Risikoinvestment in Israel Containerwette eines Händlers bringt Deutscher Bank Milliarden

Gewagt und gewonnen: Der Händler Mark Spehn hat für die Deutsche Bank offenbar einen Milliardengewinn herausgeholt, laut einem Bericht den besten Deal des Konzerns seit "The Big Short". Er setzte auf eine Containerreederei aus Israel, als diese als Pleitefall gehandelt wurde.
Comeback: Lastwagen mit Container von Zim in israelischem Hafen Aschdod

Comeback: Lastwagen mit Container von Zim in israelischem Hafen Aschdod

Foto: AMIR COHEN/ REUTERS

Mark Spehn (35) könnte der große Held der Deutschen Bank werden. Der Londoner Investmentbanker ist laut einem "Bloomberg"-Bericht im Begriff, dem Konzern mit einem einzelnen Investment mehr Gewinn zu bringen, als die Bank jemals während Spehns Laufbahn verbuchen konnte.

Spehns Wette auf die israelische Containerreederei Zim sei eines der lukrativsten Investments seit den Derivaten auf fallende US-Immobilienpreise in der globalen Finanzkrise, berichtete die Nachrichtenagentur  am Dienstag unter Berufung auf Insider. Annähernd eine Milliarde Dollar Gewinn stünden für die Bank in Aussicht. Die Deutsche Bank und Spehn lehnten eine Stellungnahme ab.

Dem Bericht zufolge habe Spehn kurz nach seinem Antritt bei der Deutschen Bank 2016 weniger als 100 Millionen Dollar in Anleihen und Bankkredite von Zim mit hohem Abschlag auf den Nennwert investiert. Für wenige Millionen Dollar kamen noch Zim-Aktien hinzu. Damals hatte das Unternehmen des Milliardärs Idan Ofer (65), das im globalen Ranking der Containerreedereien auf Platz 10 steht, gerade eine Umschuldung hinter sich. Wegen der jahrelang andauernden Schifffahrtskrise galt dies als Hochrisikoinvestment, für das kaum Geldgeber zu finden waren. Bis heute legten die Papiere jedoch sprunghaft an Wert zu.

Laut "Bloomberg" hielt Spehn über die Jahre eisern an seiner Position fest, das er mit seinem Vertrauen in Ofer und die früher oder später doch zu erwartende Erholung der Containerschifffahrt begründete. Spehn habe in der Londoner City aktiv um weitere Investoren geworben, meist jedoch vergeblich. Goldman Sachs und der von einem früheren Deutschbanker gegründete Fonds Fidera schlossen sich demnach an.

Aussicht auf riesigen Bonus?

Die ehemals in Schwierigkeiten steckende Reederei erholte sich in den vergangenen Jahren und ging Ende Januar an die Börse. Die Deutsche Bank verkaufte laut dem Bericht Schuldscheine zum Nennwert und dadurch mit hohem Gewinn weiter und versilberte Anfang Juni einen Teil ihrer Zim-Aktien. Laut Daten von Refinitiv hielt die Deutsche Bank zuletzt noch einen Anteil von 13,7 Prozent im Wert von 923 Millionen Dollar. Seit der zweiten Jahreshälfte 2020 steigen die Preise für den Containertransport wieder, wovon Zim profitiert. Der gesamte Börsenwert von Zim beläuft sich heute auf knapp fünf Milliarden Dollar, viermal so viel wie noch beim Börsengang im Januar. Für dieses Jahr hat Zim eine Sonderdividende angekündigt.

Neben der Deutschen Bank sollen auch Idan Ofer und Mark Spehns früherer Arbeitgeber SC Lowy zu den großen Profiteuren der Erholung gehören. SC Lowy habe bereits 2012 - also vor der Pleite - in Zim investiert. Auch die Schiffsleasingfirma Danaos, die ihre Ansprüche 2014 in Aktien umgetauscht hatte, meldete einen Gewinn von mindestens 250 Millionen Dollar infolge des Börsengangs.

Für die Deutsche Bank verspricht der Zim-Trade "Bloomberg" zufolge den höchsten Gewinn aus einem einzelnen Investment, seit der Händler Greg Lippmann 2006 mit Leerverkäufen ("The Big Short") auf fallende Preise für Kreditderivate auf US-Immobilienhypotheken, sogenannte Collateralized Debt Obligations, im Subprime-Segment setzte und damit zwei Milliarden Dollar verdiente. Das Finanzblog "Efinancialcareers" spekuliert bereits, Spehn könnte ein Bonus von 70 Millionen Dollar zustehen. Die Deutsche Bank unter der Führung von Christian Sewing (51) schüttet zwar wieder üppige Boni aus, um die lange verschmähten Investmentbanker für ihren Erfolg in der Corona-Krise zu belohnen und sie im Konzern zu halten. Andererseits aber wird die Gesamthöhe der Ausschüttungen von den Aufsichtsbehörden gedeckelt, die besonders riskantes Verhalten begrenzen wollen.

ak/Reuters