Systemrelevanz als Kostennachteil Wer schneller schrumpft, gewinnt

Deutsche-Bank-Chef John Cryan: Verkauf der Postbank zu spät, um damit noch zu sparen?

Deutsche-Bank-Chef John Cryan: Verkauf der Postbank zu spät, um damit noch zu sparen?

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Es gibt einen Wettbewerb der globalen Großbanken, in dem die Deutsche Bank keine gute Position hat. So weit nichts Neues für die leidgeprüften Aktionäre und Beschäftigten des Frankfurter Konzerns. Das Besondere: Diesen Wettbewerb gewinnt, wer schneller schrumpft.

Denn allmählich mutiert der Status als systemrelevante Bank von einer Garantie für ein staatliches Sicherheitsnetz zu einem echten Kostennachteil. Bereits seit Jahresbeginn muss die Deutsche Bank  deswegen 0,5 Prozentpunkte Extra-Kernkapital bereithalten. Und von nun an dürfte der Too-big-to-fail-Malus von Jahr zu Jahr teurer werden, wenn die Bank es nicht schafft gegenzusteuern.

Das Haus von John Cryan kann sich schon einmal auf schlechte Nachrichten Mitte November einstellen, wenn der Baseler Ausschuss der Bankenaufseher das neue Ranking der global systemwichtigen Banken veröffentlicht. Diese Liste entscheidet darüber, wie hoch der geforderte Kapitalaufschlag ausfällt. Niemand will dort noch oben stehen, außer Spitzenreiter JPMorgan Chase , dessen Chef Jamie Dimon meint, es sich leisten zu können.

Die Deutsche Bank hat es seit der ersten Ausgabe 2012 immerhin geschafft, aus der obersten Kategorie in die zweithöchste abzusteigen (während der einzige heimische Rivale Commerzbank  das Etikett "systemrelevant" gleich ganz ablegen konnte). Nach der jüngsten Rangliste, die im November 2015 mit Bilanzdaten von Ende 2014 erstellt wurde, schien ein weiterer Abstieg in Reichweite, was entscheidend sein könnte, um eine von etlichen Analysten befürchtete weitere Kapitalerhöhung zu vermeiden.

Doch aktuell sieht es nicht danach aus. Die Deutsche Bank hat ihre Rechnung für die Baseler Kontrolleure bereits offengelegt (PDF)  - und macht keinen Fortschritt beim Schrumpfkurs. In acht von zwölf Kriterien steigt ihr Systemrelevanz-Wert sogar noch an.

Die Konkurrenz schrumpft schneller

Spürbar unwichtiger (und aus Sicht der Aufseher ungefährlicher) gemacht hat sie sich mit einem geringeren Volumen außerbörslich gehandelter Derivate, aber auch mit einer geringeren Rolle im Zahlungsverkehr - ausgerechnet, denn die in dieser Sparte europaweit herausragende Position wollte die Bank mit ihrer neuen Strategie eher noch betonen.

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Auf der anderen Seite steht ein gestiegener Wert der im Handelsbuch und als zum Verkauf vorgesehenen Aktien. Hier könnte ein paradoxer Effekt eintreten:

Die vermurkste Trennung von der Postbank, zum Teil mit dem Systemrelevanz-Malus begründet, würde demnach zumindest vorübergehend den Aufschlag erhöhen, solange die Deutsche Bank Postbank-Aktien hält, sie nicht mehr als strategisches Investment betrachtet, aber auch noch keinen Käufer gefunden hat. Und dieser Effekt kostet die Bank noch auf Jahre Geld, weil die Kapitalquoten mit Verzögerung berechnet werden.

Unterm Strich ist der Baseler Systemrelevanz-Score der Deutschen nach Berechnung von manager-magazin.de gegenüber 2014 gerade einmal von 360 auf 359 Punkte gesunken - zumindest nach den im vergangenen Jahr verwendeten Messzahlen. Maßgeblich werden aktuelle Daten sein, die erst im November in Basel bekanntgegeben werden. Doch die richten sich danach, wie die systemrelevanten Banken insgesamt sich entwickeln.

Barclays hat gute Chancen, den Unwichtigkeits-Wettbewerb zu gewinnen

Das Problem für Cryan: Selbst wenn die Deutsche Bank nennenswerten Fortschritt beim Risikoabbau machen würde, die Konkurrenz schrumpft schneller. Unmittelbarer Rivale ist neben der französischen BNP Paribas  - immerhin auf Platz vier im Ranking, während die Deutsche sich auf Rang fünf vorschob - die britische Barclays .

An Barclays und der Bank of America  müsste die Deutsche Bank (nach unten) vorbeiziehen, um in die nächstniedrige Stufe der Wichtigkeit zu gelangen. Barclays allerdings hat seinen Score nach unserer Rechnung von 349 auf 309 Punkte gesenkt.

Die Briten dampfen ihr Investmentbanking radikal ein und trennen sich neuerdings auch von ihrem großen Afrika-Geschäft - auch Internationalität gilt den Aufsehern als Risiko. Dafür haben sie nun anstelle der Deutschen eine Chance auf die billigere Risikoklasse.


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