Nachfolger für Jens Weidmann Joachim Nagel wird neuer Präsident der Bundesbank

Der frühere Bundesbankvorstand Joachim Nagel löst Jens Weidmann an der Spitze der deutschen Zentralbank ab. Finanzminister Christian Lindner lobte das SPD-Mitglied als "erfahrende Persönlichkeit".
Nach 17 Jahren rückt er an die Spitze: Joachim Nagel saß bereits sechs Jahre im Vorstand der Bundesbank

Nach 17 Jahren rückt er an die Spitze: Joachim Nagel saß bereits sechs Jahre im Vorstand der Bundesbank

Foto: Sepp Spiegl / IMAGO

Der Volkswirt Joachim Nagel soll neuer Präsident der Deutschen Bundesbank werden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD; 63) und Finanzminister Christian Lindner (FDP; 42) schlugen den 55-Jährigen für die Nachfolge von Jens Weidmann (53) vor, wie Lindner am Montag auf Twitter bekannt gab. Die Besetzung muss vom Kabinett noch endgültig beschlossen werden.

Nagel war 17 Jahre lang bei der Bundesbank tätig, davon sechs Jahre im Vorstand. In dieser Position verantwortete das SPD-Mitglied unter anderem die Bereiche "Märkte" und "Informationstechnologie". Im Jahr 2017 wechselte er zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), seit 2020 arbeitet er für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Zentralbank der Zentralbanken gilt. Nagel studierte Volkswirtschaft in seiner Geburtsstadt Karlsruhe und promovierte an der dortigen Universität.

Finanzminister Lindner betonte, angesichts von Inflationsrisiken wachse derzeit die Bedeutung einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Nagel sei "eine erfahrene Persönlichkeit, die die Kontinuität der Bundesbank sichert". Das Kabinett tagt am Mittwoch das letzte Mal vor Weihnachten. Ob die Personalie dann auf der Tagesordnung stehen wird, war zunächst offen.

Weidmann kritisierte expansive Geldpolitik der EZB

Weidmann hatte im Oktober angekündigt, dass er nach mehr als zehn Jahren im Amt zum 31. Dezember aus persönlichen Gründen zurücktritt. Seine zweite achtjährige Amtszeit wäre regulär noch bis Ende April 2027 gelaufen. Der Ökonom hatte im Mai 2011 im Alter von 43 Jahren als jüngster Bundesbank-Chef den Posten in Frankfurt am Main übernommen. Weidmann folgte auf Axel Weber, der im Streit über die Anti-Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hingeworfen hatte.

Auch Weidmann, ehemals Wirtschaftsberater der langjährigen Bundeskanzlerin Angela Merkel (67), äußerte sich immer wieder kritisch zur seit Jahren ultralockeren Geldpolitik der EZB. Vor allem milliardenschwere Anleihenkäufe sah er mit Skepsis und warnte, die Notenbank dürfe die Regierungen nicht vom billigen Zentralbankgeld abhängig machen.

Angesichts der steigenden Teuerung mahnte Weidmann, Europas Währungshüter sollten das Risiko einer zu hohen Inflation nicht ignorieren und nicht zu lange an ihrem sehr expansiven Kurs festhalten. Durchsetzen konnte sich Weidmann mit seiner Haltung oft nicht. Denn im EZB-Rat haben die Anhänger einer eher lockeren Geldpolitik die Mehrheit.

Der Bundesbank-Präsident ist an den Entscheidungen des obersten Entscheidungsgremiums der Zentralbank zwar beteiligt, hat aber wie die Vertreter der anderen 18 Euroländer nur eine Stimme – auch wenn Deutschland Europas größte Volkswirtschaft ist.

mg/Reuters, AFP
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