Dienstag, 2. Juni 2020

Deutsche Bank noch weit von einer Wende entfernt Mehr Zeit erkauft

Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank

Wachstum im Handelsgeschäft gibt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Rückenwind, die zum Wachstumstreibern erklärten Geschäfte dagegen schwächeln. Die Wende lässt noch auf sich warten.

Es gehört schon eine Portion Autosuggestion dazu, um die durchwachsene Jahresbilanz der Deutschen Bank so rosarot zu sehen, wie das Geldhaus sie an diesem Donnerstag malte: "Unsere Strategie greift", betonte Bank-Chef Christian Sewing. "In allen vier Geschäftsbereichen sind wir gut unterwegs." Und weiter: Man sei zufrieden, man sei weit vorangekommen.

Was stimmt, ist: Sewing hat einige Stellschrauben in die gewünschte Richtung gedreht. Die Kosten sinken wie versprochen. Die Kapitalausstattung ist sogar etwas besser als erwartet. Beim Abbau der Geschäfte, die er in die interne Bad Bank ausgelagert hat, kommt er schneller voran als gedacht.

Sein im Sommer vergangenen Jahres angekündigter Großumbau der Krisenbank hat im Kern aber dieses Ziel: Um das Institut zukunftsfest zu machen, will er das Geschäftsmodell ändern. Geht es um Wachstum und Rendite, will er sich nicht mehr auf die glamouröse, aber schwankungsanfällige Investmentbanksparte verlassen, sondern auf stabilere Bereiche im Privatkundensektor und im Geschäft mit Unternehmen. Und genau da lässt der Nachweis, dass die Strategie greift, noch auf sich warten.

Bei den auserkorenen Wachstumstreibern sah es düster aus

Es war doch die Investmentbank, vor allem der Anleihe- und Währungshandel, der im Schlussquartal 2019 mit einem Ertragsplus von 31 Prozent glänzte. So konnte sich Sewing hinstellen und sagen, das Kerngeschäft habe sich stabilisiert. Im Prinzip hat er sich damit aber nur noch mehr Zeit erkauft, um den Schwenk zu den Geschäftsfeldern hinzubekommen, die er eigentlich zu den Wachstumstreibern auserkoren hatte.

Im vierten Quartal 2019 sah es dort noch arg düster aus: Die Erträge im Transaktionsbanking, dem "Herzstück der Deutschen Bank", wie Sewing noch bei der Hauptversammlung im Mai 2019 vor Aktionären schwärmte, brachen um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein, und in der deutschen Privatkundenbank um 7 Prozent. Eigentlich soll die Privatkundensparte laut Plan bis 2022 von Jahr zu Jahr konstante Erträge bringen und die Unternehmensbank, zu der vor allem das Transaktionsbanking gehört, mit 3 Prozent zulegen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Das Wohl und Wehe hängt immer noch von der Investmentbank ab

Investoren und Analysten scheint aber derzeit die genaue Zusammensetzung der Erträge nicht wichtig zu sein, wie die Aktienkursentwicklung zeigt. Die Titel Börsen-Chart zeigen haben am Donnerstag zeitweise um mehr als 4 Prozent zugelegt - angesichts der Anzeichen, dass die Bank wieder zum Leben erwacht. Seit Anfang des Jahres liegt das Plus bei mehr als 10 Prozent.

Die Investmentbank hat trotz der Einschnitte, die Sewing der Sparte verordnet hat, noch immer ein hohes Gewicht - mit einem Anteil von 30 Prozent an den Erträgen. Der Bank-Chef spricht zwar gern von "von der radikalsten Transformation der Deutschen Bank seit zwei Jahrzehnten", die er angestoßen hat. Das Wohl und Wehe hängt aber angesichts der Größe der Investmentbank noch immer im beträchtlichen Ausmaß von dieser Sparte ab. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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