Montag, 20. Mai 2019

Regulierung und Finanzkriminalität Weiteren Deutsche-Bank-Managern droht der Abgang

Ist Vorständin Sylvie Matherat kurz vor dem Abgang bei der Deutschen Bank?
ddp images/Sven Simon
Ist Vorständin Sylvie Matherat kurz vor dem Abgang bei der Deutschen Bank?

Die Deutsche Bank soll einen Umbau der Führungsebene planen. Die Restrukturierung könnte zu einem Abgang hochrangiger Manager führen, berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag unter Berufung auf Personen, die mit den Plänen vertraut sind. Im Fokus stünden dabei Führungskräfte, die mit der Regulierung in Europa und den USA befasst seien.

Dazu könnten laut "WSJ" die Vorständin Sylvie Matherat, die für Aufsichts-, Regulierungs- und Compliance-Fragen zuständig ist, und der Chef des Amerika-Geschäfts, Tom Patrick, gehören. Die Pläne seien allerdings noch nicht final.

Wie zwei Bank-Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch bestätigten, ist die Kritik an den beiden Top-Leuten zuletzt lauter geworden. Kurzfristig werde zwar nicht erwartet, dass Matherat gehen müsse. Der Job von Patrick hingegen, der unter anderem für das schlechte Standing der Bank bei den US-Behörden verantwortlich gemacht werde, wackele bedenklich. Die Deutsche Bank wollte sich gegenüber manager-magazin.de und Reuters dazu nicht äußern. Der Aufsichtsrat tagt Anfang Dezember das nächste Mal.

Ihre Amerika-CEOs hat die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen zuletzt regelmäßig ausgetauscht. Im August 2017 wurde Tom Patrick der dritte USA-Chef in nur 18 Monaten. Sylvie Matherat ist seit November 2015 Vorständin bei der Deutschen Bank. Zuletzt soll die Managerin laut "WSJ"-Bericht ihre Unzufriedenheit gegenüber Mitarbeitern ausgedrückt haben. Grund sollen Beschränkungen gewesen sein, die besseren Kontrollen der Finanzkriminalität und verbesserten Beziehungen zu Regulierungsbehörden im Wege stünden.

Im Sog des Geldwäsche-Skandals

Gleichzeitig steigt aber der Druck von oben: Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing und andere Topmanager sollen Sylvie Matherats Leistung nach dem jüngsten Geldwäscheskandal um die Danske Bank genauer in den Blick genommen haben. Die estnische Filiale der Danske Bank steht dabei im Zentrum des Skandals. Eine interne Untersuchung des dänischen Instituts hatte ergeben, dass der größte Teil der 200 Milliarden Euro, die zwischen 2007 und 2015 über die Niederlassung flossen, verdächtig gewesen sei.

Ein Ex-Mitarbeiter der Danske Bank sagte vergangene Woche aus, dass das Geld über die US-Tochter einer großen europäischen Bank gewaschen worden war. Er nannte die Deutsche Bank nicht beim Namen. Wie Medien aber erfahren hatten, ist das Frankfurter Institut sowie die US-Großbanken JPMorgan Chase Börsen-Chart zeigen und Bank of America Börsen-Chart zeigen im Visier der Ermittler.

Die Deutsche Bank weist jegliche Verantwortung zurück. Matherat hatte vor wenigen Tagen erklärt, das größte deutsche Geldhaus habe die Kunden der Danske Bank nicht kennen und durchleuchten müssen und stehe deshalb auch nicht in einer Mitverantwortung für die Geldwäsche-Fälle. Das ist unter Rechtsexperten umstritten. Wie einer der Insider Reuters sagte, sind die Aussagen Matherats auch nicht von allen in der Bank mit Wohlwollen aufgenommen worden. Fest steht, dass die Deutsche Bank 2015 die Kundenbeziehung zur Danske beendete, nachdem immer mehr Verdachtsfälle auffielen.

Scharfe Rüge: BaFin setzt Bank einen Aufseher vor

Bereits Ende September hatten sich Matherat und die Deutsche Bank eine scharfe Rüge eingefangen: Die Finanzaufsicht BaFin setzte bei dem Geldhaus einen Sonderbeauftragten für Geldwäscheprävention ein. Er soll überwachen, wie die von der BaFin angeordneten Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung umgesetzt werden. "Es ist das erste Mal, dass die Bafin eine solche aufsichtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet", hieß es von der Behörde. Zuletzt hatte Matherat in ihrem Ressort einige Spitzenkräfte verloren, die wichtige Ansprechpartner für die Spitzenbürokraten waren.

CEO-Wechsel halten Wertverfall nicht auf

Erst im April hatte die Deutsche Bank ihren Vorstandsvorsitzenden ausgetauscht. Christian Sewing war auf John Cryan gefolgt, der die verlustreiche Bank mit sofortiger Wirkung verlassen hatte. Der Brite Cryan hatte 2015 das Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Spitze der Bank abgelöst. Die Wechsel sollten die Bank wieder besser aufstellen, allerdings ist der Aktienpreis weiter gefallen - allein in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent auf rund acht Euro.

Zuletzt hat auch der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Stefan Krause das Management öffentlich kritisiert. "Auf der Deutschen Bank lasten drei Jahre des strategischen Stillstands", sagte er in einem Interview des manager magazins. "Seit dem Führungswechsel zu John Cryan sind die Erträge kontinuierlich gesunken."

kyr/rtr

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