Pleitegefahr für die Deutsche Bank? Deutsche Bank ist wie ... Lehman? Oder doch eher wie UBS?

Droht der Deutschen Bank das gleiche Schicksal wie Lehman Brothers im September 2008? Vieles spricht gegen ein "Lehman-Szenario". Vergleiche mit der "UBS 2009" oder "Unicredit 2012" führen weiter.
Das Schreckensbild der Bankbranche: Die Lehman-Pleite 2008 schickte Schockwellen um die Welt

Das Schreckensbild der Bankbranche: Die Lehman-Pleite 2008 schickte Schockwellen um die Welt

Foto: DPA

Die Aktie der Deutschen Bank ist unter 10 Euro und damit auf das Maß "ein Kasten Bier" gefallen. Andere Bankenwerte rauschen ebenfalls ab, während sich Bankchef John Cryan um Beruhigung müht. Die CDS des Konzerns - eine Art Pleite-Versicherung - werden spürbar teurer, und die der Bundesrepublik Deutschland gleich mit, allen Dementi zum Trotz. Erinnerungen an die Finanzkrise werden wach.

Da kann etwas Perspektive nicht schaden. "Dilettanten sprechen über Lehman im September 2008. Profis über Unicredit im Januar 2012. Aber Kenner sprechen über UBS 2009." Das twittert der Analyst Daniel Davies, der auch in kurzen Erklärblogs  dargelegt hat , wie weit die Deutsche Bank von einer Insolvenz oder einer nötigen staatlichen Rettungsaktion entfernt sei.

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Nun räumt Davies ein, mit all den fundamentalen Analysen über ausreichende Liquiditäts- und Kapitalreserven oder die Irrelevanz der abgezogenen Hedgefonds-Gelder könne er sich auch den Mund fusselig reden.

Eine Marktpanik habe nun einmal die Tendenz, sich selbst zu bewahrheiten: Wenn genügend Investoren, Kunden und Gläubiger annehmen, es könnte Probleme geben, dann gibt es auch Probleme. "In der Finanzbranche ist Wahrnehmung die Wirklichkeit", nennt Davies das.

Dennoch gebe es bedeutende Unterschiede zwischen der aktuellen Unruhe und den früheren Fällen, die im Extrem vor acht Jahren weltweit Chaos anrichteten. Hier sind die Gründe, warum die US-Bank Lehman Brothers pleite ging, Unicredit und UBS aber nicht.

Lehman-Pleite 2008: Die besseren Sicherheiten der Deutschen Bank

Mit dem Rücken zur Wand: Konferenz in der Londoner Lehman-Filiale im September 2008

Mit dem Rücken zur Wand: Konferenz in der Londoner Lehman-Filiale im September 2008

Foto: Kevin Coombs/ REUTERS

Auch das Management von Lehman Brothers hatte seinerzeit Gründe, die negative Marktstimmung als unbegründete Panikmache abzutun. Schließlich hatte die US-Investmentbank den Großteil seiner fürs tägliche Geschäft nötigen Interbankkredite mit erstklassigen Sicherheiten unterlegt.

Eines der Probleme war nur: Dabei handelte es sich oft um Hypothekenderivate, deren Wert mit dem US-Immobilienmarkt kollabierte, weil es massenhaft zu Zahlungsausfällen der Schuldner kam. Die Staatsanleihen, mit denen die Bilanzen heute wie im Fall der Deutschen Bank vollgestopft sind, sind zwar auch nicht über jeden Zweifel erhaben - aber bevor eine Bundesanleihe ausfällt, haben wir ganz andere Probleme, als uns noch um die Deutsche Bank zu sorgen.

Deutsche-Bank-Kredite mit Staatsanleihen unterlegt - nicht mit Hypotheken

Ebenfalls kaum wiederholen dürfte sich die damalige Nonchalance - zum einen der staatlichen Akteure in Federal Reserve und US-Finanzministerium, die es nach gescheiterten Rettungsversuchen mit Lehman einfach darauf ankommen ließen: Was soll so eine mittelgroße Investmentbank schon anrichten?

Die Deutsche Bank trägt heute das Siegel "gefährlichste Bank der Welt" vom IWF - was zugleich wohl auch bedeutet "sicherste Bank", denn im Zweifel würde der Staat einspringen (was keinesfalls bedeutet, dass auch das Geld von Aktionären und nachrangigen Gläubigern sicher ist).

Vor allem die Führung von Lehman Brothers wirkte am Untergang mit. Wie Davies schreibt, wiesen Dick Fuld und seine Leute die Rettungsangebote von Barclays und anderen - zuvor waren Wettbewerber wie Bear Stearns oder Merrill Lynch von Großbanken aufgefangen worden - als unter Wert zurück. Dieser falsche Stolz ist den Topbankern seitdem gründlich vergangen.

Unicredit 2012: Dünne Kapitaldecke - und eine teure Kapitalerhöhung

Immer noch da, immer noch kapitalhungrig: Die Unicredit-Zentrale dominiert die Mailänder Skyline

Immer noch da, immer noch kapitalhungrig: Die Unicredit-Zentrale dominiert die Mailänder Skyline

Foto: © Stefano Rellandini / Reuters/ REUTERS

Der Vergleich von Unicredit und Deutscher Bank hat nach Jahren der Euro-Krise politischen Haut-Gout. Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan forderte in der Zeitung "La Stampa" am Freitag eine "rasche Lösung für die Probleme der Deutschen Bank" - ebenso wie für die wegen der Wirtschaftskrise faulen Kredite der italienischen Banken.

Ebenso hatte sich Ministerpräsident Matteo Renzi zuvor geäußert und die Bundesbank zum Handeln aufgefordert - eine Retourkutsche, weil bisher immer auf Italien und seinen Banken in umgekehrter Richtung herumgehackt wurde.

Aber die Analogie ist nicht schlecht: Auch Unicredit ist eine eher konservativ geführte Bank, die stets stolz auf ihre solide Bilanz und ihr im Kern ertragreiches Geschäft war. Die Finanzkrise schien an ihr vorüberzuziehen - bis es mit Italien insgesamt und den anderen bedeutenden Märkten wie Osteuropa bergab ging.

Schmerzhafte Kapitalerhöhung im Jahr 2012

Trotzdem glaubte die Führung lange, mit ihrer inzwischen im Branchenvergleich dünnen Kapitalbasis auskommen zu können und gegen jegliche Risiken gefeit zu sein.

Als das Management sich nach negativen Stresstests schließlich doch zur Kapitalerhöhung entschloss, wurde es richtig teuer: Anfang 2012 musste Unicredit frische Aktien mit mehr als 40 Prozent Rabatt anbieten, um 7,5 Milliarden Euro Kapital einzusammeln. Und jetzt ist schon wieder eine Lücke in ähnlicher Größenordnung entstanden. Aber auch die wird wohl geschlossen.

UBS 2009: Dicht an der Pleite - und mit Hilfe von John Cryan der Krise entkommen

Der Existenzkrise entkommen: John Cryan als UBS-Finanzvorstand mit Ex-Bankchef Oswald Grübel 2010

Der Existenzkrise entkommen: John Cryan als UBS-Finanzvorstand mit Ex-Bankchef Oswald Grübel 2010

Foto: DPA

Wer diese Lehren beherzigt habe? Niemand mehr als Deutsche-Bank-Chef John Cryan, meint Analyst Davies. "Der hat mehr Bankenrettungspläne durchgezogen, als ich Boni bekommen habe."

Als Paradebeispiel gilt die UBS. Die Erinnerung an Lehman war noch ziemlich frisch, als sich 2009 gewaltige Verluste im Investmentbanking der Schweizer Großbank aufhäuften (für 2008 stand ein Jahresverlust von 20 Milliarden Franken zu Buche), die reichen Kunden der Vermögensverwaltung in Scharen flohen und sich außerdem noch heftige Strafen der USA wegen Beihilfe zur Steuerflucht ankündigten.

Shortseller verbrannten sich die Finger

Die Schweizer Bank sah wie der nächste Pleitekandidat aus, schaffte aber die erfolgreiche Wende. Dazu gehörte das Einstampfen des Investmentbankings, der Verkauf wichtiger Konzernteile und das Anwerben wichtiger institutioneller Investoren, um das nötige Kapital zu bekommen - und das vor allem rechtzeitig. Damals hätten sich viele Shortseller die Finger verbrannt, weil ihnen die Aktien aus einer Kapitalerhöhung fehlten, um den Deal zu beenden, berichtet Davies.

Die Operation führte damals ein CFO namens John Cryan. Das ist der Krisen-Connaisseur.


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