Sonntag, 26. Mai 2019

Deutsche Bank und Commerzbank Fusionsfantasie provoziert Aufseher der Deutschen Bank

Stark genug um dauerhaft allein zu bestehen? Manche haben da Zweifel. So wollen die Gerüchte einer Fusion zwischen Commerzbank und Deutscher Bank nicht enden

Die Gerüchte über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen gären schon lange. Doch jetzt feuert diese auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz an, indem er sein Bekenntnis zu einer deutschen Großbank erneuert und Gespräche der beiden Institute bestätigt. Der Bund ist noch mit 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Und jetzt, wo die Konjunktur beginnt zu schwächeln, werden perspektivisch auch die Geschäfte von Banken schlechter laufen. Eine echte Wende ist trotz starker Einschnitte bei beiden Instituten auch noch nicht in Sicht.

Das könnte als Motiv genügen. Dennoch erntet Scholz' Vorstoß viel Kritik. Es sei nicht Aufgabe des Finanzministers nationale Champions zu schmieden, betont der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Größe allein mache keine bessere Bank. Laufe die Sache schief, müsse dann sowieso wieder der Steuerzahler einspringen, warnt der BVR rückblickend auf die in der Finanzkrise mit Steuergeld in Deutschland geretteten Institute.

Dass aus zwei ertragsschwächeren nicht per se eine starke Bank wird, dräut auch den Gewerkschaften. Sie fürchten im Fusionsfall zu Recht einen massiven Stellenkahlschlag von mehreren Zehntausend Beschäftigten, den müsste dann konsequenterweise auch der Bundesfinanzminister mit vertreten, wenn er es ernst meint mit einem wettbewerbsfähigen nationalen Champion.

Ein fusioniertes Institut müsste bis zu 30.000 Jobs der insgesamt dann 130.000 Stellen streichen, um allein auf der Kostenseite wettbewerbsfähiger zu sein, berichtetet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Andere Beobachter haben in den vergangenen Tagen gar von bis zu 40.000 Stellen gesprochen.

Und selbst dann wäre ein fusioniertes deutsches Großinstitut mit Blick auf die Bilanzsumme und dem Börsenwert noch ein Zwerg im Vergleich zu US-amerikanischen und zum Bespiel chinesischen Großbanken, wenden Kritiker ein.

Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geht in die Offensive

Der Reflex der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist insofern verständlich. "Aus Arbeitnehmersicht können wir das Szenario nur ablehnen. Denn der einzige sich klar abzeichnende Effekt dieser Fusion wäre der Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen", twittert Aufsichtsratsmitglied Jan Duscheck.

Im Gegenteil werde so ein Deal die fusionierte Bank eher attraktiver für eine feindliche Übernahme aus dem Ausland machen, anstatt einen nationalen Champion zu schaffen, zitiert Bloomberg aus einer Mail von Duscheck. Das Hauptproblem der Deutschen Bank, das bereits gestutzte Investmentbanking, werde mit einer Fusion auch nicht gelöst. Schließlich sei die Coba hier nicht mehr aktiv, ist der Gewerkschafter überzeugt.

Angefasst ob der informellen Gespräche zwischen Vorständen beider Banken zeigt sich auch die Bankengewerkschaft DBV. Sie droht nach Worten ihres Bundesvorsitzenden Stephan Szukalski gar mit einer Blockade der Gespräche über die Integration der Postbank, berichtet das "Handelsblatt". Szukalski gehört ebenfalls dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank an.

Aufseher melden Zweifel an

Auch Aufsichtsbehörden scheinen den Sinn einer Fusion der beiden Institute anzuzweifeln. Wohl weniger wegen des damit verbundenen Stellenkahlschlags als vielmehr wegen des Risikos einer gescheiterten Integration der beiden Banken. Da träfen nicht nur zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, auch die Angleichung der IT-Systeme der Banken sei eine enorme Herausforderung.

Ganze zehn Jahre brauchte die Commerzbank, um die auch politisch forcierte Übernahme der Dresdner Bank zu verdauen. Noch heute, hieß es am Mittwoch in Rundfunkberichten, klagten Mitarbeiter des fusionierten Instituts über damit zusammenhängende IT-Probleme.


Lesen Sie auch: "Es wäre ein Blutbad"


Der Integrationsprozess von Deutscher und Commerzbank dürfte sicher nicht weniger Probleme aufwerfen und Jahre in Anspruch nehmen - wertvolle Zeit, in der der gewünschte nationale Champion mehr mit sich selbst als mit seinen Wettbewerbern und der notwendigen Aufholjagd beschäftigt wäre, wenden die Skeptiker ein.

Too big to fail?

Auch werden die Aufsichtsbehörden die Frage beantworten müssen, ob die neue Großbank sich im Fall einer ernsthaften Krise selbst retten beziehungsweise abwickeln kann, ohne den Steuerzahler oder die Anleihegläubiger zu belasten. Das muss sie nämlich nach den neuen Bankenregeln. Sollten Bafin, EZB und Bundesbank diese Frage nach Prüfung möglicher Fusionspläne nicht eindeutig mit Ja beantworten, müssten sie den Zusammenschluss eigentlich zwingend untersagen. Alles andere wäre eine Einladung an Spekulanten und würde den Bankenmarkt mit seinen impliziten Staatsgarantien noch weiter verzerren.

Nicht zuletzt die rund 38 Millionen Kunden eines aus Commerzbank, Postbank und Deutscher Bank verschmolzenen Instituts dürften sich die Frage stellen, bei wem sie denn da jetzt gelandet sind.

Was machen die Kunden?

Ein Konto bei der staatlich gestützten Commerzbank und eben nicht bei der von Skandalen gebeutelten Deutschen Bank zu führen, ist für viele Kunden sicher auch eine ganz bewusste Entscheidung. Gut möglich, dass sie dann zu den Sparkassen oder den Genossenschaftsbanken oder gleich zu einem der aufstrebenden Fintechs wie N26 wechseln. Schließlich könnten auch Großkunden ins Zweifeln geraten: Unterhalten sie doch in der Praxis Geschäftsbeziehungen mit mehreren Banken.

Aktuell scheinen mehr Argumente gegen denn für eine Fusion zu sprechen. Doch der politische Druck ist nicht von der Hand zu weisen. Und ein Nichtstun können sich die Vorstände beider Banken nicht leisten.

Sie werden Antworten geben müssen - sicher auch ihren Aufsichtsräten, die am Donnerstag (21. März) parallel, aber getrennt zusammenkommen. Lange geplant, versteht sich. Offiziell steht eine mögliche Fusion nicht auf den Tagesordnungen. Die eine oder andere Erklärung werden die Aufseher aber von ihren Vorständen einfordern. Und sei es die Antwort auf die Frage, wie man aus dieser Nummer am besten wieder rauskommt. Noch besser aber, sie überzeugen die Zweifler bald mit guten Geschäftszahlen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung