Chef Wöhrmann muss gehen Deutsche Bank schickt Notarzt zu Fondstochter DWS

Die Deutsche Bank schickt ihren Jungstar Stefan Hoops an die Spitze der angeschlagenen Fondstochter DWS. Alt-Chef Asoka Wöhrmann fällt über Vorwürfe, Anleger mit Öko-Blendwerk getäuscht zu haben.
Verlässt die DWS: CEO Asoka Wöhrmann (li.) wird durch Stefan Hoops (re.) ersetzt

Verlässt die DWS: CEO Asoka Wöhrmann (li.) wird durch Stefan Hoops (re.) ersetzt

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance/dpa/Reuters Images Europe/Pool; Peter Kovalev / picture alliance/dpa/TASS

Nur Stunden nach einer Razzia im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen "Greenwashing" tauscht die Deutsche Bank den Chef ihrer Fondstochter DWS aus. Stefan Hoops (42) werde mit Ablauf des Tages der diesjährigen Hauptversammlung am 9. Juni neuer Vorsitzender der Geschäftsführung, teilte die DWS in einer Pflichtmitteilung in der Nacht zum Mittwoch mit. Die Aktie  gab zuletzt rund sieben Prozent nach auf 31,04 Euro.

Hoops sei von der Gesellschafterversammlung mit Wirkung zum 10. Juni zum Mitglied und Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt worden und scheide damit aus seiner Rolle als Leiter der Unternehmensbank der Deutsche Bank Aktiengesellschaft aus. Er folgt auf Asoka Wöhrmann (56). Wöhrmann habe sein Mandat mit Wirkung zum Ablauf des Tages der diesjährigen Hauptversammlung niedergelegt. Die Deutsche Bank hält 79,49 Prozent an der börsennotierten DWS, als Aufsichtsratschef hat die Deutsche Bank ihren stellvertretenden Vorstandschef Karl von Rohr entsandt.

Seit Monaten wird die DWS von einer "Greenwashing"-Affäre erschüttert. Die ehemalige Nachhaltigkeitsbeauftragte der DWS, Desiree Fixler (50), hatte Vorwürfe gegen die Asset-Management-Tochter erhoben. Es geht in der Affäre, über deren Hintergründe das manager magazin in einer Titelgeschichte im Oktober 2021 ausführlich berichtet  hatte, um möglichen Etikettenschwindel bei den Angaben zu Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten von Investments. Das ESG-Geschäft war eines der stark wachsenden Segmente in der Geldanlage.

Wöhrmann wiederum erklärte nun, die in den vergangenen Monaten erhobenen Vorwürfe seien "eine Belastung für das Unternehmen und auch für meine Familie und mich persönlich geworden". "Um die Institution und auch meine Familie zu schützen, möchte ich daher den Weg für einen personellen Neuanfang frei machen." Er will sein Mandat demnach zum Ablauf der Hauptversammlung am 9. Juni niederlegen.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank und Aufsichtsratsvorsitzende der DWS, Karl von Rohr (57), erklärte, dass Wöhrmann "großen Anteil am Erfolg unserer Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren" hatte. Er habe "großen Respekt" für die Entscheidung, das Amt niederzulegen. Hoops wiederum bringe "die nötige strategische Weitsicht, die Digitalisierungsexpertise und das Führungsgeschick" für dessen Nachfolge mit. Auf Hoops alten Posten an der Spitze der Unternehmensbank rückt der bisher für das Asiengeschäft zuständige Brite David Lynne.

Erst am Dienstag hatten Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht Bafin und des Bundeskriminalamts die Firmenzentralen der Deutschen Bank und der DWS durchsucht. Auch die Razzia stand im Zusammenhang mit "Greenwashing"-Vorwürfen gegen die DWS. Wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs wird gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS ermittelt.

Auch wenn die Vorwürfe gegen die DWS seit Monaten bekannt sind und untersucht werden, traf die Deutsche Bank ihre Entscheidung über den Austausch Wöhrmanns offensichtlich ohne die üblicherweise breit angelegten Vorbereitungsprozesse in Konzernen. So war am Morgen nach der Verkündung noch ein Werbestatement Wöhrmanns auf der Webseite der DWS zu lesen.

lhy/Reuters