gilt die DWS, die mit 700 Milliarden Euro Anlagen zu den fünf größten Vermögensverwaltern Europas gehört, als heißer Kandidat für einen Aufstieg in den MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Werte.

Für Deutsche-Bank-Sanierer Cryan wäre ein erfolgreicher Börsengang der DWS ein wichtiges Etappenziel. Bei der Hauptversammlung im Mai hätte der Brite nach drei Verlustjahren in Folge einen greifbaren Erfolg vorzuweisen. Zwei andere Baustellen sind aber noch nicht abgearbeitet: Die Eingliederung der Tochter Postbank läuft noch, die Trendwende im schwierigen Kapitalmarktgeschäft lässt auf sich warten. Auch sind nicht alle Rechtsstreitigkeiten aus der Zeit abgearbeitet, in der die Deutsche Bank das große Rad an den internationalen Kapitalmärkten drehte.

la/dpa

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