Deutsche-Bank-Aufsichtsratsvize schmäht Ausschuss-Chef Aufsichtsratsspitze attackiert eigenen Chef-Aufklärer

Zoff im Rat: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Zoff im Rat: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Die Aufsichtsratsspitze der Deutsche Bank will interne Meinungsverschiedenheiten offensichtlich mithilfe einer öffentlichen Schlammschlacht lösen. Alfred Herling, Vize von Aufsichtsratschef Paul Achleitner, attackierte Mitkontrolleur Georg Thoma in außergewöhnlich persönlicher, scharfer und öffentlicher Form. Thoma leitet den Integritätsausschuss des Aufsichtsrats  , der die Geschäfte der Bank sauber und integer halten soll. Die für die Bank derzeit potentiell gefährlichsten Untersuchungen betreffen Vorwürfe unter anderem der Geldwäsche durch Deutsche-Bank-Mitarbeiter in Moskau. Auch die US-Behörden haben sich eingeschaltet. Thoma, 71, gilt als einer der versiertesten Wirtschaftsanwälte Deutschlands  .

Herling sprach Thoma für die Rolle des Chef-Aufklärers nun de facto die Eignung ab: "Er überzieht, wenn er immer breitere Untersuchungen fordert und immer noch mehr Anwälte aufmarschieren", zitiert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) Herling. Thomas Arbeit sei gekennzeichnet von "Übereifer" und "juristischer Selbstverwirklichung", so Herling. Achleitner, selbst wiederum dank Engagements

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bei Daimler und RWE einer der erfahreneren Aufsichtsräte der Republik und normalerweise ein starker Anhänger seriöser und vertrauensvoller Diskussionen, scheint die Sichtweise seines Vizes zu stützen: Weder hielt er Herling im Vorwege von der verbalen Kriegserklärung ab, noch gab er der Bitte um einen Kommentar in der FAS nach, mit dem er die Sichtweise Herlings hätte abmildern können.

Wirtschaftsanwalt Georg Thoma

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Die Attacken Herlings stehen zumindest indirekt im Gegensatz zu der These des Co-Vorstandschefs John Cryan. Der hatte erst im März in einem Interview betont, der Fall in Moskau werfe "Fragen danach auf, wie wirksam unsere Systeme und Kontrollen sind  ". Impulse für die Verbesserung dieser "Systeme und Kontrollen" ist eine der Hauptaufgaben des Integrationsausschusses. Im November hatte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung die Aufsichtsratsspitze scharf für einen der jüngsten Konzernabschlüsse kritisiert: "Die Berichterstattung im Konzernlagebericht ermöglicht es den Adressaten nicht, sich ein zutreffendes Bild von der am Bilanzstichtag bestehenden Lage des Konzerns hinsichtlich der Rechtsrisiken und den damit verbundenen Unsicherheiten für die künftige Entwicklung zu machen", heißt es da. Das "Handelsblatt" zitierte am Sonntagabend aus einer E-Mail Thomas an Mitglieder des Integrationsausschusses, in der er seine Arbeit rechtfertigt: "Die Themen der Vergangenheit sind nicht mein Hobby. Der Aufsichtsrat würde pflichtwidrig handeln, wenn er nicht aufklärt."

Die Attacken Herlings, der selbst nicht Mitglied im Integritätsausschuss ist, deuten möglicherweise auf wachsende Nervosität der Aufsichtsratsspitze vor der Hauptversammlung am 19. Mai hin. Derzeit wird bankintern untersucht, welche Rolle Paul Achleitner in den Verhandlungen mit der britischen Finanzaufsicht FCA in der so genannten Libor-Affäre hatte, die zu Zahlungen in Höhe mehrerer Hundert Millionen Euro führte. Sollte die Untersuchung nicht bis zum Aktionärstreffen abgeschlossen sein, könnte Achleitner teilweise wegen Befangenheit die Versammlungsleitung abgeben müssen - sein Vize Herling müsste übernehmen.

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Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann  ist im Hauptberuf Betriebsratsvorsitzender der Bank, die gerade über einen massiven Stellenabbau verhandelt. Achleitner pflegt traditionell sehr kooperative Beziehungen mit den Arbeitnehmervertretern. Herling selbst bezeichnete es einmal als " eine seiner wichtigsten Aufgaben  (…) für alle Beschäftigten im Deutsche-Bank-Konzern gute Arbeits- und Entlohnungsbedingungen zu erreichen und zu sichern".