Mittwoch, 19. Februar 2020

US-Justiz fordert 14 Milliarden Dollar von Deutscher Bank Deutsche Bank legt sich mit den USA an - Aktie stürzt ab

Deutsche-Bank-Chef John Cryan trotzig: "Auf keinen Fall" werde man "annähernd die genannte Zahl" überweisen

Wegen krummer Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise soll die Deutsche Bank nun die höchste Strafe zahlen, die jemals gegen eine ausländische Bank in den USA verhängt wurde. 14 Milliarden Dollar fordert das US-Justizministerium. Diese Summe will Deutsche-Bank-Chef John Cryan "auf keinen Fall" zahlen.

Die US-Regierung legt die Latte bei den Vergleichsverhandlungen mit der Deutschen Bank im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte hoch. 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) fordert das Justizministerium, teilte das Geldhaus in der Nacht zu Freitag mit. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" entsprechend berichtet.

Dies wäre die höchste Strafe, die jemals gegen eine ausländische Bank in den USA verhängt worden wäre. Die Rückstellungen der Deutschen Bank würden dafür auch nicht ausreichen. Allerdings ist es üblich, dass die Behörden mit viel höheren Forderungen einsteigen, als sie nach den Verhandlungen letztlich bekommen, schreibt auch das Wall Street Journal.

Vor diesem Hintergrund gibt sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan kämpferisch: "Die Deutsche Bank beabsichtigt auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht", heißt es in der Mitteilung. Die Verhandlungen stünden erst am Anfang.

Damit ist ein wesentliches Versprechen der Bank in Gefahr. Cryan hatte signalisiert, die wesentlichen Rechtsrisiken noch in diesem Jahr abhaken zu können. Erst jüngst hatte manager magazin Informationen über einen unmittelbar bevorstehenden Durchbruch in eben jenem Vergleich erhalten.

Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen verloren zu Handelsbeginn in Frankfurt am Freitagmorgen 8 Prozent an Wert.

Cryan gibt sich kämpferisch für die Verhandlungen mit der US-Justiz

Es gehe um die Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere zwischen 2005 und 2007, schreibt die Deutsche Bank. Ihr wird vorgeworfen, mit windigen Geschäften zum Kollaps des US-Häusermarktes im Jahr 2008 - und infolge dessen zur weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise - beigetragen zu haben.

Bereits 2013 hatte die Bank wegen falscher Angaben beim Verkauf von verbrieften Hypothekenpapieren an die staatlichen US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac 1,9 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) gezahlt.

In der Mitteilung wird der geforderte Betrag als "Vergleichsvorschlag" bezeichnet, den das Ministerium mit der Bitte um einen Gegenvorschlag unterbreitet habe. Wie hoch der Vergleich letztlich ausfällt, ist unklar. Die Deutsche Bank erwartet nach eigenen Angaben ein Verhandlungsergebnis, "das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben".

Skandalserie kostete die Deutsche Bank bislang schon 12 Milliarden Euro

Allerdings haben andere Banken im Rahmen von Vergleichen mit der US-Justiz bereits hohe Strafen in solchen Fällen akzeptiert. Die bislang höchste wurde 2014 der Bank of America 2014 mit 16,65 Milliarden Dollar aufgebrummt. Bislang war in Finanzkreisen jedoch nicht davon ausgegangen worden, dass die Deutsche Bank ähnlich viel zahlen muss.

Der Rechtsstreit um zweifelhafte Hypothekenpapiere ist nicht der einzige, vermutlich aber der folgenschwerste, für dessen Beilegung die Bank nun erneut tief in die Tasche greifen muss. Seit 2012 hat die Deutsche Bank für die Aufarbeitung von Skandalen bereits mehr als 12 Milliarden Euro aufgewendet. Für die Beilegung weiterer Rechtsstreitigkeiten hat der Konzern 5,5 Milliarden Euro beiseite gelegt - also viel weniger, als im aktuellen Streit zur Verhandlung steht.

ak/rei/dpa/Reuters

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