Montag, 21. Oktober 2019

Tausende Stellen in Gefahr Deutsche Bank legt offenbar die Axt an US-Aktienhandel

New York Stock Exchange: Verdient die Deutsche Bank mit ihrem Aktienhandel in den USA noch ordentlich Geld? Analysten bezweifeln das.

Nicht nur eine mögliche Bad Bank soll der Deutschen Bank aus der Misere helfen, auch will das Institut offenbar tausende weitere Stellen abbauen. Das Aktienhandelsgeschäft in den USA steht zur Disposition, heißt es. Die angestrebte Rendite auf das Eigenkapital wackelt.

Die Deutsche Bank will offenbar ihr Aktienhandelsgeschäft in den USA drastisch eindampfen. Es sollten dort nur noch Geschäfts- und hochvermögende Kunden bedient werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am späten Montagabend unter Berufung auf Insider. Es sei auch über einen kompletten Rückzug aus dem US-Aktienhandelsgeschäft beraten, diese Option aber wieder verworfen worden.

Es sei noch nicht klar, wie viele der rund 9000 US-Mitarbeiter von dem Vorhaben betroffen seien. Die endgültige Entscheidung stehe noch aus. Die Bank wolle die Pläne zusammen mit den neuen Quartalszahlen im Juli erläutern.

Zuvor hatte bereits Bloomberg über die Pläne berichtet. Ein vollständiger Ausstieg aus dem Handel mit US-Aktien sei derzeit nicht der von der Bank bevorzugte Weg, weil man noch in der Lage sein wolle, bestimmten Kunden den Zugang zum US-amerikanischen Markt zu ermöglichen, schreibt auch Bloomberg.

Die Deutsche Bank ging auf die Berichte im Detail nicht ein, sondern erklärte in einer Email an Bloomberg lediglich, das Geldhaus arbeite an Maßnahmen, um ihren Umbau zu beschleunigen und ihre Profitabilität zu verbessern.

Analyst: Handelsgeschäfte der Deutschen Bank werfen kaum Gewinne ab

Die jetzt noch nicht bestätigten Pläne halten einzelne Analysten gleichwohl nicht für ausreichend. "Das erscheint uns viel zu bescheiden", zitiert Bloomberg Andrew Lim, Analyst bei Societe Generale. "Wir schätzen, dass die Deutsche Bank in ihren Handelsgeschäften sehr niedrige Gewinne oder Verluste erzielt, die sich wahrscheinlich verschlechtern werden, wenn sie Marktanteile verliert."

Vorstandschef Christian Sewing hatte auf der Hauptversammlung im Mai gesagt, dass der Konzernumbau beschleunigt werden soll und vor den Aktionären "harte Einschnitte" angekündigt. Die Investmentbank müsse mehr auf ihre Stärken ausgerichtet werden, hatte er erklärt und Einschnitte im Aktienhandel und im Handel mit Staatsanleihen angedeutet.

Das Aktiengeschäft der Deutschen Bank war mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro im vergangenen Jahr das kleinere ihrer beiden Haupthandelsgeschäfte, verglichen mit 5,4 Milliarden Euro aus festverzinslichen Wertpapieren.

Versprechen der Eigenkapitalrendite von 4 Prozent wohl nicht zu halten

Beim Stellenabbau im Aktiengeschäft und teils auch im Geschäft mit Zinsderivaten könnten nach Schätzungen der "FAZ" insgesamt bis zu 20.000 Jobs innerhalb und vor allem außerhalb Europas betroffen sein. Auch wenn im Ausland weniger striktes Arbeitsrecht gilt und die Bank die Freisetzung dieser Mitarbeiter wahrscheinlich weniger Geld kosten dürfte, Abfindungen werde sie in vielen Fällen gleichwohl zahlen müssen.

Stellenabbau kostet zunächst immer Geld. Dass dann die angepeilte Rendite von 4 Prozent auf das Eigenkapital nur noch schwerlich zu erreichen ist, dürfte kaum verwundern. Nach Informationen des "Handelsblatt" wolle Sewing die Investoren im Juli darauf vorbereiten, dass die versprochenen 4 Prozent Rendite in diesem Jahr verfehlt würden. Der Grund sei eben der Konzernumbau. Dieser würde aber mittelfristig höhere Renditen ermöglichen.

Bad Bank bringt wohl nicht den erhofften Renditeeffekt

Um die Rendite zu steigern, plant die Bank offenbar auch, risikoreiche Papiere in Höhe von 50 Milliarden Euro in eine "Bad Bank" auszulagern, wie die "FT" bereits am Montag berichtet hatte.

Solche Instrumente setzten angeschlagene Banken nach der Finanzkrise häufig ein. Wenn Institute damit Geschäft auslagern, können Investoren besser erkennen, wie sich das eigentliche Kerngeschäft entwickelt. Die Deutsche Bank hatte laut Bloomberg zuletzt im Jahr 2012 so eine nicht zum Kerngeschäft gehörende Einheit installiert, als sie risikogewichtete Aktiva in Höhe von rund 125 Milliarden Euro identifizierte, die sie abgeben wollte.

Einzelne Analysten trauen der nun berichteten Größe von 50 Milliarden Euro allerdings nur einen marginalen Effekt auf die Eigenkapitalrendite zu. Ende März hatte die Deutsche Bank in der Bilanz den Marktwert ihrer Derivate auf 331 Milliarden Euro beziffert - die gesamte Bilanzsumme der Bank belief sich auf 1,44 Billionen Euro.

mit Reuters

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